Zeitschrift-Artikel: Anthony Norris Groves

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Titel: Anthony Norris Groves
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Anthony Norris Groves

Vortext

Text

"Das christliche Motto sollte sein: Arbeite hart, verbrauche wenig, gib viel und gib alles für Christus!"

Das sind Worte eines Mannes, von dem ein Hi­storiker (Neatby) schreibt:

"Groves schlichter Glaube, die Tiefe seiner Demut, die Energie und Reinheit seines Eifers, die Entschiedenheit und Größe seines Charak­ters haben einen bleibenden Platz in der Ge­schichte der Kirche Gottes."

A.N. Groves wurde 1795 in Newton, Hants, geboren. Schon als Junge war er der Meinung, daß jeder überzeugte Christ eigentlich ein Mis­sionar sein sollte. Nachdem er zum Glauben an den Herrn Jesus gekommen war, fühlte er den dringenden Wunsch, mit seiner ganzen Zeit dem Herrn als Missionar zu dienen. Seine blü­hende Praxis, die er bereits als 21jähriger Zahnarzt in Exeter besaß, sollte ihm dabei kein Hinderungsgrund sein. Doch seine junge Frau, die erst vor kurzer Zeit zum Glauben gekommen war, konnte sich für die Missions­pläne ihres Mannes nicht begeistern und wies jeden Gedanken daran zurück, so daß Groves von nun an schwieg und sein Anliegen Gott übergab.

In der Zwischenzeit wurde dem Ehepaar durch das Bibelstudium klar, daß sie einen Teil ihres Einkommens an Arme abgeben sollten. Zunächst waren es 10%, später 25% ihres Einkommens und schließlich wurde ihnen deutlich, daß ihr ganzer Besitz und auch ihr Leben dem Herrn zur Verfügung stehen sollte, so daß sie ihren Lebensstandard drastisch einschränkten und kein Geld mehr sparten, um mehr für das Werk des Herrn geben zu können.

Etwa im Jahr 1825 wurde auch Mary Groves bei ihren Verteilaktionen unter den Armen frei, ihrem Mann zu folgen, wenn Gott ihn in die Missionsarbeit rufen würde.

Da es damals üblich war, in Verbindung mit einer Missionsgesellschaft auszureisen, begann Groves 1826 in Dublin mit dem Studium der Theologie, um die kirchliche Ordination zu bekommen. Während der Quartalsexamina lo­gierte er zeitweise bei J.G. Bellett und lernte in seinem Haus auch J.N. Darby kennen, der sich damals als junger Geistlicher der Anglika­nischen Kirche in Dublin von einem Unfall er­holte. Im Hause Bellen wurde eifrig die Bibel studiert und 1827 äußerte Groves Bellett ge­genüber die damals revolutionäre Meinung, daß es schriftgemäß wäre, jeden Sonntag Brot zu brechen.

Inzwischen bekam Groves auch Zweifel, ob es im Sinne des Herrn sei, für einen missionari­schen Dienst die kirchliche Ordination anzu­streben. Zwei Tage vor der Ordination erledigte sich die Frage von selbst, indem ein Einbrecher das Geld stahl, das Groves sich für die Reise zum Ort der Ordination zurückgelegt hatte.

Groves verzichtete nun auf jede Unterstützung von Kirche und Missionsgesellschaft und verab­schiedete sich 1828 von seinen Freunden in Dublin mit 'den Worten:

"Ich zweifle nicht daran, daß dies die Gedanken Gottes in Bezug auf uns sind: Wir sollten in aller Schlichtheit als Jünger Jesu zusammen­kommen, nicht auf Kanzel oder Predigt warten, sondern darauf vertrauen, daß der Herr uns miteinander erbauen wird, indem Er aus unse­rer Mitte heraus dienen läßt, wie es Ihm ge­fällt und wie Er es für gut hält."

Wenige Monate später reiste Graves mit seiner Familie nach Bagdad, um dort für den Herrn zu arbeiten. Zunächst widmete er sich dem Sprachstudium, behandelte aber auch Kranke, um Kontakt mit der Bevölkerung zu bekommen und gründete eine Schule. Doch schon im zweiten Jahr seines Dienstes wütete eine furchtbare Pest unter der Bevölkerung, so daß eine unvorstellbare Not herrschte und an man­chen Tagen zweitausend Menschen starben. Dazu kam noch eine riesige Überschwemmung, so daß Groves damals schrieb:

"Wir sind von der verheerendsten Pest und ver­nichtendsten Flut umgeben, es spielen sich Elendsszenen vor unseren Augen ab, die unsere Gefühle martern und für die wir keine Hilfe bringen können. Doch gerade auf diesem Schauplatz hat uns der Herr in Seiner unend­lichen Gnade persönlich in Ruhe und Frieden erhalten, wir haben Zuflucht unter dem Schot­ten Seiner allmächtigen Flügel . . .".

Schließlich erkrankte Mary Groves an der Pest. Angesichts ihres Todes äußerte sie:

"Ich wundere mich über die Führungen des Herrn, aber nicht mehr als über den Frieden, den ich in diesen Umständen haben darf."

Der hartgeprüfte Ehemann mußte im Mai 1831 seine geliebte Frau begraben und kurze Zeit später folgte auch das jüngste Kind, ein Mädchen. Auch Groves seihst wurde von der Pest angesteckt und rechnete mit seinem Heimgang. Doch er genas und durfte erleben, daß im folgenden Sommer einige langerwartete Freunde aus England, Dr. Cronin mit Mutter und Tochter, John Parnell und F.W. Newman, eintrafen. Es folgte eine gesegnete Zeit der gemeinsamen Arbeit. Sie teilten allen Besitz und nahmen sich an freien Tagen viel Zeit zum Fasten, intensiven Bibelstudium und Gebet.

Zwei Jahre später zog Graves mit seinen Söh­nen und einigen Brüdern nach Bombay, um bis an sein Lebensende in Indien das Evangelium zu verkündigen und die Gläubigen zu erbauen.

Über seine Ziele und Methoden schrieb er:

"Unsere häusliche Einrichtung soll ganz einfach und ganz billig sein, unser Arbeiten ganz nach dem Evanglium. Unsere große Aufgabe wird es sein, die üblen Schranken niederzureißen, die der Hochmut zwischen Eingeborenen und Euro päern errichtet hat. Zu dem Zweck ist es wünschenswert, daß jeder Evangelist, wohin er auch gehen mag, zwei bis sechs eingeborene Bibelschüler mitnimmt, mit denen er auf sei­nen Reisen zusammen ißt, trinkt und schläft, denen er, wenn er sitzt oder aufsteht, vom Reich Gottes spricht. So können sie in kurzer Zeit zum Dienst vorbereitet werden, in der Weise, wie unser geliebter Meister Seine Jün­ger zugerüstet hat, Schritt für Schritt, Regel um Regel, hier ein wenig und dort ein wenig, wie sie es fassen können. Und sie müssen vom Anfang bis zum Schluß fühlen, daß es nicht unsere Art ist, andere an eine Arbeit zu stel­len, die wir selbst nicht verrichten, oder sie nach Grundsätzen handeln zu lassen, die wir selbst nicht einhalten, sondern daß wir lieber Vorbilder sind für alles, was wir bei unseren geliebten Brüdern sehen möchten.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß ich in Indien eine Gemeinde heranwachsen sehe, die ein kleines Heiligtum in den trüben und dunklen Tagen darstellt, welche über die Christen kommen."

1835 heiratete Groves während eines England­aufenthaltes ein zweites Mal und reiste - nachdem er mit seinem Freund und Schwager Georg Müller aus Bristol auch Deutschland be­sucht hatte - wieder nach Indien zurück. Dort ließ er sich zunächst in Madras nieder. Er hatte den Eindruck, daß es unter den damali­gen Umständen für das Zeugnis der Christen besser wäre, dem Vorbild des Apostel Paulus zu folgen und für den eigenen Lebensunterhalt zu arbeiten. So nahm er dort seine Tätigkeit als Zahnarzt wieder auf, um in der übrigen Zeit das Evangelium zu verkündigen und die entstandenen Gemeinden zu besuchen.

Später befaßte er sich auch mit Seidenraupenzucht und Zuckerrohranbau, um den Eingeborenen Arbeitsmöglichkeiten zu bieten und dieje­nigen, die im Werk des Herrn arbeiteten, un­terstützen zu können. In diesen Jahren wuchs eine große Schar eingeborener Christen heran, die als Evangelisten in die verschiedenen Ge­biete Indiens reisten, um dort nach biblischen Grundsätzen, im Vertrauen auf Gottes Verhei­ßungen und ohne menschliche Absicherungen zu arbeiten und vielen Indern ein Wegweiser zu Christus waren.

Während eines Englandaufenthaltes, 1853, er­krankte Groves und ging am 20.5. im Hause seines Freundes und Schwagers - Georg Müller - in Bristol, unter Schmerzen, aber in tiefem Frieden heim. Seine letzten Worte drücken treffend den Inhalt seines Lebens und Dienstes aus: "Kostbarer Jesus!"

Im Jahr 1829, wenige Monate vor seiner Aus­reise nach Bagdad, schrieb Groves ein kleines Buch "Christian Devotedness" (im Deutschen jetzt unter dem Titel "Seid nicht besorgt ..." erschienen). Nach den Grundsätzen, die er in Gottes Wort gefunden hat und die er in diesem Buch weitergibt, hat er selbst gelebt und damit wertvolle Glaubenserfahrungen gemacht.

Als im Jahr 1827 sein Schwiegervater starb und seine Frau einen großen Geldbetrag erbte, schrieb Groves einem Freund:

"Der Tod meines Schwiegervaters vor etwa drei Wochen hat unseren Weg in mancher Hinsicht sehr erleichtert. Er hat aber auch etwas von jenem tödlichen Verderber des menschlichen Herzens, dem Geld, in unseren Weg gelegt, unter Umständen, die nicht in unserer Hand liegen. Bete für uns, damit wir mit jedem Heller dieses Geldes Ihn verherrlichen können."

Diese Haltung des damals noch relativ jungen Mannes zeigt etwas von dem Vertrauen, das er zu seinem Herrn hatte und von dem Wunsch, allein von Ihm abhängig, korrigier- und lenkbar zu sein.

Diese Glaubenshaltung und auch die genannte Schrift waren damals für den jungen Georg Müller, dem späteren Waisenvater von Bristol, der Anstoß und die Herausforderung, seine große Lebensaufgabe allein im Vertrauen auf Gottes Verheißungen zu beginnen. Viele Chri­sten sind damals durch das Vorbild und die Schriften Groves ermuntert worden, dem Wort Gottes als alleiniger Richtschnur für das Ge­meindeleben und den Verheißungen Gottes als einziger Absicherung für ihren Missionsdienst zu vertrauen.

Gott gebe, daß die Glaubenserfahrungen dieses Mannes, den ein Biograph "Pionier und Heili­ger" nannte, auch uns anspornen, vertrauensvoll die Hand unseres Vaters im Himmel zu ergrei­fen und Ihm Gelegenheit zu geben, uns in der Nachfolge Jesu Glaubenserfahrungen machen zu lassen.

Nachtext

Quellenangaben