Zeitschrift-Artikel: Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil 8

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Titel: Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil 8
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
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Titel

Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil 8

Vortext

Und eine Frau von den Frauen der Söhne der Propheten schrie zu Elisa und sprach: Dein Knecht, mein Mann, ist gestorben, und du weißt ja, dass dein Knecht den HERRN fürchtete; und der Schuldherr ist gekommen, um sich meine beiden Knaben zu Knechten zu nehmen. Und Elisa sprach zu ihr: Was soll ich für dich tun? Sage mir, was du im Haus hast. Und sie sprach: Deine Magd hat gar nichts im Haus als nur einen Krug Öl. Und er sprach: Geh hin, erbitte dir Gefäße von draußen, von allen deinen Nachbarn, leere Gefäße, nimm nicht wenige; und geh hinein und schließe die Tür hinter dir und hinter deinen Söhnen zu und gieße in alle diese Gefäße; und was voll ist, setze beiseite. Und sie ging von ihm weg und schloss die Tür hinter sich und hinter ihren Söhnen zu; diese reichten ihr die Gefäße, und sie goss ein. Und es geschah, als die Gefäße voll waren, da sprach sie zu ihrem Sohn: Reiche mir noch ein Gefäß. Aber er sprach zu ihr: Es ist kein Gefäß mehr da. Und das Öl stand. Und sie kam und berichtete es dem Mann Gottes; und er sprach: Geh hin, verkaufe das Öl und bezahle deine Schuld; du aber und deine Söhne, lebt vom Übrigen. (2Kö 4,1–7)

Text

› Die Not einer Witwe Im letzten Kapitel hatten wir eine hochdramatische politische Situation vor Augen. Drei Könige hatten sich zu einer Allianz gegen den König von Moab verbunden, gerieten aber bereits vor dem Beginn der eigentlichen Schlacht in Todesnot. Sieben Tage nach ihrem Aufmarsch war ihnen in der Wüste Edom das lebensnotwendige Wasser ausgegangen, sodass die Soldaten, wie auch das mitgeführte Vieh, am Ende ihrer Kräfte waren und den sicheren Tod vor Augen hatten. In ihrer großen Not suchten sie bei dem Propheten Elisa Hilfe, der ihnen nach einer „gesalzenen“ Kurzpredigt eine göttliche Anweisung gab. Und so bekamen sie nicht nur reichlich Wasser für ihr Heer, sondern Gott schenkte ihnen auch einen überwältigenden Sieg über ihren Feind. Während es also in Kapitel drei um Begegnungen und Auseinandersetzungen Elisas mit hochgestellten Königen ging, finden wir im nächsten Kapitel zunächst zwei merkwürdige Geschichten, in denen neben Elisa nicht Männer eine Rolle spielten, sondern Frauen: Eine arme Witwe und die reiche Sunamitin. Die Witwe hatte zwar zwei Söhne, war aber – anscheinend durch die Schuld ihres verstorbenen Mannes – völlig verarmt und stand davor, ihre beiden Söhne an einen unbarmherzigen, brutalen Schuldherrn zu verlieren. Die Sunamitin dagegen war verheiratet und materiell bestens versorgt. Sie hatte aber ein anderes, für sie nicht weniger schmerzliches Problem: Sie hatte keinen Sohn. Interessant übrigens die Beobachtung, dass in beiden Fällen die Männer keine gute Figur abgaben. Der verstorbene Mann der Witwe hatte eine Menge Schulden hinterlassen und der wohlhabende Mann der Sunamitin scheint mehr Interesse für sein Geschäft, als Zeit für die Sorgen seiner Frau und den Zustand seines Sohnes gezeigt zu haben. Also ein treffendes Bild unserer heutigen säkularen wie auch frommen Gesellschaft. › Ein Mann Gottes mit Herz Auf diesem tristen Hintergrund fällt Elisa als ein Mann Gottes äußerst positiv auf. Er hat ein Auge, ein Ohr und ein Herz für die Nöte der beschwerten Frauen. Der Umgang mit Königen hat ihn nicht blind gemacht für die Alltagssorgen seiner Mitmenschen. In dieser Haltung erinnert Elisa uns an unseren großen Herrn, von dem in Ps 147,4.5 berichtet wird: „Der da zählt die Zahl der Sterne, sie alle nennt mit Namen. Groß ist unser Herr und groß an Macht.“ Aber vorher wird von diesem großen und mächtigen Gott gesagt: „Der da heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und ihre Wunden verbin­det.“ (V. 3) Welch ein Trost für jeden von uns, dass dieser Gott, der die Milliarden Sterne des scheinbar unendlichen Universums geschaffen hat und jeden Stern mit Namen nennt, auch unsere ganz persönlichen Wunden und Verletzungen kennt und sich darum sorgt! So wie die Witwe ihre Not dem Elisa hinausschreit, dürfen auch wir unser Herz vor Gott ausschütten. Und welch ein Segen ist es, wenn man Glied einer Gemeinde sein darf, in der man seine persönlichen Probleme nicht in sich hineinfressen muss, sondern vertrauensvoll und ungeschminkt offenlegen, „hinausschreien“ kann, ohne verachtet zu werden. › Ein verschuldetes leben! Die Situation dieser armen Witwe wirft einige Fragen auf: Ihr verstorbener Mann war einer der „Söhne der Propheten“. Sie stellt ihn Elisa gegenüber als „dein Knecht“ vor. Außerdem stellt sie ihrem Mann ein beachtliches Zeugnis aus: „Du weißt ja, dass dein Knecht den Herrn fürchtete.“ Sie konnte Elisa also daran erinnern, dass ihr Mann ihm als „gottesfürchtig“ bekannt war. (Nebenbei bemerkt: Kann das meine Frau, die mich am besten kennt, von mir bezeugen und dabei an Gottes Allwissenheit erinnern, ohne rot zu werden?) Aber wie war es möglich, dass ein „Prophetensohn“, der gottesfürchtig gelebt hatte, seinen Hinterbliebenen einen Berg unbezahlter Schulden, also ein negatives Erbe, hinterließ? Wie passt das zusammen? War eine Krankheit oder ein Unfall die Ursache? Oder ein „geteiltes“ Herz? Schließt eins das andere nicht aus? Kann man Gott fürchten wollen und gleichzeitig pornosüchtig sein? Zur Familie Gottes gehören und in einer Lebenslüge leben? Als Christ bekannt sein und seine Frau schlagen? Gemeindeleiter sein und Kinder missbrauchen? Sich zu Jesus Christus bekennen und Dieb sein? Diese Liste könnte man um etliche Widersprüche verlängern – und die Bibel zeigt, dass es traurigerweise tatsächlich möglich ist. Denken wir an Männer wie Abraham, Jakob, Juda, Simson, David, Petrus usw. Leider sieht es heute in unseren Gemeinden oft nicht besser aus und die traurigen Belege für diese demütigende Tatsache wollen wir an dieser Stelle nicht ausbreiten. Wer sein eigenes böses Herz ein wenig kennt, weiß, dass er zu all diesen schrecklichen Sünden in der Lage ist, wenn er sich nicht von Gottes Gnade bewahren lässt. Tatsache ist: Unsere Kinder sind meist diejenigen, die unter den Sünden der Väter am stärksten zu leiden haben. In unserer Geschichte greift der Schuldherr nach den beiden Söhnen, um sie nach dem Tod ihres verschuldeten Vaters zu Sklaven zu machen. Natürlich wirft diese Szene auch Licht auf den traurigen Zustand des damaligen Volkes Gottes. Witwen und Waisen sollten in Israel nicht bedrückt werden (2Mo 22,22–23; 3Mo 25,39–42 usw.). Offensichtlich hatte man damals die Vorschriften Gottes vergessen, verdrängt oder einfach bewusst verachtet. › Welches Erbe hinterlassen wir? Ist mein Leben, mein Vorbild als Vater meinen Kindern ein Ansporn und eine Ermutigung, ein Leben der Hingabe an den Herrn Jesus als Lebensziel anzustreben? Können sie sich nach meinem Tod an einen Vater erinnern, der „zuerst nach Gottes Reich“ (Mt 6,33) getrachtet hat und dessen Stärke eine ansteckende „Freude am Herrn“ (Neh 8,10) war? Oder bin ich durch meine Gesetzlichkeit, Mürrischkeit, Nörgelei, Unglaubwürdigkeit, Geiz und Egoismus bei aller äußeren Frömmigkeit meinen Kindern eine lebenslange Belastung und ein abschreckendes Beispiel? B.F. Yawn schreibt in seinem neuen, äußerst wichtigen Buch „Wann ist ein Mann ein wahrer Mann“: „Jungs brauchen Väter wie Bäume den Stamm. Ich habe starke und robuste Männer in ihren Sechzigern gesehen, die geweint haben im Angesicht dessen, wer ihr Vater hätte sein sollen, oder angesichts der unauslöschlichen Spuren, die ein Tyrann hinterlassen hatte, der sich als Vater ausgab. So vieles im Leben eines Mannes kann auf den Vater zurückgeführt werden – Gutes und Schlechtes.“1 „Der Schmuck der Kinder sind ihre Väter“ (Spr 17,6) - das konnte Salomo niederschreiben, weil sein Vater David ein „Mann nach dem Herzen Gottes“ war, der ihn mit bewegenden Worten und Ratschlägen ermutigte, „Gott mit ungeteiltem Herzen und mit williger Seele“ zu dienen (1Chr 28,9.20). David hatte seinem Sohn enorme Schätze gesammelt, damit Salomo später den Tempel in Jerusalem nach dem Muster, das Gott ihm gegeben hatte, bauen konnte (2Chr 29,11.19). Gott schenke, dass wir als Väter unsere wichtige Auf- gabe neu erkennen und es zu einem Herzensanliegen machen, unsere Kinder ganz bewusst und unter Gebet durch unser Vorbild und gezielte Arbeit an ihrem Charakter positiv zu prägen. Die begabte Autorin und Missionarin Patricia St John hat ihrem Vater und auch ihrer Mutter in der bewegenden Biographie „Harold St. John – Ein Reisender in Sachen Gottes“2 ein wunderschönes Zeugnis ausgestellt: „Sicher war es die Kombination der einfachen, geraden Lehre der Mutter mit der tie nneren Verbundenheit des Vaters mit Gott, der die Kinder vor der modernen Tendenz bewahrte, den Glauben in der Pubertät abzulegen ... Für die Kinder von Harold St. John war der Glaube immer ein Ziel für einen Erwachsenen, so schön wie ein goldener Sonnen­ untergang, den der Vater erreicht hatte, und den sie auch erreichen würden, wenn sie nur in der Gnade leben und den Leitlinien folgen würden, die ihre Mutter ihnen immer wieder wie eine Landkarte vorgezeichnet hatte.“3 › „Was hast du in deinem Haus?“ Nachdem die Witwe dem Elisa ihre Not herausgeschrieen hatte, stellte ihr der Prophet eine kurze, aber sehr gezielte Frage. Er fragte nicht „Was fehlt dir?“ oder „Was brauchst du?“, sondern er fragte nach dem, was vorhanden war, woran Gott anknüpfen wollte. Gott beginnt oft mit dem Wenigen, was uns momentan zur Verfügung steht. So fragte Gott den kleinmütigen Mose nach dem, was in seiner Hand war (2Mo 4,2) um dann mit diesem Stab Wunder zu wirken. Vor der Speisung der 5.000 Männer fragte der Herr die Jünger: „Wie viele Brote habt ihr?“ (Mk 38), um dann mit den wenigen Broten und Fischen die Volksmenge zu sättigen. Sechs leere Wasserkrüge benutzte der Herr, um auf der Hochzeit in Kana Wasser in Wein zu verwandeln. › „... nur einen Krug Öl“ Welch eine Armut! Nur noch einen Krug mit Öl für eine Salbung, aber genug, um durch Gottes Gnade ein Segen für Viele zu sein. Die geistliche Anwendung für uns liegt auf der Hand: Jedes Kind Gottes ist auch ein „Krug“, ein „Gefäß“, eine „Behausung“ oder ein „Tempel“ des Heiligen Geistes (1Kor 3,16; 6,19; Eph 2,22). Gott hat uns auch eine „Salbung“ (1Joh 2,20; 2Kor 1,21;) und damit ausreichend Ausrüstung und Kraft zum Dienst gegeben. Keine intellektuelle Begabung; mangelnde Bildung; kein Geld; zu jung oder zu alt – das alles sind keine Gründe, um das Wenige, was wir haben, nicht freudig in den Dienst Gottes zu stellen. William Carey, John Newton, Georg Müller, Gladys Aylward, Wolfgang Dyck und viele andere in der älteren und jüngeren Kirchengeschichte hätten sich niemals auf den Weg gemacht Gott gehorsam zu sein, wenn sie auf ihre De zite geschaut hätten. › „Erbitte dir Gefäße, leere Gefäße ...“ Von Nachbarn leere Gefäße zu erbitten erfordert Glauben und Mut. Der Kleinglaube könnte ihr ein üstern, dass sie sich zum Gespött machen wird, wenn sie falsche Erwartungen weckt, aber schließlich einer Täuschung erliegt und die ausgeliehenen, leeren, unbenutzten Krüge zurückbringen muss. Aber die Witwe vertraut den Worten Elisas und macht eine wunderbare Glaubenserfahrung. Die leeren Gefäße und das Hineingießen hinter der verschlossenen Tür zeigen uns wichtige geistliche Prinzipien. Nur leere, bedürftige, von sich selbst befreite „Gefäße“ wird Gott füllen. Jeder Ein uss und jede Ablenkung von außen sollte vermieden werden und das Wirken Gottes sollte keiner öffentlichen Show gleichen. Schließlich sollte sie das wenige, was sie besaß in Gefäße „von außen“ investieren und sie macht die Erfahrung: „Wer gibt gewinnt!“ Sie selbst wird bereichert dadurch, dass sie das, was sie hat, weitergibt. „Die seg­ nende Seele wird reichlich gesättigt, und der Tränkende wird auch selbst getränkt“ (Spr 11,25). › Begrenze Gott nicht durch Kleinglauben! Es fehlte nicht an Öl, sondern an Gefäßen. Mit Staunen und Dankbarkeit werden die Witwe und ihre Söhne gesehen haben, wie jedes vorhandene Gefäß gefüllt wurde. Wahrscheinlich hatte man in großer Eile alle Gefäße in der unmittelbaren Nachbarschaft eingesammelt und es wären unbegrenzt weitere Gefäße gefüllt worden, wenn man den Radius größer gezogen hätte. Aber nachdem kein leeres Gefäß mehr vorhanden war, stand das Öl. „Erwarte Großes von Gott und unternimm große Dinge für Gott!“4 Das war die Lebenserfahrung eines William Carey (1761–1834), der als ehemaliger Schuster nach Indien aufbrach und von Gott zu einem der fruchtbarsten Bibelübersetzer und Gemeindegründer benutzt werden konnte und dessen Vorbild die Weltmission in Gang setzte. Georg Müller (1805–1898) sah in England die Not der Straßen- und Waisenkinder. Er begann mit Sonntagschularbeit und erbat sich von Gott „leere Gefäße“. Schließlich gründete er das erste Waisenhaus mit dem Ziel: „Ich möchte den Men­schen zeigen, dass Gott treu ist und dass man ihm rückhaltlos vertrauen kann ... Wenn nun ich – ein armer Mann – nur mithilfe des Gebets und des Glaubens, ohne irgendjemanden zu bitten, die Mittel für die Einrich­ tung und Erhaltung eines Waisen­ hauses aufbringe, so würde das den Glauben der Kinder Gottes stärken“5 Am Ende seines Lebens hatte Georg Müller durch Gottes Hilfe über 10.000 Waisenkinder aufgenommen und versorgt. Er hatte Gott nicht durch Kleinglauben begrenzt! Das sollte uns allen eine große Ermutigung sein, die „leeren Gefäße“ in unserer Umgebung zu füllen. Eine große und schöne Aufgabe für Mütter an ihren Kindern, für Lehrer in den Schulen, für Familien um ihre Wohnun- gen für Kinder von draußen zu füllen und für Brüder und Schwestern, an den „Hecken und Zäunen“ zum „großen Abendmahl“ (Lk 14,16) einzuladen. › Genug für alle Zeiten Als die Witwe – wahrscheinlich überwältigt von der überschwänglichen Güte Gottes – ihre Glaubenserfahrung dem Elisa mitteilt, gibt dieser ein kurze und deutliche Anweisung, was mit dem Öl geschehen soll: „Geh hin, ver­ kaufe das Öl und bezahle deine Schuld; du aber und deine Söhne, lebt vom Übrigen.“ (V. 7) Mit anderen Worten: Es ist genügend vorhanden, um die Vergangenheit zu bereinigen, sowie in der Gegenwart und auch in der Zukunft davon zu leben. Welch eine ermutigende Illustration der Worte Paulus an die Korinther: „Gott aber vermag jede Gnade gegen euch überströmen zu lassen, damit ihr in allem, allezeit alle Genüge habend, überströmend seid zu jedem guten Werk.“ (2Kor 9,8)

Nachtext

Quellenangaben

Quellenangaben 1 Byron Forrest Yawn, „Wann ist ein Mann ein wahrer Mann“, Waldems, 3L 2015, S. 26 2 Partricia St. John, „Harold St. John – Reisender in Sachen Gottes“, Bielefeld, CLV 1998, 3 ebd., S. 84 4 S.PearceCarey,„William Carey – Der Vater der modernen Mission“, Bielefeld, CLV 1998, S. 64 5 Autobiografie von Georg Müller, „... als sähe er den Unsichtbaren“, Bielefeld, CLV 2016, S.72