Zeitschrift-Artikel: Mütter – Gottes Mitarbeiter

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Titel: Mütter – Gottes Mitarbeiter
Typ: Artikel
Autor: Elisabeth Weise
Autor (Anmerkung):

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Titel

Mütter – Gottes Mitarbeiter

Vortext

Text

Wir Mütter haben immer zu tun, in jeder Lebensphase unserer Kinder. Zuerst der Wickelmarathon, dann die ausgefüllten Kinderjahre, als Krönung die Pubertät. Und wofür tun wir das? Wir möchten so gerne, dass unsere Kinder zu selbständigen, verantwortungsbewussten Menschen heranwachsen, die den Herrn Jesus lieben und ihm von ganzem Herzen nachfolgen. Und dafür wickeln, waschen, fahren, putzen, kochen und beten wir viele Tage, Wochen, Monate, Jahre. Gleichzeitig ist uns bewusst, wie ohnmächtig wir sind, denn nur Gott kann wirklich die Herzen unserer Kinder verändern. Wer tut nun also die Arbeit? Sind wir es, ist es Gott? Im Neuen Testament kommt häufig das Wort „Mitarbeiter“ vor. Es gibt Mitarbeiter an der Wahrheit1, Mitarbeiter an der Freude2, Mitarbeiter am Reich Gottes3, verschiedene Mitarbeiter von Paulus4. Zweimal aber findet sich auch der interessante Ausdruck „Mitarbeiter Gottes“5. Wie ist das zu verstehen? Hilft Gott uns bei unserer Arbeit? Oder helfen wir ihm? Beim Nachdenken über diese komplizierte Thematik kam mir folgende lustige Anekdote in den Sinn: Ein Bauer stand in der Abendsonne neben seinem Feld und betrachtete zufrieden die wogenden Ähren. Da kam der Pfarrer des Ortes dazu und auch er freute sich an dem Anblick des gut gepflegten Feldes und des reifenden Getreides. „Du und Gott, ihr beide habt da ganze Arbeit geleistet!“, meinte er schließlich anerkennend. Der Bauer kratzte sich am Kopf, überlegte eine Weile, und sagte dann langsam: „Ich weiß nicht. Du hättest das Feld mal sehen sollen, als sich Gott noch allein drum gekümmert hat!“ Menschliche und göttliche Arbeit Ob es um Feldarbeit oder unsere Arbeit als Mütter geht, wir können nicht ganz begreifen, wie menschliche und göttliche Anteile ineinander greifen. Doch es scheint ein Grundsatz zu sein, dass Gott Arbeit durch den Menschen getan haben möchte. Es stimmt, wir können nichts ohne Gott tun. Kein Bauer kann auch nur eine einzige Ähre wachsen lassen ohne Gott. Schon allein das passende Wetter liegt völlig außerhalb seines Einflussbereiches. Aber andererseits möchte Gott auch nichts ohne uns tun, und so wird ohne menschliches Mühen kein Getreide geerntet. Diesen Grundsatz kann man auch bei vielen Wundern beobachten, als unser Herr Jesus die Menschen „mithelfen“ ließ, obwohl sie das eigentliche Wunder überhaupt nicht bewirken konnten. Ein kleiner Junge musste sein Frühstück abgeben, ein Blinder musste sich waschen, Diener mussten schwere Krüge mit Wasser füllen, Aussätzige sich auf den Weg zum Priester machen. Das göttliche Wirken machte menschliche Arbeit nicht unnötig. Der Herr tat das, was die Menschen nicht tun konnten (Lazarus von den Toten auferwecken), aber er ließ die Menschen das tun, was sie sehr wohl tun konnten (seine Leinentücher abwickeln). Was bedeutet dieses Prinzip für meine täglichen Aufgaben als Mutter? Ganz nüchtern betrachtet heißt es, dass Gott mir meine Arbeit nicht abnimmt. Ich muss mein Baby selbst stillen, es baden, lange Stunden auf dem Spielplatz verbringen, später zum Musikunterricht fahren, Vokabeln abfragen, hunderte von Gute-Nacht-Geschichten vorlesen, Bibelverse für die Sonntagsschule üben und vieles mehr. Das alles tut Gott nicht für mich. Aber er will mir die Kraft, Weisheit und Liebe dazu schenken und außerdem die Dinge lenken, die außerhalb meines Einflussbereiches liegen. So darf ich als Mutter Gottes Mitarbeiter an dem Werk sein, das er an meinem Kind tut. Wenn der gläubige Bauer nach den Mühen eines arbeitsreichen Jahres das goldene Getreide in seiner Scheune sieht, was wird er sagen? Doch sicher: „Ich danke dir Gott für deine Gnade, dass ich so eine gute Ernte haben durfte!“ Wenn die Kinder einer gläubigen Mutter groß sind und einen guten Weg gehen, wird sie sicher auch sagen: „Was für eine Gnade! Danke, dass ich dein Mitarbeiter sein durfte!“ Göttliche Tätigkeiten tun Bis dieses Ziel erreicht wird, ist jede Menge Arbeit zu tun. Arbeit, die in unserer Zeit keine besondere Aufmerksamkeit und Anerkennung erfährt. Und das, obwohl viele mütterliche Tätigkeiten außerordentlich wichtig sind, schon allein deshalb, weil sie dem ähneln, was Gott tut. Wir Mütter sind dazu da, aus unserem Haus ein Zuhause zu machen – auch der Herr Jesus bereitet gerade eine Wohnung für uns. Wir kümmern uns um die Sauberkeit von Fußböden und „Dreckspatzen“ – während Reinigung im geistlichen Sinn ein Spezialgebiet Gottes ist. Wir versorgen unsere Familie tagtäglich mit Nahrung und decken unseren Kindern den Tisch – während Gott alles das auch für uns tut. Und jedes Mal, wenn wir unsere Kinder beschützen, ermahnen, bestrafen, beraten, ermutigen und ihnen vergeben sind das Dinge, die Gott ebenfalls für uns Menschen tut. An einer Stelle sagt er sogar explizit: „Ich will Euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.“6 Ist daher unsere mütterliche Arbeit nicht eine wunderbare Gelegenheit, Gott auf eine sehr einzigartige Weise widerzuspiegeln? Vielleicht mehr, als wenn wir Versicherungen verkaufen, Fremdsprachen unterrichten, Zähne füllen oder was immer wir vorher sonst in unserem Leben getan haben (und vielleicht nebenher auch noch tun). Was es auch immer sonst noch für spannende Tätigkeiten gibt, als Mütter haben wir eine besondere Berufung: nämlich Mitarbeiter Gottes in einem ganz wichtigen Projekt und ihm auf eine einzigartige Weise ähnlich zu sein. Und das Spannende ist: Diese Stelle ist nur einmal ausgeschrieben! Wenn du nicht zusagst, wird sie vakant bleiben. Gott wird niemand anderen als Mutter für deine Kinder einstellen. Das ist dein Job! Für viele Aufgaben in der Gemeinde wird sich jemand anderes finden. Deine Arbeitsstelle wird wahrscheinlich auch von jemand anderem besetzt werden können. Aber hier in der Familie heißt es: du oder keine. Natürlich: Wenn Du als Mutter versagst oder aber stirbst, dann hat Gott auch andere Menschen, durch die er dein Kind prägen kann, vielleicht Großeltern, Freunde, Jugendleiter oder andere Vorbilder. Aber in einem gewissen Sinn bist du als Mutter unersetzlich. Mütter sind Mitarbeiter Gottes – ein herausfordernder Gedanke Was für ein herausfordernder Gedanke: Ich bin Gottes MITARBEITER! Vielleicht erinnerst du dich noch an die erste Mail von deinem Chef. Oder an die Anfrage, bei einem bedeutenden Projekt mitzuarbeiten. Sind wir nicht richtig stolz, wenn eine wichtige Persönlichkeit an unserer Mitarbeit interessiert ist? Wir geben uns dann große Mühe, dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen und erledigen unsere Arbeit so gewissenhaft wie möglich. Wenn ich höre, dass ich als Mutter ein Mitarbeiter Gottes sein darf, wie reagiere ich dann? Wie sorgfältig bin ich? Wie eifrig? Wie ernst nehme ich das? Wie sehr bin ich an meiner „Fortbildung“ interessiert? Vergiss es nicht: Es ist ein Privileg, ein Mitarbeiter Gottes zu sein! Mütter sind Mitarbeiter Gottes – ein entspannender Gedanke Andererseits ist es auch ein sehr entspannender Gedanke, GOTTES Mitarbeiter zu sein. Bestimmt erinnerst du dich noch an die oft ungeliebten Gruppenarbeiten in der Schule. Warum mögen fleißige Schüler Gruppenarbeiten nicht? Weil sie wissen, dass im Zweifel alles an ihnen hängen bleibt. Doch wer tut die Hauptarbeit, wenn es ein Team gibt „Gott und Mensch“? Auf wem ruht die Last? Wer trägt die letzte Verantwortung? Gott natürlich! Bei Gruppenarbeiten versuchen alle in die Gruppe der starken Leute zu kommen. In die Gruppe von denen, die Ahnung von der Sache haben. Wenn wir also in der Gruppe sind, in der Gott mit dabei ist, kann uns eigentlich nichts passieren. Also, du bist Gottes Mitarbeiterin, du kämpfst nicht alleine auf weiter Flur. Und: Gott hat schon andere „Projekte“ erfolgreich abgeschlossen. Ich meine, dieser Gedanke kann uns Müttern Mut geben, unsere tägliche Arbeit von ganzem Herzen zu tun.

Nachtext

»Denn dafür arbeiten und kämpfen wir, da wir auf einen lebendigen Gott hoffen, der ein Retter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen.« 1. Timotheus 4,10

Quellenangaben

Fußnoten 3Joh 8 2Kor 1,24 Kol 4,11 z.B. 2Kor 8,23; Phil 2,25; Phil 24 1Kor 3,9; 1Thes 3,2 Jes 66,13