Zeitschrift-Artikel: Der Terror ist allgegenwärtig - WIE DER HERR GERADE JETZT IN ISRAEL SEINE GEMEINDE BAUT

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Titel: Der Terror ist allgegenwärtig - WIE DER HERR GERADE JETZT IN ISRAEL SEINE GEMEINDE BAUT
Typ: Artikel
Autor: Wilfried Plock
Autor (Anmerkung): Wilfried Plock, Hünfeld, Leiter der Konferenz für Gemeindegründung, besuchte Anfang August während der zweiten Racheanschlagswelle nach der Liquidation des militärischen Führers der Ha- mas das Land Israel. Hier sein aktueller Bericht.

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Titel

Der Terror ist allgegenwärtig - WIE DER HERR GERADE JETZT IN ISRAEL SEINE GEMEINDE BAUT

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Text

Als wir am Nachmittag in Frankfurt die El-Al-Maschine betreten, hat die Crew Tageszeitungen aus Tel Aviv mitgebracht. Auf jeder Seite Blut. Das Blatt berichtet von dem Anschlag auf die Cafeteria der Hebräischen Universität, der am Vortag verübt wurde. Sieben Tote, viele Verletzte. Einige Tage später sitze ich morgens in einem Strandcafe am Westufer des Toten Meeres. Plötzlich wird das TV eingeschaltet. Das israelische Fernsehen bringt Sonderberichte über den Anschlag auf einen Linienbus nördlich von Haifa. Vorbeigehende Passanten bleiben stehen und betrachten die erschütternden Bilder. Neben mir sitzen zwei junge Soldaten in Uniform mit Gewehr. Als ich sie anspreche, geben sie sich betont cool. Am nächsten Tag sind in der auflagenstärksten Zeitung Israels alle zehn Opfer abgebildet. Viele sind unter 30. Was für ein Leid! Keine Streichhölzer in den Regalen Wie kann sich ein Land gegen solch heimtückischen Terror schützen? Die Behörden tun, was sie können. Vor jedem öffentlichen Gebäude wird kontrolliert. Vor jedem Einkaufszentrum kommt der Metalldetektor zum Einsatz. Mein roter Rucksack ist bei den Kontrolleuren besonders beliebt. Ungezählte Male wird er gefilzt. In meinem Apartment sind die Streichhölzer ausgegangen. Der Kauf von Nachschub gerät zur Odyssee. Nachdem ich ein großes Einkaufszentrum nach den unentbehrlichen Hölzern abgesucht habe, erfahre ich, dass ich mich an der Kasse melden muss. Ich zahle und gehe mit dem Kassenbon zur Information. Dort erhalte ich die begehrten Zünder. Streichhölzer gehören in einem terrorgefährdeten Land zur Gefahrgutklasse. Als ich nach Hause komme, ist die Hauptstraße abgesperrt. Das Blaulicht der Einsatzfahrzeuge taucht die Szene in ein gespenstisches Licht. Nachdem ich meinen Presseausweis gezeigt habe, erfahre ich von einer Polizistin, dass es sich um eine Bombendrohung handelt. Die Sache geht in diesem Fall gut aus. Jeder herrenlose Koffer, jede verdächtige Person führt sofort zum Alarm. Ein zwiespältiges Lebensgefühl Einerseits versuchen die Israelis, ein ganz normales Leben zu führen. Cafes und Restaurants sind an den lauen Abenden überfüllt. Auf der anderen Seite sitzt der Terror tief im Bewusstsein. Als ich in Beerscheba eine Gruppe von wartenden Soldaten fotografiere, begegnen mir eisige Blicke. Beim nächsten Mal mache ich es besser. Ich frage zuerst den Vorgesetzten und bekomme freundliche Erlaubnis. Nachdem ich in einem Schnellrestaurant die Gäste fotografiert habe, werde ich noch Minuten später von einigen Leuten angestarrt. Harmlose Schnappschüsse gibt es in Zeiten des Terrors nicht. Beim Pro-Kopf-Verbrauch von Beruhigungsmitteln liegt Israel in der Weltspitze ganz weit oben. Ich will nicht verschweigen, dass die Menschen auf der anderen Seite der Demarkationslinie in Ramallah, Jenin oder Gaza-Stadt mit den gleichen Ängsten fertig werden müssen. Vermutlich wandern dort kaum weniger Psychopharmaka über die Ladentische der Apotheken. Menschenleere Souvenirläden In Jerusalem sind wir die einzigen Touristen im Garten Gethsemane. Dort, wo sich sonst lange Schlangen bildeten, herrscht gähnende Leere. Nach einer obligatorischen Leibesvisitation betreten wir den Tempelberg. An der Klagemauer finde ich fast ausschließlich betende Juden. Erschüttert werde ich an verschiedene Aussagen der Schrift erinnert: "Denn ich gebe ihnen Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht mit [rechter] Erkenntnis" (Römer 10,2) "Aber bis heute, so oft Mose gelesen wird, liegt eine Decke auf ihrem Herzen" (2. Korinther 3,15). Wir gehen durch die engen Gassen des arabischen Basars. Ehrlich gesagt, mich beschleicht ein mulmiges Gefühl. In den wenigen Souvenirläden sind wir wiederum die einzigen Kunden. Die Verkäufer flehen uns förmlich an, etwas zu kaufen. Sie stehen wie viele andere vor dem wirtschaftlichen Ruin. Unser arabischer Führer und der Ladeninhaber machen unisono Rabin für die Lage verantwortlich, was verständlich ist. Jeder sieht die Welt durch seine Brille. Am Gartengrab erkundige ich mich nach den Besucherzahlen. Waren es vor dem Ausbruch der zweiten Intifada zwischen drei- und fünftausend, wurden an diesem Tag bis zum Nachmittag gerade mal 13 Personen gezählt. Kaum zu ermessen, was diese Zahlen für ein Tourismus abhängiges Land wie Israel bedeuten! Den Gott der Väter finden Israel ist wieder in seinem Land. Doch das Volk befindet sich in dem Stadium von Hesekiel 37: Knochen, Sehnen und Fleisch – aber noch kein Geist! („... es war kein Odem in ihnen.“) Oder mit Röm 10 ausgedrückt: Immer noch Eifer für Gott, aber nicht mit rechter Erkenntnis! In den vergangenen Jahrzehnten kehrten Juden aus aller Welt in das Land Israel zurück. Darunter mehr als eine Million aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. So verwundert es nicht, dass auf den Straßen vielfach Russisch zu hören ist. Mit Hilfe aus den USA und Europa entstanden etliche juden-christlichen Gemeinden unter diesen Rückkehrern. In Jerusalem, Tel Aviv, Haifa, Beerscheba und in weiteren Städten erklingen inzwischen russische Lieder zur Ehre Gottes. Da viele dieser Juden der hebräischen Sprache nicht mächtig sind, wird in ihren Gottesdiensten fast ausschließlich Russisch gesprochen. Jakob K. erkannte den Auftrag, den Gemeindeaufbau von Deutschland aus zu unterstützen. Ich begleitete ihn auf seiner Sommerreise im Land. Unter den aus Russland heimgekehrten Juden ist ein interessantes Phänomen zu beobachten. Viele von ihnen führten in ihrer früheren Heimat kein religiöses Leben. Doch kaum sind sie im Land ihrer Väter, beginnen sie nach dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu suchen. Sie finden ihn in Jesus Christus. Manche sind so suchend, dass sie sich schon nach den ersten Gottesdiensten zu ihrem Messias bekehren. In der Negevwüste kam vor zwei Jahren ein Trinker zum Glauben. Er heiratete seine langjährige Lebensgefährtin und leitet inzwischen die ca. 20köpfige Gruppe am Ort. Im Gottesdienst trägt er mit der Gitarre selbst geschriebenen Lieder über Jesus vor. Die russisch-jüdischen Gemeinden erfahren bisher wenig Opposition von Seiten der Orthodoxen. Dafür wird den Gläubigen oft in der eigenen Familie das Leben schwer gemacht. Sie sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, den Weg der Väter verlassen zu haben und zu einer Sekte konvertiert zu sein. Wie mir ein Mitarbeiter von Chosen People International bestätigte, haben viele juden-christliche Gemeinden in Israel Zulauf. Die Gläubigen sind sehr missionarisch und geben Zeugnis von Christus, wo sie gehen und stehen. Der Herr der Gemeinde wusste zu allen Zeiten die Widerwärtigkeiten dieser Welt für den Bau seines Reiches zu nutzen. Dennoch brauchen die an Jesus Christus Gläubigen in Israel im Besonderen die sichtbare Unterstützung der Christen aus aller Welt. Gerade jetzt in der Zeit des allgegenwärtigen Terrors.

Nachtext

Quellenangaben