Zeitschrift-Artikel: Parallelen zwischen New Age und charismatischer Bewegung

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Titel: Parallelen zwischen New Age und charismatischer Bewegung
Typ: Artikel
Autor: Alexander Seibel
Autor (Anmerkung):

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Titel

Parallelen zwischen New Age und charismatischer Bewegung

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Text

Ist zwischen zwei so scheinbar grundverschie­denen Strömungen überhaupt eine geistliche Verwandtschaft gegeben? Kann man hier tat­sächlich Parallelen aufzeigen? Das sind berech­tigte Fragen.

Es soll nun anhand einiger Beispiele gezeigt werden, wie hier doch zum Teil verblüffende Ähnlichkeiten vorhanden sind. Das bezieht sich nicht nur auf die parallele Betonung von an­geblich gewaltigen Ausgießungen des Geistes. Während von christlicher Seite die Prophetie von Joel zur Erklärung nun vermehrt auftre­tender übernatürlicher Befähigungen bei Gläu­bigen herangezogen wird, berufen sich die New Age-Jünger auf die sogenannte Geistesausgie­ßung des Wassermanns. Diese bewirke angeblich eine Bewußtseins-Erweiterung, welche die Menschen mit besonderen esoterischen Kräften und Gaben ausrüste. Auffallend ist hier auch, wie sehr beide Richtungen die Heilung beto­nen.


Ähnliche Techniken für den Empfang »göttlicher Kräfte«

Eine Geistesverwandtschaft ist auch bei den Techniken für den erstrebten Empfang dieser angeblich göttlichen Kräfte erkennbar. Dabei werden hier die Methoden der Anhänger der New Age-Bewegung - beispielsweise die Her­stellung eines Zustandes der Passivität bzw. gedanklicher Leere - als zum Teil bekannt vorausgesetzt.

Auf gleicher Ebene wie die Vorschläge der Befürworter des "Neuen Zeitalters" ist die Anleitung des Pfingstpredigers Dornfeld, wenn er als Anweisung zum Empfang des Heiligen Geistes folgendes empfiehlt: "Drittens: Nun atme ein und aus - deinen Mund weit offen -, so tief wie du kannst. Tue das so lange, bis du die Gegenwart Gottes spürst" (A.G. Dornfeld "Habt ihr den Heiligen Geist empfangen?", Leuchter-Verlag 1970, S. 92).

Don Basham, einer der Hauptlehrer von "Jugend mit einer Mission", empfiehlt in einem Seminar
zum Empfang der Zungenrede und der Geistestaufe folgendes: "Alles fertig. Das ist der erste Schritt: 'Atme ein' den Heiligen Geist und glaube, daß er in dich gekommen ist . . Nachdem ich das Gebet für euch gebetet habe und ihr den Mund geöffnet habt und den Heiligen Geist 'einatmet', werde ich euch sa­gen, daß du es 'herauskommen lassen' sollst" (zitiert aus einer unveröffentlichten Tonbandabschrift von einem Seminar, gehalten von Don Basham zum Empfang der Geistestaufe).


Ähnliche Wirkungen

Gott wird zu einer unpersönlichen Kraft, die man durch Atem- oder Meditationstechniken in sich aufnimmt. Diese Kraft wird oft genug körperlich in Form von Energie wahrgenom­men., Manche hatten den Eindruck, als wären sie an eine elektrische Kraftquelle angeschlos­sen. Oft wird auch berichtet, wie eine Wär­meempfindung den Körper durchströmt.

Von daher überrascht es nicht, daß die New Age-Bewegung auf die charismatischen Phä­nomene aufmerksam wird. Beispielsweise bringt die Zeitschrift "Das Neue Zeitalter" (Nr. 8/87) unter der Überschrift "Wunderheilung vor dem Altar" einen begeisterten Bericht über Pastor Kopfermanns Heilungsgottesdienste in Hamburg.

Theodore Roszak, ein weltlicher Fachmann und Vertreter der New Age-Bewegung, zählt in seinem Buch "Das unvollendete Tier" auf, was seiner Meinung nach zu dieser Strömung hinzu­zurechnen ist. Dort heißt es u.a.: "Neuer Pfingstglaube (Jesus-Sekten und Kommunen)" und "Charismatische Gemeinden innerhalb der Großkirchen" (Sachbuch rororo, Reinbek 1985, S. 42).


Ähnliche Theorien und Erfahrungen

Eine ganze Menge New Age-Denken findet man bei Agnes Sanford, Yonggi Cho, Morton Kelsey,
Wilhard Becker, Walter Hollenweger und Ulrich Schaffer (vgl. Dave Hunt, "Die Verführung der Christenheit", CLV Bielefeld 1987, und Horst Afflerbach "Die sanfte Umdeutung des Evange­liums", Brockhaus Verlag 1987).

Noch deutlicher stellen Bach und Molter als New Age-Kritiker folgendes fest: "Wer heute Probleme hat, die er allein nicht mehr bewäl­tigen kann, geht nicht mehr zum Pfarrer, son­dern zum Psychologen oder in eine der vielen Formen von Selbsterfahrungsgruppen. Gegen­wärtig tritt sogar eine neue Dimension ver­stärkt in den Vordergrund: Yoga, Zen-Medita­tion, Pfingst- oder charismatische Bewegung, Okkultismus, Spiritismus, Übersinnliches, Astro­logie oder Seelenwanderung (Hans-Jürgen Rup­pert "New Age-Endzeit oder Wendezeit?", co­print, S. 159).

Natürlich werden die Charismatiker von den New Age-Leuten vereinnahmt. Wenn auch nicht jeder Anhänger der pfingstlichen oder neo-pfingstlichen Strömung die Exzesse aus den eigenen Reihen bejaht, sind trotzdem die Phänomene auffallend ähnlich.

So schreibt beispielsweise Arnold Haflinger, durch den die Charismatische Bewegung nach Deutsch­land kam, in einem Artikel unter dem Thema "Geistgewirkte Krankenheilung in der Bibel und heute" u. a. folgendes: "Die Gabe der 'Heilung', die in uns liegt, muß erlernt und weiter entwickelt werden, ebenso wie auch andere Gaben erlernt und trainiert werden müssen" ("Erneuerung in Kirche und Gesellschaft", Heft 30, I. Quartal 1987, S. 7). Dies aber erinnert als verblüffende Parallele an das "Bewußtseins-Erweiterungs-Programm" der New Age-Jünger, wo man ebenfalls lehrt, daß die Gaben und Kräfte (auch die übernatürlichen) in ei­nem selbst schlummern und nun entfaltet werden sollen.

Ein Name, der in letzter Zeit immer mehr Beachtung findet, ist John Wimber. Über sei­nen Werdegang kann man folgendes in einer englischen Zeitschrift nachlesen: "Bevor er soweit war, ihre Ansichten zu teilen (seine Frau hatte sich vor ihm der charismatischen Strömung geöffnet, Anm.), wollte seine Frau wissen, ob er die Gabe der Heilung habe. Eines Nachts, während er schlief, nahm sie seine Hand, legte sie auf ihre rheumatische Schulter und betete, 'Ok, Herr, nun tue es!' Eine Woge von Hitze strömte plötzlich in ihre Schulter und John Wimber wachte auf, seine eigene Hand heiß und pulsierend" ("Sword & Trowel", No 1/1987, S. 19).

Solche Vorgänge erinnern an den medialen Be­rührungskontakt bzw. Sympathiezauber. Die Per­sönlichkeit Wimbers bzw. sein Wille ist zwei­felsfrei umgangen, er ist als Schlafender buch­stäblich Medium einer Geisteskraft, die ihn wie einen Kanal benützt und durchströmt. Geistliche Wahrheiten aber werden bekanntlich über den Verstand und nicht über das Gefühl vermittelt. Wer Gottes Wort hört und versteht, der bringt viel Frucht (Matth. 13,23). Umgehen oder Ausschalten des Verstandes aber bedeutet das Nichtbeachten der Persönlichkeit bzw. des Wil­lens des Menschen. Dies aber ist dem Heiligen Geist fremd.

Auch ist dieses Hitzeempfinden eine altbe­kannte Begleiterscheinung von Geistheilern bzw. Geistheilungen. Auch die New Age-Anhänger wissen von diesen Phänomenen und sehen darin ein positives Wirken der kosmischen Kräfte. So ist es leider keine Übertreibung, gerade mit Blick auf viele Schlüsselleute dieser Bewegung, wenn man diese schwarmgeistigen Strömungen als eine christlich verbrämte Form der New Age-Bewegung bezeichnet.

Das gipfelt sogar darin, daß die Theosophen -deren Begründerin Madame Blavatsky fast als geistige Mutter der heutigen New Age-Bewe­gung bezeichnet werden kann - in einer Beur­teilung der charismatischen Bewegung sich höchst lobend dazu äußern: "Die Gebetshal­tung, die Gnade und Wunder produziert, war und ist noch immer . . . Magie - ob bewußt oder unbewußt . . . Meine Erfahrung ist, daß die gegenwärtige Charismatische Erneuerungs­bewegung ein Schritt seitens der christlichen Gemeinschaft zu den Idealen ist, wie sie He­lena P. Blavatsky aufgezeigt hat. Zugegeben, sie setzen einen persönlichen Gott voraus, aber auch dies ist auf einen Heiligen Geist ausge­dehnt, der auch als unpersönlich betrachtet werden kann" (Wallace Slater "The Power of Prayer: Recent Trends", The Theosophist, Sept. 1980, 5. 561).

Nachtext

Quellenangaben