Zeitschrift-Artikel: Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil5

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Titel: Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil5
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
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Titel

Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil5

Vortext

Und er nahm den Mantel Elias, der von ihm herabgefallen war, und schlug auf das Wasser und sprach: Wo ist der HERR, der Gott Elias? – Auch er schlug also auf das Wasser, und es zerteilte sich hierhin und dorthin; und Elisa ging hinüber. Als nun die Söhne der Propheten, die gegenüber in Jericho waren, ihn sahen, da sprachen sie: Der Geist Elias ruht auf Elisa! Und sie kamen ihm entgegen und beugten sich vor ihm zur Erde nieder, und sie sprachen zu ihm: Sieh doch, es sind bei deinen Knechten fünfzig tapfere Männer; mögen sie doch gehen und deinen Herrn suchen, ob nicht etwa der Geist des HERRN ihn weggetragen und ihn auf einen der Berge oder in eins der Täler geworfen hat. Aber er sprach: Sendet nicht. Und sie drangen in ihn, bis er sich schämte. Da sprach er: Sendet! Und so sandten sie fünfzig Mann; und sie suchten drei Tage lang, aber sie fanden ihn nicht. Und sie kehrten zu ihm zurück (er hielt sich aber noch in Jericho auf); und er sprach zu ihnen: Habe ich euch nicht gesagt: Geht nicht hin? Und die Männer der Stadt sprachen zu Elisa: Sieh doch, die Lage der Stadt ist gut, wie mein Herr sieht, aber das Wasser ist schlecht, und das Land ist unfruchtbar. Da sprach er: Holt mir eine neue Schale und tut Salz hinein! Und sie holten sie ihm. Und er ging hinaus zu der Quelle des Wassers und warf das Salz hinein und sprach: So spricht der HERR: Ich habe dieses Wasser gesund gemacht; es wird weder Tod noch Unfruchtbarkeit mehr daraus entstehen. (2Kö 2,14-22)

Text

› Erste Glaubensschritte im neuen Gewand Wir haben darüber nachgedacht, dass Elisa nach der Himmelfahrt seines geistlichen Vaters seine eigenen Kleider zerrissen und entsorgt hat. Er wollte von nun an nur noch in dem zurückgebliebenen Propheten-Mantel des Elia gesehen werden – das war seine neue „Identität“. Andererseits war und wurde er nicht eine mehr oder weniger gelungene Kopie seines großen Vorbildes, sondern wollte eigene Erfahrungen mit dem „Gott des Elia“ machen. So schlug er mit dem Mantel auf das Wasser des Jordan und rief dabei aus: „Wo ist der Herr, der Gott Elias?“ Bei aller bleibenden Wertschätzung des heimgegangen Elias zeigte sein Nachfolger, dass er geistlich nicht aus „zweiter Hand“ leben wollte. Genau das sollte auch unsere Nachfolge kennzeichnen. Wir sollen unsere geistlichen Väter und Mütter wertschätzen, uns an ihren Glauben und ihre Treue erinnern – siehe Hebr 11 – aber dann selbst auf den „Anfänger und Vollender des Glaubens“ sehen, um den „vor uns liegenden Wettlauf“ (Hebr 12,2) in der Kraft Gottes antreten zu können. Elisa erfuhr nun persönlich die Macht Gottes über das Wasser des Jordan – als ein Bild des Todes – und wir können nur ahnen, welch eine gewaltige Glaubenserfahrung und Ermutigung das für seine nächsten Schritte und Aufgaben war. Er ging nun genau den Weg zurück, den er zuvor mit Elia gegangen war: über den Jordan nach Jericho und anschließend nach Bethel. › Geistliche Autorität empfiehlt sich selbst! Als Elisa in Jericho von den Söhnen der Propheten gesehen wurde, erkannten sie: „Der Geist des Elia ruht auf Elisa!“ Elisa benötigte also keinen Berater, der ihm eine PR- Strategie vorlegte und einübte, wie man im Volk Gottes populär werden und dadurch Anerkennung und Beliebtheit gewinnen kann. Er verzichtete auf die meist mehr als peinlichen Versuche mancher Christen, auf sich selbst aufmerksam zu machen. Werbekampagnen in eigener Sache, die mehr an politische Wahlkämpfe erinnern, sollten wir als Nachfolger Jesu verabscheuen. Absalom – der 50 Männer anheuerte, die „vor ihm herliefen“ und mithalfen, „das Herz der Männer von Israel zu stehlen“ (2Sa 15,1.6) und sich schon zu Lebzeiten unsterblich machen wollte (2Sa 18,18) – sollte nicht unser Vorbild sein. Seine Eitelkeit wurde ihm buchstäblich zum Verhängnis: Er hing an seinen Haaren hil os zwischen Himmel und Erde (2Sa 18,9), bevor Joab ihm drei Spieße ins Herz stieß und ihn tötete. Wie ganz anders verhielt sich Johannes der Täufer, der die günstige Gelegenheit nicht nutzte, seine Popularität in Israel zu vergrößern, sondern nur den einen Wunsch hatte, auf den Herrn Jesus hinzuweisen: „Er muss wachsen – ich aber abnehmen“ (Jo 3,30). Der bekannte Erweckungsprediger George Whitefield (1714 – 1770), den seine Anhänger zum Führer einer eigenen Denomination machen wollten, reagierte darauf mit folgenden Sätzen: „Mein Name soll vergessen und von allen Menschen niedergetreten werden, wenn nur Jesus dadurch verherrlicht wird. Mein Name möge allenthalben sterben, meine Freunde mögen mich vergessen, wenn dadurch die Sache des gepriesenen Jesus vorangetrieben wird.“1 Von dem Essener Pfarrer und Evangelisten Wilhelm Busch wird berichtet, dass die Veranstalter einer großen Evangelisation am letzten Abend mit ihm beraten wollten, wie sie ihm öffentlich nach seinem Vortrag ein paar Minuten danken könnten. Busch protestierte, geriet darüber in einen „heiligen Zorn“ und rief: „Rauben Sie Gott nicht die Ehre!“2 Eine solch entschiedene Haltung entspricht weder dem Zeitgeist, noch unserem natürlichen Herzen, das abgrundtief stolz und anerkennungssüchtig ist und daher Veränderung in der Nachfolge Jesu dringend nötig hat. Autorität bekommen wir weder durch ein frommes Gewand und Gehabe, noch durch ein Diplom oder einen Studiennachweis, sondern allein durch Christusähnlichkeit, die nur durch den Heiligen Geist bewirkt werden kann. › Die Geister scheiden sich ... Interessant ist die Beobachtung, dass die Prophetensöhne – wie auch die Männer in Jericho – die Autorität des Elisa sofort anerkennen und sich vor ihm niederbeugen, während die jungen Männer von Bethel in der nächsten Szene Elisa ablehnen und ihn verspotten. Beide Reaktionen werden auch wir erleben, wenn wir treu in der Nachfolge Jesu stehen. Allerdings zeigt sich bald auch die Unreife der Prophetensöhne. Sie beugen sich zwar vor Elisa, aber machen doch durch ihr Verhalten deutlich, dass sie irgendwie die Himmelfahrt des Elia entweder ignorieren, nicht für wahr halten, oder nach ihren Vorstellungen zu interpretieren versuchen. Sie hatten viel theoretisches Wissen und waren bestens darüber informiert, dass Elia entrückt werden sollte. Aber als nun Elia tatsächlich nicht mehr zu sehen war, bitten sie Elisa um Erlaubnis, den vermissten Elia auf den Bergen oder in den Tälern Israels suchen zu dürfen. Immerhin drücken sie durch ihre Bitte ihre Achtung vor Elisa aus und halten auch einen übernatürlichen Eingriff Gottes für möglich: „... ob nicht etwa der Geist des Herrn ihn weggetragen und ihn auf einen der Berge oder in eins der Täler geworfen hat.“ Sie vertrauen auf die Kraft und Fähigkeit von „fünfzig tapferen Männern“, aber ihre geistliche Einsicht beschränkt sich auf „Berge und Täler“. Von einer Ewigkeits-Perspektive ist trotz aller theologischen Bildung nichts zu erkennen. Geistliche Reife und Weisheit bekommt man eben nicht durch theoretischen Unterricht, sondern nur durch den lebendigen Umgang mit dem Herrn im Alltag, wo unser Wissen praktisch umgesetzt und ausgelebt werden muss. › Vergeudete Kraft und Zeit Obwohl Elisa ihre Bitte deutlich abschlägt, liegen diese Männer ihm mit ihrem Drängen so lange in den Ohren, bis er sich ihretwegen schämt und sie schließlich gehen lässt. Drei Tage irren sie durch die Gegenden Israels, bis sie sich nach vergeblicher Suche Beulen geholt und ihre Zeit und Kraft verschwendet haben. Immerhin kehren sie müde, reumütig und nun ihrerseits beschämt zu Elisa zurück. Manchmal werden auch wir in der Nachfolge Jesu nur durch Schaden klug, anstatt uns durch schlichten Gehorsam viele Schmerzen und Irrwege zu ersparen. Auch Petrus schlug die wiederholten Mahnungen Jesu in den Wind, nicht auf eigene Stärke zu vertrauen. Aber Petrus meinte es besser zu wissen, vertraute auf seine eigene Kraft und Entschiedenheit und kam erst dann unter bitteren Tränen zu einer nüchternen Selbsteinschätzung, als er seinen Herrn drei Mal unter Schwören und Fluchen verleugnet hatte. „Ich habe immer dafür gesorgt, dass Gott mir niemals etwas zwei Mal sagen musste!“ Dieses Bekenntnis eines bekannten Mannes Gottes kann ich leider nicht nachsprechen, wohl aber von manchen unnötigen „Strafrunden“ berichten, die Zeit und Kraft gekostet haben, weil ich meinte, klare Weisungen des Wortes Gottes umdeuten zu können. Leider lernen wir oft nur durch negative Erfahrungen, die Gott uns ersparen könnte und möchte, wenn wir nur einfältig seine Weisungen befolgen würden. › Was tun, wenn der Nachwuchs fehlt? Während nun die fünfzig starken Männer vergeblich umherirren, um Elia auf der Erde statt im Himmel zu suchen, erlebt Elisa in Jericho eine höchst interessante Begegnung mit den „Männern der Stadt“. Das waren wahrscheinlich die Verantwortungsträger oder Ältesten dieser geschichtsträchtigen Stadt, die bekanntlich unter dem Fluch Gottes stand (Jos 6,26) und nun vom Aussterben bedroht war. Sie kommen mit ihren Sorgen zu Elisa und schildern ihm ungeschminkt die Situation: Trotz aller äußeren, scheinbaren Attraktivität dieser Palmenstadt, weht ein Todesgeruch durch die Straßen: Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten. Welch ein treffendes Bild vieler Gemeinden unserer Zeit: Große, schöne und aufwändig gebaute Versammlungs- oder „Bethäuser“, professionelle Chöre, beste Akustik, perfekte, ausgefeilte Predigten, aber kein Nach- wuchs, nur „Fehlgeburten“. Kaum Bekehrungen, die sich als echt und „wetterfest“ erweisen. Man holt externe Gemeindeberater, versucht es mit neuen Methoden, neuer Musik, bietet Schmink- und Tanzkurse, grillt und gart, bucht Trickkünstler und Clowns, um Stimmung zu erzeugen. Mit enormer Energie und Aktivität versucht man die Leute bei Laune zu halten, weil man dem schlicht gepredigten Wort Gottes keine Wirkung und Anziehungskraft mehr zutraut und fürchtet, dass es nur Gähnen und Langeweile verbreiten wird. Eine Zeitlang scheint es aufwärts zu gehen, bis die Leute feststellen, dass außerhalb der Gemeinde noch qualitativ bessere Unterhaltung geboten wird, mit der man schließlich per TV noch kostengünstiger und bequemer die Zeit vertreiben kann ... In Amerika soll vor Jahren ein Pastor einmal ein Schild vor seinem Gemeindehaus aufgestellt haben mit folgender Botschaft: „In dieser Gemeinde wird es entweder eine Erweckung oder eine Beerdigung geben!“ Mir ist nicht bekannt, welche Reaktion diese Provokation ausgelöst hat. Aber ich weiß, welche Empörung auf ammt, wenn man in einer Predigt nüchtern und deutlich zur Kenntnis gibt, dass ein Geruch des Todes über der anwesenden Zuhörerschaft unverwechselbar zu riechen ist ... › Vor Elisa kann man auspacken! Es ist äußerst ermunternd in unserer Geschichte zu lesen, dass die Männer von Jericho ihre Probleme nicht verdrängten oder schön redeten. Sie sahen den Tatsachen ins Gesicht, suchten Elisa auf, redeten ihn respektvoll mit „Herr“ an und bekannten ihre Nöte ungeschminkt beim Namen. Welch eine Vertrauenswürdigkeit muss Elisa ausgestrahlt haben, dass man in seiner Gegenwart ehrlich und freimütig alle aktuellen Sorgen auspacken konnte: Kein Nachwuchs, nur Fehlgeburten, weil die Quelle vergiftet war! Welch ein großartiges Vorbild ist Elisa hier auf unseren Herrn Jesus, wie er in den Evangelien beschrieben wird. Wenn unser Herr ein Dorf oder eine Stadt betrat, dann wurden alle Kranken und Leidenden zu ihm gebracht, um geheilt zu werden. In der Gegenwart Elisas – wie auch in der unseres Herrn – konnte man „auspacken“ und notfalls auch seine akuten und drückenden Probleme hinausschreien – wie wir noch im Weiteren feststellen werden. Welch ein Segen sind auch in unserer Zeit Brüder und Schwestern, die offene Augen, Ohren und Herzen – und auch die nötige Zeit für die kleinen und großen Probleme ihrer Mitmenschen und Mitgeschwister haben! › Das Heilmittel: Eine neue Schale und Salz Elisa gab nun keinen Befehl, die vergiftete Quelle zu verstopfen oder zu zerstören, sondern forderte die Männer Jerichos auf, Salz in einer neuen Schale zu bringen. Damit ging er zu der Quelle der Unfruchtbarkeit, schüttete das Salz in das Wasser und sprach im Namen Gottes: „Ich habe dieses Wasser gesund gemacht; es wird weder Tod noch Unfruchtbarkeit mehr daraus entstehen.“ Das sind die drei Mittel, die auch heute noch jede Art geistlicher Unfruchtbarkeit in unseren Gemeinden heilen können: • Neue Gefäße, mit denen im NT oft auserwählte, wiedergeborene Menschen bezeichnet werden (Apg 9,15; 2Tim 2,21). • Salz – als ein Bild der reinigenden, vor Fäulnis bewahrenden und konservierenden Wahrheit, die in uns sein sollte (Mt 5,13; Mk 9,50; Kol 4,6 ). • Das gesprochene oder gepredigte Wort Gottes. Neues Leben und gesundes Gemeindewachstum kann man nicht mit neuen Methoden oder attraktiven Rahmenbedingungen produzieren. Dazu sind allein durch den Geist Gottes wiedergeborene und gereinigte Menschen nötig, die das Wort Gottes in Demut, aber ungekürzt und unverblümt auf die gegenwärtigen Missstände anwenden. Dann wird für alle sichtbar werden, dass der Geist Gottes auch heute noch durch das treu gepredigte Wort Gottes stärker ist, als alle postmodernen Geistesströmungen, die unser Gemeindeleben verderben. Nur auf diese Weise wird in verstaubten, erstarrten und aussterbenden Gemeinden neues und fröhliches „Kindergeschrei“ zu hören sein und für neue Hoffnung und Zuversicht sorgen.

Nachtext

Quellenangaben

Quellenangaben: 1 Benedikt Peters, George White eld – Der Erwecker Englands und Amerikas, Bielefeld: CLV, S. 328 S. 2 K.H. Ehring/U. Parzany (Hrsg.), Begegnungen mit Wilhelm Busch, Neukirchen-Vluyn: Aussaat 1997, S. 9