Zeitschrift-Artikel: Fußball "Gott" oder "Götze" Fußball? - GEDANKEN BEIM DURCHBLÄTTERN EINES BILDBANDES

Zeitschrift: 99 (zur Zeitschrift)
Titel: Fußball "Gott" oder "Götze" Fußball? - GEDANKEN BEIM DURCHBLÄTTERN EINES BILDBANDES
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 83

Titel

Fußball "Gott" oder "Götze" Fußball? - GEDANKEN BEIM DURCHBLÄTTERN EINES BILDBANDES

Vortext

Text

Damit man mich nicht falsch versteht: Ich habe nichts gegen Fußball – im Gegenteil. Im Alter von etwa 10 Jahren habe ich angefangen Fußball zu spielen und die Freude an dieser Sportart hat bis heute angehalten und ich bin dankbar, dass ich noch ein- oder zweimal pro Woche als Mitspieler auf unserem zwar nicht „heiligen“, dafür aber holprigen Rasen geduldet werde. Dennoch glaube ich nicht, dass Fußball „die schönste Nebensache der Welt“ ist, neige aber zu der Auffassung, dass u.a. auch dieser Mannschaftssport – verantwortungsbewusst ausgeübt – mithelfen kann, Disziplin, Ausdauer, Kampfgeist, Teamfähigkeit und Fairness im Charakter eines jungen Menschen zu fördern. Leider muss ich bekennen – und das beschämt mich – dass mich die Ergebnisse unserer Nationalelf oder der Mannschaften im Europapokal alles andere als unberührt lassen. Es gibt für mich auch keinen Grund zu zweifeln, dass einige der bekannten Fußball-Profis, die in diesem Bildband vorgestellt werden, aufrichtige Christen sind. Auch wenn ich an dieser Stelle viele Fragen und Bedenken habe, ob man als Christ Fußball-Profi sein kann, ohne geistlich Schaden zu nehmen, freue ich mich über den Mut, mit dem Dirk Heinen, Paulo Sergio, Marcelo Bordon, Ze Roberto, Gerald Asamoah und andere sich öffentlich zu Jesus Christus bekennen und deutlich machen, dass Er an erster Stelle ihres Lebens stehen soll. „Fußball ist Religion!“ Was mich beschwert, ist die Tatsache, dass der Profi-Fußball immer mehr zu einem Götzen geworden ist, der Millionen von Männern und Frauen in seinen Bann zieht. Otmar Hitzfeld, der Trainer von FC Bayern München, erklärte vor einigen Monaten, als er Borussia Dortmund zur Meisterschaft gratulierte: „Fußball ist im Ruhrgebiet Religion!“. Spieler wie Jürgen Kohler werden als „Fußball-Gott“ bezeichnet. Es ist erschütternd festzustellen, dass man sich vor solchen blasphemischen Äußerungen nicht mehr scheut. Alle Achtung vor Oliver Kahn, der, als er nach seinen Erfolgen von den Medien als „Fußball- Gott“ bezeichnet wurde, folgendes Statement abgab: „Ich selbst habe auch von einem Fußball-Gott gesprochen und mich hinterher geärgert: ,Wie kannst du nur so einen Blödsinn von dir geben?’ Es gibt nur einen einzigen Gott. Dieser Gott gibt uns Kraft, mit allem, was wir positiv wie negativ erleben, umzugehen. Es ist der Gott der Christen, dem ich am nächsten stehe.“ Eine ehrfurchtslose Gesellschaft Interessant ist, dass man vor etwa 50 Jahren noch so etwas wie Gottesfurcht in unserer Gesellschaft erkennen konnte. Auch damals schrie der Rundfunk-Reporter Herbert Zimmermann in das Mikrofon, als Toni Turek, der als Torwart 1954 mit einer sensationellen Leistung in den letzten Sekunden vor dem Schlusspfiff die Weltmeisterschaft der Nationalelf rettete: „Toni, du bist ein Fußball-Gott!“ Doch Zimmermann änderte diesen Satz nachträglich: „Toni, du bist Gold wert!“ Er hatte sich die Kritik des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuß zu Herzen genommen, der dazu sagte: „Bei aller Begeisterung, das geht zu weit!“ Heute, 48 Jahre später, scheuen sich Evangelikale nicht, einen Bildband mit dem Titel „Fußball Gott“ herauszugeben und zu vermarkten. In diesem Buch berichten 12 bekannte Profis aus ihrem Leben und beantworten Fragen zu allen möglichen Lebensbereichen. Einige dieser Zeugnisse sind erstaunlich eindeutig, andere eher schwammig. Das Vorwort von Rudi Völler: Na, ja... Während man sich über einige dieser Berichte freut, schmerzt und schockiert es doch, wenn man folgende Äußerungen des Autors liest, von denen das Buch jede Menge enthält: „Am achten Tag schuf Gott den Ball. Und er sah, wie die Menschheit fasziniert davon war, und schenkte ihnen die Weltmeisterschaft. Als nun das WM-Finale 2006 vor der Tür stand, hatte Gott ein Problem: Jeden Morgen, wenn er aufstand, brachten ihm die Engel die Gebete aus den Ländern der Finalteilnehmer ...“ (S. 119) Oder wenn unter der Überschrift „Nachspielzeit“ Sprüche wie folgende zitiert werden: „Jesus betete und die Jünger standen abseits.“ „Werden die Roten Teufel aus Kaiserslautern jemals wieder Meister? Oder biblisch gesagt: „Hölle, wo dein Sieg?“ (1Kor 15,55) Abgebrühte Christen? Sind wir als Christen inzwischen so abgebrüht, dass wir uns über solche Sätze nicht mehr von Herzen empören? Ich zweifle nicht an den sicher guten Absichten des Autors und Verlegers, mit diesem Buch Leute anzusprechen, die ansonsten ein christliches Buch so schnell nicht in die Hand nehmen würden. Aber welchen Eindruck hinterlassen diese ehrfurchtslosen, blasphemischen und flapsigen Sätze bei nichtchristlichen Lesern? Oder könnte es sein, dass die angeblich „schönste Nebensache der Welt“ inzwischen auch von Evangelikalen als gewinnträchtige Marktlücke im christlichen Buchmarkt entdeckt wurde?

Nachtext

Quellenangaben