Zeitschrift-Artikel: Allah = Gott?

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Titel: Allah = Gott?
Typ: Artikel
Autor: Alexander vom Stein
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Allah = Gott?

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In vielen Medien wird aktuell die Frage diskutiert, ob es sich bei Religionskonflikten zwischen Juden, Christen und Muslimen nicht im Grunde genommen nur um „heiße Luft“ handelt, da sie als monotheistische und „abrahamitische“ Religionen doch ganz dicht beieinanderlägen und den gleichen Gott verehrten. › Aber verehren tatsächlich alle den gleichen Gott? Wie soll man diese Gleichsetzung bewerten? Nach einem sorgfältigen Vergleich der Lehren und Gottesbilder wird man dies entschieden zurückweisen. Zusätzlich erhellend erscheint mir die Unterscheidung zwischen Gattungsnamen und Eigennamen. Ein Gattungsname bezeichnet eine Kategorie (z.B. „Hauptstadt“) und ein Eigenname ein spezielles Mitglied dieser Kategorie (z.B. „Berlin“). Ohne Zweifel kann das Wort „Allah“ auch Gott, wie er sich in der Bibel offenbart hat, bezeichnen. Es gibt verschiedene arabische Bibelübersetzungen, die das hebräische „el“ und „elohim“ und das griechische „theos“ mit „Allah“ wiedergeben. In der maltesischen Sprache (Malti), die auf einen arabischen Dialekt zurückgeht, bezeichnet „Allah“ schon seit vielen Jahrhunderten nahezu ausschließlich den Gott der Bibel und in der malaiischen Sprache (Bahasa Malaysia), die in der Vergangenheit auch durch arabische Ein üsse geprägt wurde, ist Gott für Christen und Muslime „Allah“. Es ist sogar historisch belegt, dass „Allah“ schon in vorislamischer Zeit von arabischsprachigen Christen (und Juden!) verwendet wurde. Man kann sich natürlich fragen, ob die Unterscheidung zwischen Eigennamen und Gattungsnamen Sinn macht, wenn es nur einen einzigen Gott gibt. In der Bibel werden die Wörter „el“, „elohim“ und „theos“ allerdings genau so allgemein verwendet. Sie bezeichnen dort nicht nur den wahren Gott, sondern auch (sowohl im Singular als auch im Plural) die Götzen der Menschen. Als Gattungsnamen durften sie selbstverständlich so übersetzt werden. Die gläubigen Juden hatten nichts dagegen, dass die Griechen „theos“ und die Römer „deus“ sagten. Die christlichen Missionare hatten auch kein Problem damit, dass die germanischen Stämme ihren Gattungsnamen „Gott“ (bzw. guda, got, god, gud usw.) auf den Gott der Bibel bezogen und die Finnen ihn „Jumala“ nannten. In den Algonkin-Sprachen nordamerikanischer Indianer wurden mit dem Namen „Manitu“ ganz unterschiedliche Vorstellungen göttlicher Mächte bezeichnet. Die meisten Missionare knüpften daran an und verkündeten ihnen, ganz im Sinn von Apostelgeschichte 17,23 das „was sie nun, ohne es zu kennen, verehrten“. In einigen Bibelübersetzungen wird dort folglich das Wort „Manitu“ für Gott benutzt. Und die Katholiken des Johanniterordens, die lange Zeit die Insel Malta beherrschten und verwalteten, hatten nichts dagegen einzuwenden, dass Gott auf Maltesisch „Allah“ ist. Entscheidend ist, dass Gott sich durch sein Wort, in Altem und Neuem Testament der Bibel, offenbart. › Widersprüche zu Gottes Offenbarung in der Bibel Für Muslime ist es dagegen undenkbar, „Allah“ – den Eigennamen ihres Gottes – in eine andere Sprache zu übersetzen. Allah war ein Gott unter vielen. Ob er Hauptgott, Himmelsgott oder Mondgott war, ist schwierig zu rekonstruieren. Er wurde jedenfalls neben den „Töchtern Allahs“, den Göttinnen Manat, Al-Lat und Al-Uzza und vielen weiteren Gottheiten, in seinem Heiligtum, der Kaaba in Mekka, verehrt. Mohammed war es, der ihn zum alleinigen Gott erklärte. Diese historischen Fakten über den Ursprung ihrer Religion sind den meisten Muslimen bekannt. Sie sehen es als Allahs Handeln, dass er ihre arabischen Vorfahren aus der Vielgötterei (Polytheismus) zum Glauben an sich, den Einen, bekehrt hat. Grundsätzlich spricht diese Entstehungsgeschichte nicht unbedingt gegen den Wahrheitsanspruch des Islam. Wir nden sogar eine interessante Parallele dazu in der Zeit der Erzväter: Obwohl der Name „el“ in dieser Zeit bereits für einen kanaanitischen Götzen in Gebrauch war, hindert das Gott nicht daran, sich Abram unter diesem Namen zu offenbaren und ihn aus seinem götzendienerischen Umfeld herauszuführen. Es existierten also damals schon im Nahen Osten Volksgruppen nebeneinander, die mit „el“ etwas ganz Unterschiedliches bezeichneten. Es gibt aber auch einen wichtigen Unterschied. Es darf nicht übersehen werden, dass die arabischen Stämme zur Zeit Mohammeds in direkter Nachbarschaft zu Juden und Christen wohnten, denen sich der Eine bereits offenbart hatte. Die Gottes-Offenbarung, die Mohammed verkündete, steht zur biblischen Offenbarung Gottes in scharfem Widerspruch. Dadurch, dass verschiedene Gottesbilder nebeneinanderstehen, ist nicht immer unmittelbar ersichtlich, worauf sich das Wort „Allah“ bezieht. Dass einige Christen in islamischen Ländern (z.B. Indonesien) in neueren Bibelübersetzungen ganz bewusst einen anderen Namen für Gott verwenden zeigt, dass sie die Gefahr sehen, dass die Gottesoffenbarung der Bibel mit den Lehren des Koran verwechselt wird. Von der biblischen Urgeschichte ausgehend sollten wir festhalten, dass die Offenbarung und Anbetung des einen Gottes (=Monotheismus) das Ursprüngliche war. Erst als der Mensch die Offenbarung Gottes verwarf, kam es (gemäß Röm 1) zu einer Vielfalt von Religionen, die in der Regel polytheistisch sind. Wenn es durch die „Offen- barungen“ falscher Propheten und „Religionsstifter“ (z.B. Zarathustra, Pharao Echnaton, Mohammed) dazu kommt, dass irgendein Gott aus einer polytheistischen „Götter- welt“ herausgehoben und zum alleinigen Gott erklärt wird, dann sollten wir nicht von Monotheismus, sondern von Mono-Idolatrie sprechen (also nicht Ein-Gott-Glaube sondern Ein-Götzen-Glaube). Ob es sich dabei um den Schöpfergott Ahura Mazda (im persischen Zoroastrismus), den Sonnengott Aton (im ägyptischen Kult des Echnaton) oder den Hauptgott Allah (im arabischen Islam) handelt, ist letztlich egal – alle sind Götzen aus einem Pantheon, die durch den historischen Schwenk eine Alleinstellung erfuhren und in diesem Merkmal dem einen Gott „von Ewigkeit“ den gleichen Anspruch erheben. Wenn wir das muslimische Gottesbild genauer betrachten, stellen wir allerdings auch fest, dass die damit bezeugten Eigenschaften, wie sie z.B. in den „99 Namen Allahs“ zusammengefasst sind, auch in der Bibel von Gott offenbart werden. Muslime sind nicht gottlos. Sie glauben an einen allmächtigen Gott, sie glauben an ein letztes Gericht und sie glauben an ein Leben nach dem Tod. › Trotz allem gute Anknüpfungspunkte ... Das alles können gute Anknüpfungspunkte für ein Gespräch mit ihnen sein. In Johannes 4 gibt der Herr Jesus selbst uns ein schönes Beispiel für die Begegnung mit Angehörigen anderer Religionen. Die Frau, die der Herr am Brunnen anspricht, ist eine Samariterin. Ihre Religion ist eine Mischung aus jüdischen und heidnischen Elementen (vgl. 2Kön 17,33; Esr 4,2). Obwohl die Juden möglichst jeden Umgang mit Samaritern vermieden, bittet er sie um Wasser. Damit verwunderte er die Frau, die damit rechnete, abgelehnt und gemieden zu werden. Auf ihre Verwunderung geht der Herr nicht weiter ein. Er redet zu ihr von der „Gabe Gottes“. Das ist auch unsere einzige Botschaft an die Menschen. Wir können ihnen vom Herrn Jesus, der Gabe Gottes, erzählen. Beim Stichwort „Gott“ beginnt die Frau von Religion zu reden. Als Angehörige eines Mischvolkes beruft sie sich auf „ihren Vater Jakob“. Das ist historisch genauso wenig haltbar, wie die Berufung der Muslime auf „ihren Vater Abraham“. Aber der Herr geht darauf gar nicht ein und korrigiert sie nicht. Er spricht stattdessen die persönlichen Lebensverhältnisse der Frau an. Damit hilft er ihr, die eigene Schuld zu erkennen. Das ist die Frage, die in jeder Religion offen bleibt: „Wohin mit meiner Schuld?“ Aber der Herr gibt sich ihr als der Messias zu erkennen. Sie, und viele Samariter mit ihr, glauben daraufhin an ihn und sind vorbereitet für das Evangelium, das sie wenig später erreicht (vgl. Apg 8,4-8). Auch wir machen häufig die Erfahrung, dass wir in einem Gespräch nicht an den Punkt gelangen, wo das Evangelium so klar zur Sprache kommt, dass der andere „nur noch zugreifen“ muss. Aber alles, was wir von der Wahrheit weitersagen, kann Gott benutzen um Herzen zur Umkehr bereit zu machen. Gerade in den letzten Monaten nimmt die Zahl der Muslime stark zu, die als Flüchtlinge, oft nur für eine begrenzte Zeit, zu uns kommen. Hier, in Deutschland, haben sie die Möglichkeit von der Gabe Gottes zu hören – in ihrer Heimat meistens nicht. Wenn der Herr uns die Gelegenheit schenkt, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, sollten wir erkennen, das „dies ein Tag guter Botschaft ist“ (2Kön 7,9).

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