Zeitschrift-Artikel: John Lennox - Hat die Wissenschaft Gott begraben?

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Titel: John Lennox - Hat die Wissenschaft Gott begraben?
Typ: Buchbesprechung
Autor: Christoph Grunwald
Autor (Anmerkung):

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Titel

John Lennox - Hat die Wissenschaft Gott begraben?

Vortext

Text

Man könnte meinen, das Thema Wissenschaft contra Glaube wäre literarisch ausreichend abgedeckt – John Lennox (Mathematik-Professor an der Universität Oxford) war offensichtlich anderer Meinung. Zum Glück – muss
man nach der Lektüre dieses Buches sagen. Eines vorneweg: Dieses Buch ist nicht (wie einige andere)
eine Messlatte für die Ausdauer- und Leidensbereitschaft des Lesers. Es ist schlicht begeisternd, packend, spannend. Sprachlich ist dieses Buch ein absolutes „Bonbon“ – niveauvoll, kompetent, präzise. Lennox ist charmant, wortgewandt und nicht zuletzt wohltuend humorvoll. Er besticht durch simple, aber scharfsinnige Logik und führt seine Opponenten mit zuweilen spitzer Feder in unausweichliche logische Dilemmas, um Irrtümer und Fehlschlüsse schonungslos aufzudecken. Die Fülle der Zitate von führenden Wissenschaftlern, die tiefen Einblicke in verschiedenste Fachgebiete und das hohe Niveau, das Lennox an keiner Stelle verlässt, sind (zumindest für den Laien) einfach beeindruckend.
Der Titel des Buches kann möglicherweise in die Irre führen. Lennox behandelt im Wesentlichen die Frage: „Kann die Wissenschaft Gott begraben?“ Oder gibt es Erkenntnisse, die sich eben schlussendlich nicht ohne Gott erklären lassen? Es ist im Wesentlichen eine Antwort auf die Argumentationen der „Neuen Atheisten“ (insbesondere Richard Dawkins „Der Gotteswahn“).
Lennox beginnt bei den Grenzen der Wissenschaft und wirft im Weiteren verschiedene Probleme auf, welche die Wis- senschaft nicht ohne weiteres befriedigend beantworten kann, wie z.B. die offensichtliche Ordnung des Universums, die Fragen nach dem Ursprung des Lebens usw. Ein großer Teil ist dem Bereich der DNA gewidmet – ihre Komplexität, ihr enormer Informationsgehalt, der Ursprung der Information, etc.
Es liegt in der Natur der Sache, dass das Buch stellenweise nicht leicht zu verstehen ist und sich ein gewisses Maß an na- turwissenschaftlicher Vorbildung als entsprechend hilfreich erweist. Trotzdem ist das Buch nicht kompliziert geschrieben – in weiten Teilen schafft es Lennox, selbst schwierige Themen dem Laien verständlich nahe zu bringen.
Mit dieser lesenswerten Veröffentlichung leistet Lennox einen wertvollen Beitrag zur aktuellen Diskussion, insbesondere in dem besonderen Bezug zum Neuen Atheismus. Schade nur, dass das Buch nach 12 Kapiteln schon zu Ende ist ...
(Zum gleichen Thema veröffentlichte der CLV vor kurzem drei empfehlenswerte Vorträge von Lennox, die den neuen Atheismus etwas detaillierter behandeln).

Nachtext

Quellenangaben

SCM Hänssler, Hardcover, 327 S, 16,95€