Zeitschrift-Artikel: Kränkung und Bitterkeit (1.Teil)

Zeitschrift: 56 (zur Zeitschrift)
Titel: Kränkung und Bitterkeit (1.Teil)
Typ: Artikel
Autor: Jean Gibson
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1133

Titel

Kränkung und Bitterkeit (1.Teil)

Vortext

Text

Die Frage erübrigt sich, ob Du je mit jemand anders Streit gehabt hast, oder ob Du schon einmal Bitterkeit, Verärgerung, verletzte Ge­fühle oder eine anscheinend endlose Auseinan­dersetzung erlebt hast.


Die Frage, die jedoch gestellt werden muß, ist, ob Du Deine Konflikte normalerweise als geist­licher Christ auf eine dem Herrn Jesus wohl­gefällige Weise löst. Die meisten von uns müßten ehrlich mit "nein" antworten. Der Herr möchte, daß wir in einem Geist der Einheit, der Liebe, des Friedens und der Ge­duld miteinander leben (Eph. 4,2.3; 1. Thess. 5,13). Aber dennoch haben wir entweder nicht gewußt, wie wir unsere Probleme auf eine schriftgemäße Art lösen sollten, oder wir ha­ben nicht unserem Wissen gemäß gehandelt.


Das Ergebnis war, daß wir wahrscheinlich je­mandem Vorwürfe gemacht, mit ihm gestritten oder Groll gegen ihn aufgestaut haben. Der Herr hatte keine Freude daran. Wir selbst waren nicht glücklich darüber. Andere be­merkten an uns die gleiche Haltung wie bei Ungläubigen. Streit und Zorn sind Teil eines Zustandes, der vom Fleisch und nicht von Gott ist (2. Kor. 12,20; Gal. 5,20). Um diesem traurigen Zustand abzuhelfen, ist es vielleicht hilfreich, wenn wir uns zuerst überlegen, was typisch falsche Reaktionen auf Schwierigkeiten mit anderen sind.


Negative Reaktionen auf Angriffe

Es gibt viele falsche Reaktionen. Sie äußern sich in verkehrtem Reagieren, gar nicht Re­agieren, oder in Wortwahl, Ton oder Gesichts­ausdruck. Oft genügt ein einfaches Schweigen, während wir eine Wurzel der Bitterkeit in uns aufsprossen lassen (Hebr. 12,15).

1. Rechtfertigung falschen Verhaltens (Luk. 16,15)
Wir können sagen, daß wir nur Menschen sind, und daß es ganz natürlich ist, daß wir negative Gefühle über jemand haben, der uns Unrecht getan hat. Wir überlassen es dem anderen, herauszufinden, was wir als sein Fehlverhalten ansehen, und unternehmen persönlich überhaupt nichts. Wir sagen, daß wir es schon einmal versucht haben, aber es hat nichts genützt.

2. Aufstauen negativer Gefühle (Eph. 4,26)
Je länger sich etwas in uns aufstaut, desto tiefere Wurzeln schlägt es. Deshalb werden wir ermahnt, über unserem Zorn nicht die Sonne untergehen zu lassen. Sonst geraten
wir ins Brüten, in Verbitterung und das Nähren unserer verletzten Gefühle. Wir geben es weder an Gott ab, noch bringen wir es mit dem anderen in Ordnung. Das Problem frißt an uns wie ein unbehandel­tes Eitergeschwür.

3. Zurückziehen (Luk. 15,28.29).
Vielleicht möchten wir mit Leuten, die uns gekränkt haben, einfach nichts mehr zu tun haben. Wir machen Schluß, resignieren, ge­hen weg und waschen unsere Hände in Un­schuld über die ganze Sache. Wir sagen dann vielleicht, daß wir es nur zur Vermeidung weiterer Schwierigkeiten getan haben, aber in Wirklichkeit ist es oft nur eine Form der Bestrafung anderer mit unserem Mißgefallen.

4. Beklagen bei anderen (Luk. 15,30).
Vielleicht diskutieren wir über unsere Pro­bleme lieber mit Dritten, als mit der Per­son, um die es eigentlich geht. So machen wir unserer Bitterkeit Luft. Aber solche Klagen kommen im allgemeinen zu dem Betreffenden zurück und machen die Sache nur schlimmer.

5. Parteibildung (1. Kor. 10-12).
Wir können die Gefühle anderer gegen je­mand erregen und so ein Gruppengefühl von Verurteilung, Zurückweisung oder Opposition gegen den anderen erzeugen. Vielleicht denken wir uns auch etwas anderes aus, die Kränkung zu rächen oder heimzuzahlen. Dies kann soweit gehen, daß Gläubige an­dere Gläubige sogar vor Gericht verklagen (1. Kor. 6,1-8), was Gott aber verurteilt.

Es braucht kaum gesagt zu werden, daß keine der oben genannten Reaktionen der Art und Weise entspricht, wie der Herr Jesus in sol­chen Situationen handelte. Jede dieser obigen Verhaltensweisen ist nur der Nährboden für weiteren Streit. Wie können wir uns nun im Falle einer Kränkung so verhalten, daß Christus verherrlicht wird?


Dem Beleidigtsein widerstehen

1. Vermeide, Dich gekränkt zu fühlen.
Manche Menschen sind nicht so dickhäutig. Sie sind meist schneller beleidigt als andere. Dies weist auf einen überempfindlichen Charakter hin. Wenn Gefühle leicht verletzt werden können und schnell Bitterkeit ent­stehen kann, dann ist unser Blick wahr­scheinlich zu stark auf uns selbst gerichtet.
Dann ist also Selbstgericht über unsere ei­gene Person, und nicht so sehr Bitterkeit gegenüber anderen nötig. Natürlich ist es möglich, ständig auf unseren "Rechten" zu beharren. Es mag stimmen oder nicht, daß uns bestimmte Dinge "zustehen". Der geist­liche Christ hat jedoch alle seine Rechte an den Herrn Jesus abgegeben aufgrund der Tatsache, daß Er uns um einen Preis er­kauft hat (1. Kor. 6,20). Anstelle unserer Rechte gibt uns der Herr Vorrechte im Geist der Gnade. Dadurch sind wir bereit, Unrecht zu ertragen, wenn es nötig ist (1. Kor. 6,7).

Das Ertragen anderer und die gegenseitige Vergebung sind wunderbare Salben für Ver­letzungen (Kol. 3,13). Die Liebe deckt alle Übertretungen zu (Spr. 10,12). Sie rechnet das erlittene Böse nicht zu.

2. Positives Handeln beginnen.
Wenn wir die Beleidiger sind, dann sollten wir
a) Unsere Fehler erkennen (Jak. 5,15.16). Es erfordert einen ganzen Mann, einen Fehler zu bekennen. Zwinge Dich zu einer kriti­schen Betrachtung Deiner selbst. Liegt der Fehler vielleicht bei Dir?
b) Ergreife die Initiative zur Versöhnung (2. Kor. 5,18.19). Unternimm den ersten Schritt, auch wenn Du nicht sicher bist, ob es Deine Pflicht ist.

Wenn es den Anschein hat, daß andere uns beleidigt haben, dann sollten wir folgendes be­achten:
a) Bete für sie (Jak. 5,16). Das Gebet verän­dert Dinge.
b) Sei nicht selbst streitsüchtig (Spr. 13,10; 18,6; 2. Tim. 2,24). Einen Streitpunkt oder eine Kränkung einfach zu vergessen, ist oft die richtige Lösung.
c)Vergib dem, der Dir vielleicht Unrecht ge­tan hat (Eph. 4,32; Mk. 11,25.26). Gott hat uns um Christi willen vergeben, und wir hatten es nicht verdient.
Vergiß es (Phil. 3,13). Brüterei macht einen nur innerlich elend. Es ist etwas Ruhmvol­les, eine Vergehung zu übersehen (Spr. 19,11).
d) Gehe die zweite Meile (Matth. 5,40.41). Das bedeutet, eine solche Beherrschung an den Tag zu legen, daß der Beleidiger darüber staunt.
c) Gehe direkt zu ihm (Matth. 18,15-17; Luk. 17,3A; Gal. 6,1). Stelle Deine gestörten Beziehungen wieder her und lebe in Ein­tracht (Phil. 4,2). "Ein Bruder, an dem man treulos gehandelt hat, widersteht mehr als eine feste Stadt" (Spr. 18,19). Es ist wich­tig, daß wir uns versöhnen, ehe wir Gott anbeten (Matth. 5,24).

Nachtext

Quellenangaben