Zeitschrift-Artikel: Michael Kotsch - Die Charismatische Bewegung (Teil 2) (Praxis

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Titel: Michael Kotsch - Die Charismatische Bewegung (Teil 2) (Praxis
Typ: Buchbesprechung
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Michael Kotsch - Die Charismatische Bewegung (Teil 2) (Praxis

Vortext

Text

In dieser sachlichen, fairen, sehr gut dokumentierten Arbeit stellt der Autor den Frömmigkeitsstil sowie die in dieser Bewegung besonders betonten Geistesgaben, Sonderlehren und Irrlehren vor. Der Autor zitiert viele Beispiele aus der Vergangenheit und Gegenwart und beurteilt jeweils die Praktiken und Lehren anhand der Bibel und macht deutlich, wo in der Charismatischen Bewegung die Bibel falsch verstanden, verdreht oder sogar missachtet wird. Falsche, nicht eingetroffene Prophezeiungen von bekannten Charismatikern wie Oral Roberts, Benny Hinn, Pat Robertson, Walter Heidenreich, Reinhard Bonnke usw. werden aufgelistet und beurteilt, wobei der Autor sich nicht scheut, gewisse „Propheten“ als Betrüger und Lügner zu beurteilen. Hilfreich ist auch die Charakterisierung der charismatischen Frömmigkeit, die oft aus Defiziten „nichtcharismatischer“ Christen oder Gemeinden entsteht. Sie präsentiert sich aber oft peinlich niveaulos und verstandesfeindlich, weil nicht mehr Gottes Wort und Gottesfurcht, sondern eine Erlebnisfrömmigkeit gesucht wird, die mit einem vom Wort Gottes geprägten Glaubensleben wenig oder nichts zu tun hat. Obwohl Michael Kotsch die Gefahren, Abirrungen und Verirrungen messerscharf erkennt und benennt und auch vor dem Besuch charismatischer Veranstaltungen deutlich warnt und das Spaltungspotential dieser Bewegung darstellt, hält er erstaunlicher Weise in einzelnen Fällen „eine begrenzte, projektbezogene Arbeit“ als für „durchaus sinnvoll“ (S. 176). Auch die Bemerkung: „Der Idealfall wäre eine bereichernde Zusammenarbeit charismatisch orientierter und anderer Christen in der  Gemeinde. In der Realität ist das leider jedoch nur selten möglich“ (S. 176), steht im Widerspruch zu seinen sonstigen nüchternen Beobachtungen und Analysen. Hoffentlich werden diese etwas blauäugigen und realitätsfremden Empfehlungen nicht dazu führen, dass die ernsten Warnungen dieser wertvollen und aufklärenden Arbeit relativiert werden und ihre Ziele verfehlen. Trotz dieser Einschränkungen kann man nur hoffen, dass diese ansonsten sehr preisgünstige
und hilfreiche Arbeit eine weite Verbreitung findet und vor allem von jungen Christen aufmerksam gelesen und mit der Bibel verglichen wird.

Nachtext

Quellenangaben

Lichtzeichen, geh., 182 S., € 4,90