Zeitschrift-Artikel: Vom rechten Verhalten der Heiligen in den gerechten Gerichten Gottes

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Titel: Vom rechten Verhalten der Heiligen in den gerechten Gerichten Gottes
Typ: Artikel
Autor: Carsten Görsch
Autor (Anmerkung):

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Titel

Vom rechten Verhalten der Heiligen in den gerechten Gerichten Gottes

Vortext

Und sie (die Überwinder) singen das Lied Moses’, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sagen: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht und wahrhaftig deine Wege, o König der Nationen! Wer sollte nicht dich, Herr, fürchten und deinen Namen verherrlichen? Denn du allein bist heilig; denn alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten, denn deine gerechten Taten sind offenbar geworden.“ (Offb 15,3–4)

Text

Ist es richtig? Ist es richtig, dass ich nichts als Ärger auf der Arbeit habe? Jeden Tag das gleiche Ritual: Einstempeln; Schuften; Ausstempeln. Zwischendrin verärgerte Kunden, unfreund­liche Kollegen und fordernde Vorgesetzte. Und das Ganze für umgerechnet 1.600 Euro im Monat. Warum plage ich mich eigentlich Tag für Tag? Ich weiß es nicht? Ich weiß nur, dass Gott dem Adam Arbeit verordnete. Ist es richtig, dass meine Frau unter einer Schwangerschaft so leidet? Die ersten drei Monate ist ihr beständig übel. Die letzten drei kann sie nicht mehr schlafen. Die Geburt zerreißt sie schier und in den Wochen danach hat sie den „Baby-Blues“. Ist Gott da ein Fehler unterlaufen, dass meine Frau so leiden muss, wenn wir eine Familie gründen wollen? Aber ich weiß, dass Gott der Eva Schmerzen verordnete … Ist es richtig, dass weite Teile Europas in Fluten untergehen? Norditalien versinkt im Wasser. In Deutschland treten Rhein und Elbe fast jährlich über ihre Ufer. Menschen kämpfen bis zur Erschöpfung gegen sintflutartige Regenfälle. Als am 30. Juni 2017 im deutschen Bundestag im „Hauruck-Verfahren“ die „Ehe für Alle“ beschlossen wird, geht die Bundeshauptstadt im Wasser unter. Ich weiß nicht, warum Gott das zulässt. Ich weiß nur, dass er schon einmal eine gerichtsreife Welt im Wasser untergehen ließ. Ist es richtig, dass Gott den 11. September 2001 zuließ? 3000 Menschen kamen um, als die Flugzeuge der Terroristen die Twin-Tower torpedierten. Der „ground zero“ wurde zum Inbegriff der nationalen amerikanischen Niederlage. Die große Nation hatte sich als verwundbar erwiesen. Ich weiß nicht, warum Gott das zugelassen hat. Ich weiß aber, dass er schon einmal einen Turm – nämlich den von Babel – scheitern ließ, als Menschen sich überhoben und sich Gott gleichmachen wollten. Ist es richtig, dass die Jesiden gewaltsam aus ihrer Heimat verdrängt werden? Der IS vertrieb die christliche Minderheit im Nordirak aus ihren Dörfern, nahm sich deren Frauen zu Sklaven, deren Kinder zu Soldaten und richtete deren Männer brutal hin. Das Schicksal der kurdischen Minderheit wurde zum Sinnbild der Willkür der „Gotteskrieger“. Ist es richtig, dass Gott das zulässt? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass er sein eigenes Volk Israel in die Hände der Babylonier gab und ähnlich Schlimmes zuließ, als dieses sich vom Glauben abwandte. Ist es richtig, dass mein Nachbar derart unter seiner Krankheit leiden muss? Er ist 58 Jahre alt, ein erfolgreicher Geschäftsmann und hat eine nette Frau und vier Kinder. Aber er hat eine schwere Schuppenflechte. Der Juckreiz raubt ihm nachts den Schlaf. Die Gelenkschmerzen zermürben tagsüber sein Gemüt. Ist es richtig, dass mein Nachbar solches leiden muss? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass Gott an Hiob ähnlich gehandelt hat. Er verlor Haus und Hof, seine Kinder, dann seine Gesundheit, das bekanntlich „höchste Gut“. Ist es richtig, dass der Sohn meiner Freunde bei einem Unfall stirbt? Er wollte mit seinen gläubigen Freunden eine Rafting-Tour auf dem Inn machen. Er war 20 Jahre alt, als er starb. Sein Boot drehte sich, er schlug mit seinem Kopf gegen einen Felsvorsprung und ertrank. Auf der Beerdigung kam ein Freund von ihm zum Glauben, als er die Predigt hörte. Ist es richtig, dass Gott so etwas zulässt? Ich weiß nur, dass er seinen eigenen Sohn an einem Kreuz sterben ließ, um uns vor der Hölle zu retten. Gott macht keine Fehler! Gottes Gerichte bestrafen nicht nur Sünde, sie bewahren auch vor Sünde. Unser Berufsleben beschäftigt uns. Und das ist gut so. Müßiggang ist alle Laster Anfang. Insofern ist Arbeit keine Strafe, sondern ein Privileg. Wir kämen nur auf dumme Gedanken. So wie David, als er Batseba beim Baden zusah, anstatt mit seinen Soldaten zu kämpfen. Wie viele Sünden würden wir begehen, wenn wir nur genügend Zeit dazu hätten? Gottes Gerichte können uns zusammen schmieden. Wo lernen sich Ehepaare besser kennen als auf Geburtsvorbereitungs-Kursen? Das ist „ihr gemeinsames Projekt“. Und selten kommen sie sich so nahe wie im Kreißsaal, wenn sie seine Hand sucht und er mit ihr „presst und hechelt“. Probleme schweißen uns zusammen. Sie treiben uns nicht nur in Gottes Arme, sondern auch in die unseres Partners. Wer weiß, wo wir sonst landen würden? Gottes Gerichte beugen Schlimmerem vor. Manchmal ist es gut, wenn Gott einen Menschen wegnimmt. Was passieren kann, wenn er es nicht tut, sieht man im Falle Hiskias. Je länger er lebte, desto schlimmer wurde es mit ihm. Für uns ist der Verlust schmerzhaft. Aber hat nicht der, welcher das Leben gegeben hat, auch das Recht es wieder zu nehmen? Und hat nicht der Töpfer das Recht, aus einem missratenen Tonkrug wieder einen neuen zu formen? Gottes Gerichte bewahren uns vor Schlimmerem. Ohne Gottes Gerichte würden wir unausstehlich. Für uns sind unsere Zusammenbrüche peinlich. Wenn das Kartenhaus unserer Lügen zusammenfällt, würden wir am liebsten im Erdboden versinken. Aber Gott lässt uns nicht mit unseren Lügen laufen. Er widersteht dem Hochmütigen und dem Demütigen gibt er Gnade. Von daher treffen uns seine Gerichte zurecht und sie bringen uns zurecht. Gottes Gerichte demütigen uns. Gottes Gerichte lassen uns neu nach IHM fragen. Die babylonische Gefangenschaft war eine nationale Katas­trophe – aber sie hatte ein gutes Ziel: „Und ihr werdet mich suchen und finden, denn ihr werdet nach mir fragen mit eurem ganzen Herzen“ (Jer 29,13), weissagte Jeremia den Exilanten. Nach dem Krieg waren die Kirchen Deutschlands voll. Hunger und Not trieben sie zurück in Gottes Arme. Gottes Gerichte sind recht, weil sie uns wieder ganz neu nach ihm fragen lassen. Gottes Gerichte treiben uns in seine Arme. „Hauptsache gesund!“ und: „Die beste Krankheit taugt nichts.“ Die meisten denken so – und liegen falsch. Ich kam unter anderem auch durch das Sterben eines gläubigen Kaufmanns zum Glauben. Das Weizenkorn fiel vor mir in die Erde und ich war Teil der Ähre, die aus ihm erwuchs. „Diese Krankheit dient zur Verherrlichung Gottes!“, sollte die Losung sein, wenn sie uns trifft. Gottes Gerichte sind recht, weil sie ihn verherrlichen. Gottes Gerichte sind die Rettung für Menschen. Der Tod eines Kindes ist unfassbar und unheilbar schmerzhaft. Aber manche Gemeinden gäbe es in dieser Form wahrscheinlich gar nicht, wenn Gott nicht zugelassen hätte, dass Eltern ein Kind genommen wurde. Sie machten aus der Not eine Tugend. Sie evangelisierten mit dem Mut der Verzweiflung. Aus dem Fresser kam Fraß und aus dem Raub kam Süßes. Gottes Gerichte sind recht, und sie können wirkliche Errettung schaffen. Wie können wir damit leben? Wir sollten Gott dankbar sein für alle Probleme in unserem Leben. Der Schweiß der Arbeit in unserem Angesicht bewahrt unsere Augen davor, umherzuschweifen. Die Tränen der Gebärenden können Kindern Leben und der Ehe eine neue Nähe geben. Wir sollten Gott allezeit für alles danken (Eph 5,20). In guten wie in schlechten Zeiten. Wir sollten uns in unser Schicksal fügen. Es ist hart, gegen den Stachel auszuschlagen (Apg 26,14). Mit dem Leid ist es wie mit dem Widerhaken im Maul des Fisches: Je länger du zappelst, desto schlimmer wird es. Küssen wir also die Hand, die uns züchtigt. Achten wir es für lauter Freude, wenn wir in mancherlei Versuchungen fallen (Jak 1,2). Das Feuer des Leides wird den Dornbusch unseres Lebens nicht verzehren. Wir sollten in uns und nicht um uns schlagen. Anstatt Gott zu verklagen, sollten wir uns fragen: „Was kann ich hieraus lernen?“ Die Menschen am Ende der Zeit werden „den Gott des Himmels lästern wegen ihrer Pein und wegen ihrer Geschwüre, und taten nicht Buße von ihren Werken“ (Offb 16,11). David hingegen hätte jedes Gericht Gottes akzeptiert, wenn dies aufgrund seiner Sünde über ihn gekommen wäre (Ps 7,2 ff.) Wir sollten Gott Gott sein lassen. Selbst der alte, geistlich heruntergekommene Eli besaß noch so viel Einsicht, dass er sagen konnte: „Er ist der HERR; er tue, was gut ist in seinen Augen.“ (1Sam 3,18) „Bist Du doch nicht Regente, der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl“ rät uns Paul Gerhardt im Angesicht der Gerichte Gottes. Lassen wir Gott also nicht einen „guten alten Mann“ sein, sondern das, was er in Wirklichkeit ist: der Lenker unseres Lebens. Wir sollten Gott im Leiden suchen. Der Druck der Gerichte bringt uns auf die Knie. Nie beten wir besser, als wenn es uns schlecht geht. „Leidet jemand unter euch Trübsal? Er bete.“ (Jak 5,13) Das Singen überlassen wir den Fröhlichen, das Beten übernehmen wir. Der „Hühnerhund Gottes“ treibt mit seinem Knurren die Hennen in den Stall des Gebets. Und dort sind sie gut aufgehoben. Wir sollten bewusst zur Ehre Gottes leiden. Ganz besonders in Zeiten der Krankheit. Für manche Projekte nimmt Gott nur seine „Besten“. Eine schwere Krankheit kann der Ritterschlag des Höchsten sein. Gott adelt dich durch Ausschlag, Auswurf und Al­lein­sein. Hier kannst Du Deine Ergebenheit in seinen Willen beweisen. Denke daran, dass kein Mensch so edel war wie Hiob, als Gott ein Exempel zu seiner Ehre statuieren wollte (Hi 1,1). Es gibt keine Ernte der Herrlichkeit ohne die Saat der Vergänglichkeit. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12,24) Manchmal bedient sich Gott auch „der Weizenkörner“ unserer Kinder und Verwandten. Und unsere besten Evangelisationen sind oft unsere Beerdigungen. Auch wenn es Dir und mir das Herz dabei zerreißt. So sind Gottes Gerichte also gerecht. Durch das Böse des Lebens bewirkt Gott uns das Gute des Himmels. Es kommt ganz darauf an, wie wir uns dazu stellen.

Nachtext

»Gott kann machen, dass das Falsche zum noch Besseren wird, als das Richtige gewesen wäre.« Søren Kierkegaard

Quellenangaben