Zeitschrift-Artikel: Die Irrlehren des William P. Young - Ein Bestseller-Autor, "Die Hütte" und die Lehre des Universalismus

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Titel: Die Irrlehren des William P. Young - Ein Bestseller-Autor, "Die Hütte" und die Lehre des Universalismus
Typ: Artikel
Autor: Georg Walter
Autor (Anmerkung):

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Titel

Die Irrlehren des William P. Young - Ein Bestseller-Autor, "Die Hütte" und die Lehre des Universalismus

Vortext

Text

Ein Roman provoziert Kontroversen

Von Anfang an war das Buch „Die Hütte“ von William P. Young von Kontroversen begleitet. Namhafte Theologen wie der Präsident der Südlichen Baptisten, Albert Mohler, sowie weitere Theologen und christliche Autoren scheuten sich nicht, von Irrlehre oder gar Blasphemie zu sprechen, nachdem sie den Bestseller gelesen hatten. Dr. Michael Youssef glaubt sogar, dreizehn Irrlehren in dem Buch zu entdecken.1 Und Larry DeBruyn schrieb das Buch „Unshackled – Breaking Away from Seductive Spirituality“, um auf die verführerische Spiritualität des Buches hinzuweisen.

Die Entstehungsgeschichte des Buches
2005 ließ Young 15 Exemplare sei- nes Manuskriptes drucken und verschenkte sie zu Weihnachten an Familie und Freunde. Dies war die Grundlage für das später so erfolgreiche Buch „Die Hütte“. Young dachte nicht weiter an das Weihnachtsgeschenk des Jahres 2005, bis er E-Mails von unbekannten Personen erhielt, die ihm mitteilten, wie wertvoll seine Niederschrift für sie war. Überrascht von den positiven Reaktionen holte er sich bei dem Autor und ehemaligen Pastor Wayne Jacobsen Rat über sein Manuskript ein. Wayne Jacobsen gab es an zwei Freunde weiter: Bobby Downes und Brad Cummings; sie alle waren begeistert.
William P. Young, Wayne Jacobsen und Brad Cummings waren von dem Erfolg des Buches so überzeugt, dass sie einen eigenen Verlag gründeten, und so entstand im Mai 2007 der Verlag Windblown Media mit einem einzigen Buch – „Die Hütte“ („The Shack“). Bereits nach vier Monaten war die erste Auflage vergriffen. Was dann geschah, übertraf die Erwartungen der drei Männer, die sich auf dieses Abenteuer eingelas- sen hatten. In den nächsten drei Monaten sollten weitere 55.000 Exemplare des Buches verkauft werden. Unglaubliche 70 Wochen war das Buch die Nummer 1 in der Bestsellerliste der New York Times und hielt sich bis 2010 unter den Top Ten der amerikanischen Bestseller. Am 12. Juni 2009 erschien das Buch im esoterischen Allegria Verlag in Deutschland.
Neben einer Reihe von Kritikpunkten hatten Theologen dem Autor William P. Young vorgeworfen, ein Vertreter der Lehre des Universalismus zu sein – jener Lehre, die besagt, dass alle Menschen errettet werden und keine ewige Verdammnis oder Hölle existiert. Wayne Jacob- sen, einer der Mitautoren des Buches, verfasste eigens eine Verteidigungsschrift, in welcher er betonte, dass der Roman „Die Hütte“ weder Universalismus noch andere unbiblische Lehren vertrete. Obgleich der Hauptautor und die Mitautoren des Buches „Die Hütte“ diesen Vorwurf beharrlich dementierten, wirft ein soeben neu erschienenes Buch neues Licht auf den Bestseller.

Die Hütte in einem neuen Licht
Mit der Neuerscheinung des Buches „Burning Down The Shack“ im Juni 2010 – geschrieben vom US-amerikanischen Theologen James B. De Young, Professor für Neutestamentliche Sprachen und Literatur am Western Seminary, Port- land – werden neue, bisher unveröffentlichte Fakten zugänglich. James B. De Young kennt den Bestsellerautor William P. Young persönlich und arbeitete sogar viele Jahre mit ihm zusammen. Im Vorwort seines Buches schreibt James B. De Young bezüglich der Angriffe auf William P. Youngs Bestseller: „Weil ich den Autor persönlich kenne, werde ich neues Licht auf diese Fragen werfen.“2
James B. De Young weist darauf hin, dass William P. Youngs Buch „Die Hütte“ teilweise biographische Züge trägt, was der Bestsellerautor selbst stets offen einräumte. „Aber anders als Mack in dem Roman [Die Hütte] hat er [William P. Young] die lehrmäßigen Abweichungen seiner ‚Pilgerreise‘ nie offenbart. Aus meiner Sicht bin ich überzeugt, dass sich das wichtigste Ereignis von William P. Youngs ‚Hütten-Erlebnis‘ ereignete, als er die Lehre der universellen Ver- söhnung annahm. Es ist diese Lehre, die sein Leben und seinen Glauben veränderte ... und das bildet das entscheidende Fundament seines Romans.“3
Sowohl James B. De Young als auch William P. Young wohnten mehr als zehn Jahre nahe Portland, Oregon, weniger als 10 Kilometer von der Stadt entfernt. Ihre Kinder besuchten sogar die gleiche christliche Schule, und das eine oder andere Mal verbrachten die beiden Familien sogar ihre Freizeit miteinander. Dennoch besuchte William P. Young nie die Gemeinde von James B. De Young – „er [William P. Young] machte seine eigene Gemeinde, was sich in den anti-institutionellen Äußerungen in dem Buch „Die Hütte“ wiederspiegelt.“4
James B. De Young und William P. Young gründeten im Jahre 1997 sogar gemeinsam einen christlichen Think Tank, der sich in Anlehnung an das 3. Millennium „M3 Forum“ nannte. Während der Schulzeit trafen sich monatlich etwa ein Dutzend Interessierter, um christliche Fra- gen und Lehren in einer offenen Atmosphäre zu diskutieren. „Die Bibel war unsere höchste Autorität, und Liebe war für uns die bestimmende Ethik,“ so James B. De Young.5 Nahezu sieben Jahre fuhren die beiden Männer gemeinsam zu fast allen Treffen des M3 Forums.

Eine außerordentliche Kehrtwendung
Im April des Jahres 2004 kam es zu einer überraschenden Wende: „Paul [William P. Young] eröffnete uns überraschenderweise, dass er die Lehre der universellen Erlösung angenommen hatte und legte uns eine 103 Seiten umfassende Ausarbeitung vor.“6 William P. Young war zu der Überzeugung gekommen, dass alle Menschen vor oder nach ihrem Leben vor Jesus Christus erscheinen müssen. Alle Menschen, die Jesus zu ihren Lebzeiten nicht kannten, müssen seiner Ansicht nach durch Gottes Feuer gereinigt (nicht bestraft) werden, um alle Sünden zu tilgen. Auch die gefallenen Engel, die Dämonen, würden durch diesen Reinigungsprozess gehen müssen – und schließlich werde die Hölle leer sein und aufhören zu existieren. Ein ewiges Gericht oder eine ewige Verdammnis gibt es laut dieser Lehre folglich nicht.
Von da an schieden sich die Wege der beiden Männer. Für James B. De Young ging es um nicht weniger als eine zentrale Lehre der Bibel, die er nicht bereit war preiszugeben. William P. Young hingegen bezeugte, wie sehr die Lehre der uni- versellen Erlösung sein Leben verändert habe und ihn zu einer Person voller „Liebe für Gott und die Menschen“ machte. „Er sagte, dass die Lehre des Universalismus seine gesamte Leben- sperspektive und seinen Glauben in Bezug auf Gott, die Gemeinde, Evangelisation, Eschatolo- gie (Lehre der Endzeit) und andere Dinge veränderte. Offen bekannte er sich dazu, dass er sein ‚evangelikales Paradigma‘ vergangener Zeiten hinter sich gelassen hatte.“7
James B. De Young wollte die neue Lehre von William P. Young nicht unwidersprochen stehen lassen und bereitete eine schriftliche Widerlegung für das nächste Treffen des M3 Forums im Mai 2004 vor. James B. De Young lag es fern, William P. Young als Person anzugreifen – sondern er argumentierte mit Fakten: Die Kirchengeschichte belegt, dass die Lehre des Universalismus im 6. Jahrhundert nach Christus als Häresie verworfen wurde. Doch weder theologische und kirchengeschichtliche, noch logi- sche Argumente überzeugten William P. Young. Trotz mehrerer Telefonanrufe, in denen James B. De Young versuchte, William P. Young zu bewe- gen, wieder an den Treffen des M3 Forums teil- zunehmen und mit ihm im Gespräch zu bleiben, blieben erfolglos. William P. Young brach den Kontakt zunächst vollständig ab.
Im Jahre 2008 lud James B. De Young sei- nen Pastor, einige Mitglieder des M3 Forums sowie William P. Young zu sich nach Hause ein, um erneut über die Lehre des Universalismus im Besonderen und andere Irr- oder Sonderlehren des Buches „Die Hütte“ zu diskutieren. William P. Young folgte der Einladung, doch die Debatte brachte keine Klärung der anstehenden Fragen und Probleme. James B. De Young erläutert:
„Die Hauptpunkte dieser Diskussion waren folgende: Der Autor des Buches „Die Hütte“ nahm die Lehre der Allversöhnung vor April 2004 an und schrieb sein Manuskript, um diese Lehre zu verteidigen. Er schrieb seinen Roman aus dem Gesichtspunkt der Allversöhnung. Das Autorenteam aus vier Personen [W. P. Young, W. Jacobsen, B. Downes, B. Cummings] korrigierte den Roman, um die Lehre des Universalismus zu entfernen. Nach der Veröffentlichung des Buches „Die Hütte“ im Jahre 2007 stellte William P. Young klar, dass er an die Allversöhnung glaube und nicht an einen allgemeinen Universalismus. Kürzlich, im Jahre 2008, sagte er, dass er sich von dieser Position entfernte und sich nicht auf eine Lehre festlegen will, und dass er eine Person in Bewegung sei ...“8
James B. De Young kommt zu dem Schluss, dass es bedeutungslos ist, was William P. Young derzeit wirklich glaubt oder welche Lehre er vertritt. Für ihn entscheidend ist der Inhalt des Buches „Die Hütte“, welches die Lehre des Uni- versalismus (Allversöhnung) beinhaltet und auch in Bezug auf andere Glaubensinhalte unbiblisch und liberal ist. James B. De Young entschloss sich, ein Buch über die Irrtümer des Romans „Die Hütte“ zu schreiben, aber auch die biblischen Wahrheiten darzulegen, wo der Bestseller von der gesunden, biblischen Lehre abweicht. Über- dies hat James B. De Young eine große Liebe für die christliche Gemeinde vor Ort und schreibt aus dem Motiv, Menschen für eine verbindliche und biblische Gemeinschaft zu gewinnen.
James B. De Youngs Buch „Burning Down The Shack“ ist die aktuellste Veröffentlichung über den kontroversen Bestseller „Die Hütte“. Das Buch untersucht die unbiblischen Lehren, geht auf die Thesen William P. Youngs aus dem Jahre 2004 sowie seine aktuellsten Äußerun- gen ein und führt im Anhang drei Bekenntnisse des Universalismus (Allversöhnung) an. Ferner behandelt der Autor die Rolle des Heiligen Geis- tes, Gott als Richter, die Lehre der Hölle, Verge- bung und Erwählung, das Wesen Gottes und die Wichtigkeit der Ortsgemeinde. Er geht bedacht vor – fair und in Liebe und Wahrheit – als jemand, der sich seinem Erlöser und Herrn Jesus Christus und seiner Wahrheit verpflichtet fühlt.

Nachtext

Anmerkungen
1  Michael Youssef, Thirteen Heresies in The Shack. http://www.leadingtheway.org/site/PageServer?pagename=sto_TheShack_13heresies
2  James B. De Young, Burning Down The Shack, WND Books, Washington, 2010, S.XI.
3    Ebd., S.XII.
4    Ebd.
5    Ebd., S.XIII.
6    Ebd.
7    Ebd., S.XV.
8    Ebd. S.XX.

Quellenangaben