Zeitschrift-Artikel: Missionsland Deutschland

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Titel: Missionsland Deutschland
Typ: Artikel
Autor: Gerhard Schwabe
Autor (Anmerkung):

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Titel

Missionsland Deutschland

Vortext

"Gehet hin in alle Welt . .

Anfangend von Jerusalem .. .

Die Zerstreuten nun gingen umher und predigten das Wort ...

Wirf dein Brot hin auf die Fläche der Wasser und nach vielen Tagen wirst du es finden…

Tue das Werk eines Evangelisten!"

Text


Das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit und bis zur letzten Sekunde gilt der Auftrag unseres Herrn: Handelt bis dass ich komme.

Es stimmt, wir leben in der Zeit der kleinen Kraft, aber genauso gilt es, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist. Gerade da, wo, menschlich gesprochen, "nicht mehr viel drin ist", hat unser Gott die Gelegenheit, zu zei­gen, dass bei ihm kein Ding unmöglich ist. Immer noch kommen Menschen zum Glauben. Scheinbar nicht mehr durch große Evangelisa­tionen und durch wortgewaltige Verkündiger, doch bleibt bestehen: Mein Vater wirkt und ich wirke.

Mal gibt es eine Belebung auf den Trümmern von Kirchen und Gemeinschaften, mal durch das Zeugnis einiger Menschen, durch Radio­mission und Straßenevangelisationen. Es bilden-sich neue Gemeinden, teilweise ohne besondere Mithilfe anderer Gläubiger. Einige davon ver­sammeln sich außerhalb aller eingetragener Denominationen. Wenn man mit solchen Gläu­bigen zusammenkommt, fallen drei Dinge auf: Freude im Herrn, Eifer im Untersuchen der Schriften und konsequente Nachfolge, Hingabe in der Mission.

Dabei fällt auf, dass genauso Versammlungen schrumpfen oder ganz verschwinden. Alles das sollte uns froh aber auch zugleich nachdenk­lich machen.

Vor diesem Hintergrund möchte ich ein paar Erfahrungen weitergeben, die ich in der Mis­sion unter Geschäftspartnern und auf Indu­striemessen machen durfte.

Vor einigen Jahren begann ich, zum Jahresende evangelistische Kalender mit einem Begleit­brief an meine Kunden zu schicken. Zusammen mit dem Dank für gute Zusammenarbeit brachte ich mein Anliegen vor: Es gibt auch noch wichtigere Dinge als geschäftliche Er­folgsmeldungen. Wichtigeres als Maschinen verkaufen und Produktionssteigerungen. Alles das vergeht, und wenn wir einmal vor Gott stehen, ist es uninteressant, wie tüchtig wir als Betriebsleiter und Unternehmer waren. Dann gilt nur eins, was haben wir mit dem Angebot Gottes, mit Jesus Christus, gemacht.

Einmal fügte ich das Buch "Ohne Gott geht es nicht" bei. Das war zu einem Zeitpunkt, als besonders dunkle Wolken am Wirtschaftshimmel hingen. Die Resonanz war erstaunlich. Viele baten um weitere Exemplare dieses Buches, andere baten um die Cassette des Vortrages von Dr. Ostermann, und Geschäftspartner sprachen mich beim Zusammentreffen auf Glaubensfragen an. Einer machte sogar von Süddeutschland aus eine Reise zu mir. Ein anderer rief an und bat um die Adresse von Dr. Ostermann; er wolle bei der Betriebsein­weihung nicht die üblichen Reden halten, son­dern auch einmal auf solch ernste Zusammen­hänge hinweisen.

Einmal schrieb ein Dechant (der Chef eines katholischen Kirchenkreises), ob er einige Passagen aus meinem Brief in seiner Weih­nachtsbotschaft verwenden dürfe. Er hatte die­sen Brief über einen unserer Kunden erhalten.

Gerade als ich mich einmal fragte, ob sich dieser ganze Aufwand lohnen würde, kam der Anruf eines gläubigen Vertreters: "Ich muss Ihnen etwas ganz Schönes sagen. In Bielefeld ist die Unternehmerin Hoppe durch das Lesen des Kalenders zum Glauben gekommen. Sie war suchend, sie war schon durch andere angespro­chen. Aber das regelmäßige Lesen des Kalen­ders hat ihr die Augen geöffnet. Nicht sie, sondern ihr Mann hat mir das erzählt. Er sagte mir wörtlich: "Ich kenne meine Frau nicht wieder. Unsere Ehe hat sich ganz geän­dert. Ich möchte das auch haben, was meine Frau jetzt hat".

Über ein Jahr betete ich dann für diesen Mann, bis er plötzlich auf der letzten EMO, der eu­ropäischen Werkzeug-Maschinen-Messe, mir gegenübersaß. Sein Gesicht strahlte. Am lieb­sten hätte ich alles auf Tonband aufgenommen, was er mir erzählte. Wie sich sein Leben ge­ändert habe, dass er jetzt so froh wäre, dass er alle Dinge, auch die geschäftlichen, mit seinem Herrn besprechen würde. Und als wir über

"Zeugnis geben" sprachen, sagte er: "Ja, neu­lich kam ein Besucher und fragte mich: "Was haben Sie denn da auf dem Schreibtisch lie­gen?". Ich antwortete: "Das ist meine Bibel." Die Frage ging weiter: "Was machen Sie denn damit im Geschäft?". "Ja, wissen Sie, morgens reicht mir die Zeit einfach nicht, und so nutze ich dann die Pausen, um in der Bibel zu lesen. Das brauche ich einfach". Er sagte noch wei­ter: "Wissen Sie, ich bin ja noch ganz jung im Glauben. Ich muss noch viel lernen. Aber ich freue mich so sehr, endlich ein Fundament für mein Leben zu haben".

Vor etwa acht Jahren begann ich dann damit, Traktate auf den Messeständen auszulegen. Wir stellen auf verschiedenen deutschen Industrie­messen aus. Das geschah erst zaghaft, und für das Nachlegen der Traktate brauchte es, ehr­lich gesagt, etwas Überwindung. Viele Gesprä­che am Messestand gab es noch nicht.

Später sah ich die schönen Aussteller von Ver­breitung der Heiligen Schrift und begann dann, Johannes-Evangelien und Heftchen "Ein Weg zum Glück" und "Ein Brief für Dich", ein Traktat "Reines Gold" und auch Traktate wie "Informationen Nr. 1", usw. auszulegen. Für mich war es ganz überraschend, wie viele Menschen erst aus Neugierde, dann, beim zweiten Hinsehen, aber noch mehr Evangelien oder Traktate mitnahmen. Von da ab gab es viele Gespräche. Manche spotteten natürlich. Einige fragten, ob sie noch ein paar für die Kinder oder die Frau mitnehmen dürften.

Nie werde ich das Gespräch auf der Hanno­ver-Messe mit einem Betriebsleiter vergessen, der noch einmal 10 Meter zurückkam und mich fragte: "Ich möchte für meine Söhne noch zwei Evangelien mitnehmen". Wir kamen ins Ge­spräch und ich sagte ihm sehr ernst, dass er das Evangelium aber auch brauche. Es stellte sich dann heraus, dass er ganz in der Nähe von Schweinfurt wohnte. Seine Söhne gingen in den CVJM, wo ich 1960 zuletzt einige Zeit zuhause war. Die Söhne hatten eine Freizeit mitge­macht und er sagte mir, sie seien seitdem ganz dabei, versäumten keine Stunde und seien heute selbst Jungscharleiter.

Dieser Mann begegnete mir dann öfter auf Messen, und in diesem Jahr bestellte er eine größere Anlage. Immer wieder hatte ich Gele­genheit, über das Eine, was Not ist, mit ihm zu sprechen und er hörte gut zu.

Nicht selten wurden mehr als 800 Johannes-Evangelien mitgenommen, 3000 bis 4000 Trak­tate "Reines Gold" und viele Hunderte Heft­chen und Traktate.

Im vorigen Jahr war nun Anfang September die größte Werkzeug-Maschinen-Messe der Welt in Hannover und dort legte ich zum ersten Mal Neue Testamente aus, und das kam so: Ein gläubiger Mitarbeiter fragte mich, ob ich nicht die noch vorhandenen 200 Testamente, die von einem Bibelstand übrig geblieben waren, mit­nehmen wolle. Erst meinte ich, wir haben ja schon Johannes-Evangelien und Traktate, das wird sicher zu viel. Aber dann war es mir, als ob jemand sagte, "nimm sie mit". Und wie überrascht war ich dann, als schon am ersten Messetag über 80 Neue Testamente mitge­nommen wurden. Man muss wissen, dass die Messe hauptsächlich von Fachleuten, Ingenieu­ren, Betriebsleitern, Firmeninhabern, Abtei­lungsleitern besucht wird. Natürlich auch von Schülern und Studenten, aber sicher in der Minderheit. Nie habe ich erlebt, dass so viele ernste Gespräche geführt wurden. Gläubige kamen, die extra den Mann sprechen und kennenlernen wollten, dem der Messestand gehörte. Weit über 100 sagten, wie sie sich freuten, auf einer Messe so etwas zu finden. Einige sagten, dass es sie sehr ermutigte, in persönlichem Zeugnis doch selbst fortzufahren. Glücklicherweise waren zwei, manchmal drei gläubige Mitarbeiter auf dem Messestand.

Nur einige Erlebnisse: Ein Mann schaute mich nur fragend an und deutete auf die Testamen­te. Ich nickte und er nahm zwei mit. Andere fragten, was die Testamente kosteten. Als wir an einem Morgen zum Messestand kamen, kam der italienische Monteur vom gegenüberlie­genden Messestand, der nur Italienisch sprach, zeigte auf die Testamente und sagte mehr­fach: "Bravo, bravo, bravo", und strahlte mich an. Ich ließ ihn dann fragen, ob er gerne ein Testament in Italienisch hätte, was er freudig bejahte, und ließ mir seine Adresse geben.

Ein Verkaufsleiter kam zum Messestand und bat eine Mitarbeiterin um ein Testament, aber er hätte gerne eine Widmung von mir. Das gleiche tat, unabhängig voneinander, ein Firmenmitin­haber.

Dem Einkaufsleiter eines der größten deutschen Elektrokonzerne durfte ich persönlich das Beste von meinem Messestand als Geschenk mitgeben: Ein Neues Testament. Er hatte gläubige Eltern; das wusste ich. Unser Vertreter bekannte ihm freimütig, dass er auf einer Vertretertagung in unserem Hause wieder zum Glauben zurückge­funden habe. Das hatte ihn sehr angesprochen.

Es gab natürlich auch spöttische Bemerkungen. Der Direktor einer großen spanischen Maschi­nenfabrik fragte mich: "Was hat das hier auf dem Messestand zu suchen?" Ich erklärte ihm: "Dies ist das Wichtigste hier auf dem Messe­stand. Alles was Sie hier in der Halle 6 sehen, ist vergänglich, und wenn Sie einmal vor Gott stehen und nur etwas über das Herstellen von Pressen wissen, bleibt für Sie nur die ewige Verdammnis". Er schaute mich groß an und sagte nur: "Sie haben Recht".

Mitte der Messe. - Samstags fuhr ich nach Hause und kehrte am Montag früh zurück. Auf dem Wege dorthin ging es mir so durchs Herz, ob die Messeleitung wegen der ausgelegten Schriften und Testamente wohl Schwierigkeiten macht? Kaum war ich auf dem Messestand, sagte mir ein gläubiger Verkaufsleiter: "Die Messeleitung war hier und wollte das Auslegen der Schriften untersagen". Ich sagte nur: "Das habe ich geahnt. Hat man sich auf die Aus­stellungsbedingungen bezogen?"- Er antwortete: "Nein". "Dann wollen wir weiter auslegen", sagte ich. An diesem Montag gab es Gesprä­che wie noch nie, und mindestens 150 Testa­mente wurden mitgenommen.

Für den Abend hatte ich ein Zusammentreffen mit allen Konkurrenten arrangiert. Das war an sich eine gewagte Sache. Aber merkwürdiger­weise sagten alle freudig zu. Bei dem Treffen wurden auch heikle Themen besprochen: Wett­bewerbsverhalten, Wahrheit- und Unwahrheit-sagen, usw. Und plötzlich hatte ich eine herr­liche Gelegenheit, von dem was uns so glück­lich macht, Zeugnis abzulegen. Und bald sprach man auch über die Schriften, die am Stand ausgelegt waren. Alle sagten dann, sie hätten gerne ein Testament. Unglücklicherweise waren dann am folgenden Tag die Testamente ausge­gangen und die Nachbestellung kam einen Tag später. Es berührte mich schon merkwürdig, dass einer meiner Konkurrenten zweimal zum Stand kam und fragte, ob die Testamente jetzt da wären. Mit der Frau dieses Mannes hatte ich am Abend vorher ein Gespräch, das etwa so endete: "Wir haben schon viel Schweres in unserem Leben ertragen müssen. Ich kann nur sagen, wenn ich Jesus Christus nicht kennen würde, wüsste ich nicht, wie es in meinem Leben weitergegangen wäre".

Am Schluss dieses Berichtes noch ein Erlebnis: Zum Messeende besuchte ich den Messestand eines Kunden, der in Hannover auch ausstellte. Ich traf den Verkaufsleiter an, der um ein Te­stament mit Widmung gebeten hatte. Neben ihm stand einer seiner Verkaufs-Ingenieure. Dabei kamen wir ins Gespräch. Ich hatte einige Testamente unterm Arm, die ich gerade zu anderen Messeständen bringen wollte. Der Verkaufsleiter sagte mir: "Ach, wissen Sie, meine Sekretärin brauchte das auch unbe­dingt". Der Verkaufs-Ingenieur sagte sofort: "Ja, das stimmt. Die hat's ganz dringend nötig bei ihrem Lebenswandel. Bei mir ist sowieso alles zu spät. Ich hab Ihnen ja schon mal ge­sagt, Sünde kann ganz schön sein".

Die Sekretärin merkte wohl, dass wir über sie sprachen und sie kam zu uns. Ich sagte ihr gleich, um was es ging. Und da durfte ich ihr mitten in dem Trubel auf dem Messestand von einer Frau erzählen, die auch so einen unheim­lichen Durst nach Leben hatte. Ich sagte es ihr etwa so: "Wissen Sie, Gott hat ja auch die Sexualität in uns hineingelegt. Aber er hat uns das geschenkt, damit wir es so gebrauchen, wie Gott das gerne wollte und dann ist es eine wunderbare Sache. Aber Sie werden doch auch schon gemerkt haben, je mehr Lustgewinn man sich genehmigt, desto trauriger wird es im Herzen. Der Durst wird einfach nicht gestillt. Und sehen Sie, da kam der Herr Jesus. Er machte einen Riesenumweg, um eine einzige Frau zu treffen. Er sagte ihr, fünf Männer hast du gehabt und den, den du jetzt hast, der ist nicht dein Mann. Er sagte mit anderen Wor­ten, du hast getrunken und getrunken, dein Durst ist nicht gestillt worden, er ist immer größer geworden. Aber jetzt bin ich gekommen. Ich will dir deinen Durst stillen, aber mit dem Wasser des Lebens. Aber eines kann ich Ihnen versprechen. Wenn Sie Ihr Leben diesem mei­nem Herrn Jesus anvertrauen, dann wird Er Sie unendlich reich beschenken und vor allen Din­gen, Er wird Ihnen alles vergeben und Ihr Le­ben ganz, ganz neu machen. Möchten Sie denn auch ein Neues Testament?".

Und dann stand sie vor mir, mit großen, trau­rigen Augen und sagte: "Ja, bitte geben Sie mir auch eins".

Welch ein großes Missionsgebiet ist doch unser Land und wie viel unbearbeitete Felder gibt es noch. Ich möchte allen Mut machen, zu gele­gener und ungelegener Zeit den Herrn Jesus zu bekennen. Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausge­macht. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.

Nachtext

 

 


 

 

Quellenangaben