Zeitschrift-Artikel: Der Christ und die Schulden

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Titel: Der Christ und die Schulden
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Der Christ und die Schulden

Vortext

Text

Manche traurige Erfahrung, die ich in den letzten Jahren mit jungen und älteren Christen gemacht habe, drängt mich, zu diesem Thema etwas zu schreiben. Ich möchte mit der Hilfe des Herrn vor diesem Morast, in den man sehr schnell hineingerät, aber sehr schwer - wenn überhaupt - wieder herauskommt, ein Warn­schild aufstellen.

Vielleicht beurteile ich dieses Übel etwas ein­seitig, und wahrscheinlich stoße ich bei denen auf Widerstand, die stets argumentieren: "Wer keine Schulden macht, kann auch nicht reich werden!"

Leider ist das Schuldenmachen auch unter Christen so selbstverständlich geworden, daß man über das folgende Zitat Spurgeons wahr­scheinlich nur verständnislos den Kopf schütteln wird:

"Die Bibel sagt: Seid niemand etwas schuldig, was nicht heißt: Bezahlt eure Schulden, son­dern: Habt keine zu bezahlen; und meine Mei­nung ist, daß diejenigen, die vorsätzlich dieses Gebot übertreten, Hals über Kopf aus der Gemeinde hinausgeworfen werden sollten" (1).

Spurgeon hat selbst als Kind einmal eine Er­fahrung gemacht, die ihm zeitlebens eine Lehre war:

"Als kleiner Junge besuchte ich eine Mädchen­schule. Eines Tages brauchte ich einen neuen Schiefergriffel, hatte aber kein Geld dabei. Ich war wirklich ein unachtsamer kleiner Kerl und hatte Angst, zu Hause getadelt zu werden, weil ich meine Griffel so oft verlor. Was also tun? In unserem Ort gab es ein kleines Geschäft, wo die alte Frau Pearson Nüsse, Kreisel, Kuchen und Bälle verkaufte, und ich hatte schon des öfteren gesehen, wie Jungen und Mädchen dort hatten anschreiben lassen. Ich dachte daran, daß ja bald Weihnachten sein würde, und si­cher würde mir jemand dann einen Penny oder vielleicht sogar ein ganzes Sixpence-Stück schenken. Also würde ich diesen Griffel dort auf Pump kaufen und das Geld dann kurz vor Weihnachten zurückzahlen. Dies fiel mir nicht leicht, aber ich nahm all meinen Mut zusam­men und ging in den Laden hinein. Der Griffel kostete einen Heller, und da ich bisher noch nie Schulden gemacht hatte, war mein Kredit gut, und ich erhielt den Griffel. Die nette alte Dame gab ihn mir, und plötzlich war ich ver­schuldet. Mir gefiel dies zwar nicht, ich hatte auch das Gefühl, etwas Falsches getan zu ha­ben, aber noch hatte ich keine Ahnung, wie bald ich dafür büßen sollte.

Wie mein Vater von diesem kleinen Geschäft seines Sohnes erfuhr, weiß ich nicht. Irgendein kleiner Vogel muß es ihm geflüstert haben. Jedenfalls nahm er sich meiner sehr bald in aller Ernsthaftigkeit an. Gott möge ihn dafür segnen! Er war ein sehr feinfühliger Mann, keiner von der Sorte, die heutzutage die Kin­der verderben. Er wollte nicht, daß seine Kin­der Spekulanten würden, Menschen, die das tun, was jene großen Schurken Finanzieren nennen. Deshalb trieb er mir mein Schuldenmachen gründlich und auf einen Schlag aus. Es war eine kräftige Lektion über das Schuldenma­chen, wie sehr es dem Stehlen ähneln würde, wie Menschen dadurch zugrunde gerichtet würden, wie ein kleiner Junge, der heute einen Heller Schulden hat, eines Tages gut und gerne hundert Pfund Schulden haben kann und ins Gefängnis muß, und wie er dann seiner ganzen Familie Schande bringt. Ja, das war eine Lek­tion! Ich kann sie noch heute hören und spüre, wenn ich daran denke, noch immer die Tränen über meine Wangen laufen.

Dann würde ich in das Geschäft geschickt, ähnlich einem Verräter, der ins Gefängnis geht Den ganzen Weg weinte ich und schämte mich fürchterlich. Der Heller wurde bezahlt. Dann wurde der arme Schuldner freigelassen, wie man einen Vogel aus einem Käfig heraus frei läßt. Wie schön war es, frei von Schulden zu sein!

Ich habe diese gute und wichtige Lektion nie mehr vergessen. Wenn man allen Kindern in diesem Alter diese Lehre beibrächte, würde ihnen das in ihrem späteren Leben Wagenla­dungen von Schwierigkeiten ersparen. Gott segne meinen Vater, sage ich, und er schenke uns viele solcher Väter und bewahre uns davor, in Niederträchtigkeit unterzugehen, denn durch Schulden verfault die Nation wie Zunderholz. Seit jenem Erlebnis hasse ich das Schuldenma­chen wie Luther den Papst."


Mit den folgenden Ausführungen möchte ich nicht diejenigen beschweren, die durch Krankheit oder Betrug anderer unverschuldet in solch eine Situation geraten sind. Auch möchte ich vorsichtig sein, solche zu verurteilen, deren Schulden durch Gegenwerte mehr als gedeckt sind, so daß sie jederzeit die Schulden bezahlen könnten, - obwohl ich je länger desto mehr Zweifel bekomme, ob diese Praxis für Christen wirklich so harmlos und selbstverständlich ist, wie allgemein angenommen wird. Mein Wunsch ist vor allem, einen Ansporn zu geben, auch in diesen Bereichen auf den Herrn und die Ver­heißungen Seines Wortes zu vertrauen.


Die häufigste Ursache, die zur Entstehung von Schulden führt, ist - Habsucht!

Die Kreditinstitute haben diese Neigung unserer Herzen sehr gut erkannt und machen sie sich in der Werbung zunutze: "Finanzierungssorgen? -Wir helfen Ihnen sofort, diskret und problem­los!" "Machen Sie Ihre Träume wahr!" "Jetzt braucht keiner mehr auf sein Eigenheim zu verzichten!" und wie die Sprüche weiter lauten.

Wer denkt bei diesen verlockenden Angeboten noch an die unmißverständlichen Forderungen des Neuen Testamentes:

"Begnüget euch mit dem, was vorhanden ist, denn er hat gesagt: Ich will dich nicht ver­säumen, noch dich verlassen" (Hebr. 13,5).

"Die Gottseligkeit aber mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn . . . Wenn wir aber Nahrung und Bedeckung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen. Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Lüste, welche die Menschen versenken in Verderben und Unter­gang" (1. Tim. 6,6-9).


Eine weitere Ursache von Schulden - Kleinglaube

Gott hat uns in Seinem Wort Nahrung und Kleidung verheißen. In Seiner Güte gibt Er uns mehr als das. Können wir Ihm nicht vertrauen, daß Er uns die Mittel für Anschaffungen gibt, die wir für nötig halten, wenn Er sie auch für nötig hält?

Warum beten wir nicht darum und warten auf die Hilfe des Herrn?

"Vertraue auf den Herrn und tue Gutes; wohne im Lande und weide dich an Treue; und ergötze dich an dem Herrn; so wird er dir geben die Bitten deines Herzens" (Ps. 27,3-4).

Nun wird wohl kaum jemand, der Gottes Wort kennt, den Herrn bitten, ihm irgendwelche Lu­xusgegenstände zu schenken, bzw. den Kauf dieser unnötigen Dinge möglich zu machen. Keiner, der einigermaßen verständig ist, wird den Herrn z.B. um einen Hi-Fi-Turm bitten oder uni eine Urlaubsreise nach Hawai. Man scheut sich aber andererseits nicht, Schulden zu machen, um sich Dinge anzuschaffen oder zu erlauben, die man vom Herrn nicht erbitten würde. Hier stimmt irgendetwas nicht!


Eine dritte Ursache von Schulden -Falsche Wertmaßstäbe

Wer bestimmt unseren Lebensstandard? Ist der Herr Jesus, Der in Armut und Bescheidenheit lebte, unser Vorbild, oder schielen wir nach dem Lebensstandard der Menschen dieser Welt wie ein Gehasi, dem Elisa, der Mann Gottes, zurufen mußte:

"Ist es Zeit, Silber zu nehmen und Kleider zu nehmen, und Olivenbäume und Weinberge, und Kleinvieh und Rinder und Knechte und Mägde?" (2. Kön. 5,26).

Leider hat man hier und da den Eindruck, daß selbst unter Christen ein Wettkampf stattfindet, was Autos, Häuser, Wohnungseinrichtungen, Kleidung und Urlaubsziele betrifft. Anstatt einander ein Vorbild und Anreiz zur Beschei­denheit und Genügsamkeit zu sein, schaukeln sich manche Geschwister in ihren Ansprüchen gegenseitig hoch. Wie oft werden Schulden gemacht, um irgendwelchen gesellschaftlichen Normen - auch unter Christen! - entsprechen zu können. Die Bibel nennt das unzweideutig: Habsucht.


Häufige Folgen von Schulden:

1. Wortbruch und Lügen
Es ist traurig, aber wahr: Auch unter Christen werden oft Versprechungen gemacht, die nicht gehalten werden. Man versucht, die Bank oder irgendwelche Gläubiger durch Zusagen und Ver­sprechungen zu beruhigen und setzt sich damit automatisch der Gefahr aus, unaufrichtig zu sein und schließlich zu lügen. Da jede Lüge meist durch zehn weitere Lügen gestützt wer­den muß, wird man in ein Netz von Unaufrich­tigkeit und Lügen verstrickt und schließlich gefangen.

Nicht selten wird versucht, in Schulden durch Neuverschuldungen schuldung zu tilgen, um sich selbst zu betrügen. Wie mancher ist auf an ein Kreditinstitut geraten, überhohe Zinsen das Dilemma machte.

2. Überstunden
Viele Christen opfern ihre freie Zeit, die dem Herrn, dem Werk des Herrn und der Familie gehören sollte, um durch Überstunden oder Schwarzarbeit die Schulden abzutragen. Das geistliche Leben verarmt um irdischer Besitz­tümer willen, und nicht selten wird die Ge­sundheit und das Familienleben dem Moloch "Habsucht" geopfert. Schwache Nerven, Reiz­barkeit und Familienprobleme sind oft damit verbunden.

3. Nicht mehr aufbruchbereit
Schulden sind "Verbindlichkeiten", die uns bin­den und oft unfähig machen, dem Ruf des Herrn zu folgen. Hätten Petrus, Andreas, Ja­kobus und Johannes dem Ruf des Herrn spontan folgen können, wenn ihr Fischergeschäft ver­schuldet gewesen wäre?
Wenn wir die Führung Gottes in unserem Leben erfahren wollen, dann sollten wir uns niemals durch Schulden an Menschen binden, sondern uns gerade in finanziellen Dingen allein vom Herrn abhängig machen.

4. Verlust der geistlichen Autorität
Wie kann jemand mit geistlicher Kraft Gottes Wort auslegen, wenn er in seinem Leben gegen biblische Prinzipien verstößt und unter Um­ständen sogar Leute unter seiner Verkündigung sitzen, die mit Bitterkeit zu kämpfen haben, weil in ihren Augen dieser Bruder nichts an dieser Not oder Um-und andere diese Weise daß durch vollkommen deres ist als ein frommer Sprücheklopfer, des­sen praktisches Leben in grober Weise seine eigene Glaubwürdigkeit untergräbt?

Wird ein solcher Bruder jemals mit gutem Ge­wissen über Vertrauen, Abhängigkeit und Nachfolge sprechen können? Liegt hier viel­leicht sogar eine der Ursachen, warum in manchen Gemeinden nur noch Predigten über Themen gehalten werden, die unser praktisches Leben in keiner Weise berühren?


Was tun?
Jemand, der in Schulden verstrickt ist, sollte alles versuchen, um so schnell wie möglich frei zu werden. Das Wort Salomos über den Bürgen kann man sicher auch dem zurufen, der ein Schuldner geworden ist:

"...gestatte deinen Augen keinen Schlaf, und keinen Schlummer deinen Wimpern; reiße dich los wie eine Gazelle aus der Hand, und wie ein Vogel aus der Hand des Vogelstellers" (Spr. 6,4-5).

Auf jeden Fall sollte der Betreffende dem Herrn, aber dann auch einem Bruder oder Ge­schwistern seines Vertrauens als erstes die ganze Misere offen bekennen. Das ist schon ein Stück Befreiung, wenn man die ganze Schuld sowohl dem Herrn, als auch einem Bruder bekennen kann und damit die bisher verheimlichte Schuld in das Licht Gottes stellt. Dann sollte man gemeinsam unter Gebet erwägen, was getan werden kann, um die Schuld zu tilgen.

Klar muß auch sein, daß ein Christ auch dann verpflichtet ist, seine Schuld zu tilgen, wenn ein gerichtlicher Vergleich oder Konkurs die Sache entschieden hat. Die moralische Schuld kann durch kein gerichtliches Urteil aufgehoben werden, und es ist eine Schande, daß manche Christen meinen, sich durch einen Konkurs vor den Forderungen ihrer Gläubiger retten zu können. Wieviel Not und Bitterkeit ist durch ein solches charakterloses, durch und durch unchristliches Verhalten auch unter Brüdern entstanden!

Zumindest sollte der Schuldner sich vor Gott und den betroffenen Gläubigern demütigen, seine Sünde bekennen und den guten Willen zeigen, alles zu tun, um die Schulden zu ver­ringern und zu tilgen. Sein Lebensstil sollte deutlich machen, daß er nur mit dem Not­wendigsten lebt, um alles übrige Geld zur Til­gung seiner Schulden einzusetzen.


Sollte man als Christ Geld verleihen?

Die vielen schlechten Erfahrungen könnten ei­nen Christen dahin führen, kein Geld mehr zu verleihen, um den Betreffenden nicht auf einem unbiblischen Weg zu bestärken. Doch Gottes Wort sagt uns etwas anderes:

"Der Gesetzlose borgt und erstattet nicht wieder; der Gerechte aber ist gnädig und gibt" (Ps. 37,21).

"Wohl dem Mann, der gnädig ist und leiht! er wird seine Sache durchführen im Gericht" (Ps. 112,5).

"Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will" (Matth. 5,42).

Sicher sollten wir nicht blind Geld verleihen, um irgendeine unsinnige Anschaffung zu unter­stützen, sondern nur in Fällen, wo wirklich Not vorhanden ist, die wir lindern können. Und dann sollten wir geben, ohne zu erwarten, daß wir etwas wiederbekommen:

"Und wenn ihr denen leiht, von welchen ihr wieder zu empfangen hoffet, was für Dank ist es euch? denn auch die Sünder leihen Sündern, auf daß sie das Gleiche wieder empfangen. Doch liebet eure Feinde, und tut Gutes und leiht, ohne etwas wieder zu hoffen, und euer Lohn wird groß, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist" (Luk. 6,34-36).

Ein solches Geben oder Schenken kann dann auch nicht zu Bitterkeit oder ähnlichen Emp­findungen dem Schuldner gegenüber führen. Wenn wir geben, ohne etwas zurück zu er­warten, ist unser Herz frei.

Im AT gab es eine Vorschrift, wie man sich Armen gegenüber verhalten sollte:

"Wenn ein Armer unter dir sein wird, irgend einer deiner Brüder . . . so sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand vor deinem Bruder, dem Armen, nicht verschließen... Willig sollst du ihm geben, und dein Herz soll nicht ärgerlich sein, wenn du ihm gibst; denn um dieser Sache willen wird der Herr, dein Gott, dich segnen in all deinem Werk und in allem Geschäft deiner Hand" (5. Mose 15,7-10).

Wieviel mehr sollten wir als Christen mit einer himmlischen Berufung "fröhlich" geben, "denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb" (2. Kor. 9,7).


Der größere Reichtum

Wir haben bereits festgestellt, daß Paulus in 1. Tim. 6,6 Gottseligkeit mit Genügsamkeit als "großen Gewinn" bezeichnet.

Wie glücklich sind die Menschen, die in allen Lebensfragen auf Gott ausgerichtet sind und deren Gemeinschaft mit Gott durch keinen Schatten getrübt wird. Wegen ihrer Genügsam­keit werden sie nicht durch irdische Dinge ab­gelenkt und gewinnen daher:

- Zeit für den Herrn,
- Zeit für die Familie und Mitmenschen,
- Zeit und Kraft für das Werk des Herrn.

Kann es für einen Jünger Jesu einen größeren Gewinn geben?

Welch geistliche Armut ist bei manchen Chri­sten mit dem Zeitpunkt eingekehrt, als sie materiell reich wurden. Gott schenke, daß keiner von uns sein "Erstgeburtsrecht" auf sol­che Weise verschleudert. 

Nachtext

Quellenangaben