Zeitschrift-Artikel: Fördern durch Fordern - Streiflichter aus dem TFB-NC in Magdeburg

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Titel: Fördern durch Fordern - Streiflichter aus dem TFB-NC in Magdeburg
Typ: Artikel
Autor: Mitarbeiter des TFB-NC
Autor (Anmerkung): Mitarbeiter des TFB-NC

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Titel

Fördern durch Fordern - Streiflichter aus dem TFB-NC in Magdeburg

Vortext

Text

Eiskalt ist das Wasser, in dem die jungen Leute stehen, die sich zu Hochsee-Rettungsschwimmern ausbilden lassen. Am ganzen Körper zitternd warten sie sehnsüchtig darauf, dass ihr Trainer endlich den ersehnten Befehl zum Verlassen des Beckens gibt. Doch obwohl der selber friert, lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen: „Noch 2 Minuten, dann versteht ihr, wovon ich im Unterricht rede ...“
Die Ausbildung zum Rettungsschwimmer ist hart. Körperlich und mental geht es an die Gren- zen. Viele geben auf. Die Aufgabe, die auf die jungen Leute wartet, ist gigantisch – es kann um Sekunden gehen. Das Leben gefährdeter Men- schen ist in ihrer Hand. Und nicht nur körperliche Fitness und Fachwissen, sondern vor allem Einsatzbereitschaft, Selbstdisziplin, Teamgeist und Charakterfestigkeit sind notwendig, um ein guter Rettungsschwimmer zu sein. Dieses hohe Ziel rechtfertigt die harte Ausbildung.
Die Parallelen zu unserem geistlichen Leben wurden uns sofort klar, als wir am ersten Abend der TFB-NC den Film über die Ausbildung zum Mitarbeiter der US-Küstenwache gezeigt bekamen. Auch wir haben einen Auftrag, bei dem es um Leben und Tod geht. Auch für unseren Auftrag ist Ausbildung, Training und Ansporn nötig. Um eben das zu bekommen, waren 20 junge Leute vom 28.02.–12.03.2010 auf der Hundisburg bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt zusammen.
Was hier startete, war nicht ein Erlebnisurlaub mit Burgbelagerung, Festbankett und Ritterspielen. Auch keine klassische Freizeit für junge Leute mit viel Sport und Freizeit. Sondern vielmehr die TFB-NC.

TFB – also Teenager-Ferien-Bibelschule – wird manchem schon ein Begriff sein. Aber was heißt NC? Es bedeutet nicht, wie vielleicht zu vermuten wäre, „Numerus Clausus“. Auch nicht „Neuer Club“ oder „Niemals Chillen“ – obwohl das auch nicht unpassend gewesen wäre. NC heißt einfach Next Chapter – nächstes Kapitel – und ist die Weiterführung der Schülerferienbibelschule für Studenten, Azubis und Berufs- anfänger.
Aber was macht man überhaupt auf solch einer Weiterführung? Kniebeugen und Wassertreten? Die zwei Wochen bestanden im Wesentlichen aus vier Schwerpunkten:
1. Bibelunterricht:
Der Bibelunterricht wurde von verschiedenen Brüdern erteilt und diente nicht der bloßen Wissensvermittlung. Vielmehr sollten wir, die wir einer Generation angehören, die gerne viel bekommt, aber wenig investiert, dazu angespornt werden, die Bibel selber zu erforschen. Dazu gab es in allen Vorträgen Anleitung und praktische Hilfe. Bibelstudium ist eben zu 90% Transpiration und nur zu 10% Inspiration ...
Besonders ein Bruder aus Paderborn, der uns die vier Evangelien näher brachte, konnte uns neu für das persönliche Bibelstudium begeistern. Seine randvoll beklebte und beschriebene Bibel, aber vor allem seine Art, uns den Herrn Jesus vor Augen zu malen, hat wohl bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterlassen.
2. Gebet
Jeden Tag gab es nach dem Mittagessen eine Gebetszeit von einer Stunde, in der wir in Kleingruppen für verschiedene Anliegen beteten. Es war für manchen von uns eine ganz neue Erfahrung, so lange und so intensiv zu beten. Vielen von uns wurde diese Stunde im Lauf der zwei Wochen immer wertvoller und wir spürten etwas von der geistlichen Gemeinschaft die entsteht, wenn Kinder Gottes zusammen im Gebet vor ihren Vater treten.
3. Praxis
Praktisch jeder Teilnehmer hatte einmal die Aufgabe, in der nach Geschlechtern getrenn- ten Morgenandacht einen etwa zehnminütigen Gedankenanstoß weiterzugeben. Im Anschluss daran gab es konstruktive Kritik, wie man die eigene Botschaft in Bezug auf Inhalt, Technik und Struktur optimieren könnte. Ebenso ging es bei den Predigten, die fünf der männlichen Teilnehmer an den zwei Sonntagen in der Magdeburger Gemeinde zu halten hatten. Aber es ging nicht nur um Zurüstung für den gemeindlichen Dienst, sondern auch um Evangelisation. Der Grund, warum die TFB-NC ausgerechnet in Magdeburg stattfand, war auch, dass wir Teilnehmer eine klare Sicht für die Notwendigkeit der Mission in Deutschland bekommen sollten (80% der Einwohner Magdeburgs sind konfessionslos!). Daher fuhren wir öfters in die Stadt, führten Umfragen durch, verteilten Büchergutscheine in Briefkästen und veranstalteten drei evangelistische Abende in einer zentral gelegenen Jugendherberge. Die Mitarbeiter übergaben uns fast die komplette Verantwortung für diese drei Veranstaltungen, die zunächst wie ein Berg vor uns standen. Es mussten Einladungs-Flyer entworfen, gedruckt und verteilt werden. Wir brauchten nette Deko für den Raum, ein leckeres Buffet, einige Liedbeiträge und natürlich drei Vorträge. Wie sollten wir das in so kurzer Zeit bewältigen? Leider stellte sich heraus, dass wir sehr
unweise anfingen und wild die verschiedenen Dienste verteilten, anstatt zuerst Gott um Weisheit und Gelingen zu bitten. Und das, obwohl gerade das Gebet an diesem Tag Kernpunkt unseres Studiums zum 1.Timotheusbrief gewe- sen war. Die Mitarbeiter ließen uns gewähren, um uns nachher unser Verhalten vor Augen zu führen. So haben wir alle durch die praktische Durchführung der Abende viel gelernt.
Insgesamt durften wir erfahren, dass Gott nicht große Leute und viel Geld braucht, son- dern demütige Mitarbeiter. Er segnete die Abende und führte erst zwei, dann vier und zuletzt über zehn Menschen zu uns! Darin sahen wir alle die Tatsache bestätigt, dass Gottes Kraft in Schwachheit mächtig wird. Jetzt hoffen und beten wir, dass die Saat aufgehen darf. Was für eine Freude wäre es für die Geschwister vor Ort, wenn ihre „14-jährige (Magde)Burgbelagerung“ erste Siege hervorbringen würde!
4. Persönliche Gespräche
Jeder Mitarbeiter hatte drei oder vier Teilnehmer an der Hand, mit denen er nicht nur die jewei- ligen Andachten und Predigten vorbereitete, sondern auch jeden Morgen Stille Zeit machte. Für uns war das die einmalige Chance, einmal einen Einblick darin zu bekommen, wie reifere und erfahrene Geschwister ihr tägliches „Seelenbrot“ bekommen. Darüber hinaus gab es für jeden Teilnehmer eine Reihe persönlicher Gespräche, in denen wir unseren Betreuer besser kennen lernten und Ratschläge für unseren persönlichen Weg und unsere individuelle Situation bekamen.
Rückblickend können wir nur sagen, dass wir Teilnehmer allesamt sehr gefordert, aber mindestens genauso gefördert worden sind. Obwohl kein „Erlebnis-Urlaub“, haben wir doch viel erlebt. Obwohl kein „Wellness-Urlaub“, haben doch drei ältere Geschwister ausgezeich- net für unser leibliches Wohl gesorgt. Obwohl wenig Zeit für Spiel und Sport blieb, haben wir doch eine intensive Gemeinschaft untereinander erlebt.
„US-Küstenwache in Alaska: Ein Kreuzer ist in Seenot. 20 Meilen von der Küste entfernt, fünf Mann Besatzung. Wir brauchen sofort zwei Schwimmer. Der Helikopter startet in drei Minuten!“
Irgendwann ist die Ausbildung vorbei. Dann wird es ernst für die Rettungsschwimmer. Jetzt müssen sie zeigen, was sie gelernt haben.
Auch der Wert der TFB-NC muss sich beweisen in dem, was wir in unserem persönlichen Leben mit dem Herrn, in unserer Gemeinde und der ungläubigen Welt um uns herum umsetzen. Dass Gott in seiner Gnade weiter mit uns arbeiten möchte, lässt uns gespannt in die Zukunft blicken ...

Nachtext

Die TFB-NC wird – so der Herr will – zweimal im Jahr stattfinden. Der nächste Termin ist vom 4.-18. September 2010 im Freizeithaus Schoppen. Infos und Anmelde-Unterlagen bekommt ihr bei Stephan Weise, stweise@web.de.

Quellenangaben