Zeitschrift-Artikel: "Das gibt's doch garnicht..."

Zeitschrift: 130 (zur Zeitschrift)
Titel: "Das gibt's doch garnicht..."
Typ: Artikel
Autor: Andreas Fett
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1229

Titel

"Das gibt's doch garnicht..."

Vortext

Text

Im Berchtesgadener Land stand eine Teenager- Freizeit an. Ein Mitarbeiter reiste per Bahn etwas verspätet an und bat darum, dass ich ihn am Bahnhof abhole. Es war nicht mal eine viertel Stunde mit dem Auto ...
Kurz nach der Abfahrt sehe ich einen Anhal- ter am Straßenrand stehen. Ich schätze ihn auf Mitte 20 und er trägt einen riesigen Rucksack. So bete ich, dass Gott mir eine Gelegenheit zum Zeugnis schenkt.

„Zum Bahnhof in Berchtesgaden?“

„Ja, das passt. Steig ein!“

Mir ist bewusst, dass sich unsere Lebenswege jetzt nur wenige Minuten überschneiden. Aber hat der Herr ihn nicht „in meine Hand“ gegeben? Daher frage ich ziemlich offensiv: „Sag mal, glaubst Du an Gott?“
Ihm fällt die Kinnlade herunter. Da er mir zuerst nichts antwortet, frage ich nach: „Entschuldigung. Hast du vielleicht eine ‚Gottes- Allergie‘?“
Er schluckt, schaut mich nachdenklich an und erklärt: „Nein. Es ist nur so ... Das wirst du mir jetzt nicht glauben! Ich stand gerade schon über eine Stunde am Straßenrand. Aber keiner wollte mich mitnehmen. Da kam ein älterer Herr zu Fuß vorbei und schenkte mir diese Bibel!“
Dabei zog er ein kleines, braunes Gideon-Testament aus seiner Jackentasche.
Wow! Dann hat es Gott ja heute auf dich abgesehen!“ erwidere ich schmunzelnd.
Wahrscheinlich. Aber es ist ja noch viel unglaublicher! Es war nämlich so: Als der nette Herr mir die Bibel überreicht hatte, blätterte ich ein wenig darin und überlegte, wie lange es her ist, dass ich beim CVJM war. Damals hatte ich noch meinen Kinderglauben. Mittlerweile habe ich Gott jedoch aus den Augen verloren ...
Aber dann dachte ich: Vielleicht ist ja doch was dran und schließlich betete ich: ‚Also Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann schick mir jetzt bitte ein Auto, das mich noch pünktlich zum Bahnhof bringt.‘ Und jetzt schickt er mir nicht nur ein Auto, sondern ausgerechnet eines mit einem Fahrer, der mich direkt fragt: Glaubst Du an Gott? Das gibt's doch gar nicht ...

Als uns die Dimension des „Zufalls“ bewusst wird, stehen uns beiden die Tränen in den Augen. Dann sind wir auch schon am Bahnhof. Mein Mitfahrer bedankt sich herzlich und steigt aus, um seinen Zug nach Bremen nicht zu verpassen. Uns bleibt nicht mal die Zeit, uns näher bekannt zu machen. Aber Hauptsache, er lernt Gott noch näher kennen .

Nachtext

Quellenangaben