Zeitschrift-Artikel: Adoniram Judson Leiden für die Ewigkeit (Courtney Anderson)

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Titel: Adoniram Judson Leiden für die Ewigkeit (Courtney Anderson)
Typ: Buchbesprechung
Autor: Christoph Grunwald
Autor (Anmerkung):

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Titel

Adoniram Judson Leiden für die Ewigkeit (Courtney Anderson)

Vortext

Text

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte sich beim Lesen dieses Buches der Gedanke aufdrängen, dass der CLV in den seichten Gewässern der Unterhaltungs-Literatur zu schwimmen versucht. Glücklicherweise ist das nicht der Fall – sondern hier liegt einer der seltenen Fälle vor, in dem ein sehr wertvolles, herausforderndes und nachdenklich stimmendes Buch gleichzeitig äußerst spannend zu lesen ist! Der junge Adoniram Judson ist hoch talentiert und ungewöhnlich ehrgeizig. Während seines Studiums – das er als Jahrgangs-Bester abschließt – wendet er sich von dem Glauben seiner Eltern ab und wird Deist. Doch als er nach seiner Studienzeit sein Glück als Schauspieler und Autor in einer Theater-Gruppe in New York versucht, wird er bis auf den Grund erschüttert: Während einer Übernachtung in einem Landgasthof hält ihn das qualvolle Stöhnen eines im Nebenzimmer Sterbenden wach. Zweifel an seinen selbstsicheren Überzeugungen brechen in ihm auf und nach einigen Monaten des Suchens und Fragens bekehrt er sich. Nur wenig später weiß er, dass Gott ihn als Missionar in Birma haben will. Als er 1813 mit seiner jungen Frau das exotische Land auf der anderen Seite der Weltkugel betritt, hat er kaum eine Ahnung von den zahllosen Schicksalsschlägen, die ihm in den nächsten Jahren begegnen werden – aber auch nicht davon, wie sehr Gott ihn in diesem Land gebrauchen wird. Courtney Anderson ist es gelungen, eine ausgesprochen packende, mitreißende und emotionale Biografie des in Deutschland leider kaum bekannten Pioniers der amerikanischen Außenmission zu verfassen. Sehr detailreich, (mitunter etwas blumig – besonders im (leider kitschigen) zweiten Kapitel), aber immer lebendig und packend zeichnet er das ausgesprochen abenteuerliche Leben Adoniram Judsons mitfühlend nach. Eine akribische Auswertung des zahlreichen Quellenmaterials und unzählige, unverkrampft einfließende Hintergrund-Informationen lassen das Leben Adonirams, seine Umgebung und die Welt des beginnenden 19ten Jahrhunderts lebendig werden. Der flüssigen Übersetzung von Alois Wagner ist es gelungen, diesen Effekt auch in der deutschen Ausgabe zu erhalten. Langeweile wird bei diesem Buch nicht aufkommen – im Gegenteil wird man sich zwingen müssen, das Lesen auch mal zu unterbrechen ... Ganz sicher die Lese-Empfehlung des (noch jungen) Jahres!

Nachtext

Quellenangaben

CLV, geb., 704 S., € 14,90