Zeitschrift-Artikel: Erlesenes

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Titel: Erlesenes
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Erlesenes

Vortext

Text

Ein Freund von Harold St. John erinnert sich, daß Harold einmal an einer Bushaltestelle in einer Warteschlange stand, und hinter ihm wartete eine Familie. Als der Bus ankam, hatten alle, außer dem Vater, Pldtz. Der Schaffner wollte den Mann davon abhalten, in den Bus zu steigen, und argu­mentierte, daß Stehen verboten sei. Der Mann hielt dagegen, daß seine Frau und sein_e Kinder schon im Bus seien, und deshalb werde er nicht wieder aussteigen. Der Schaffner holte schließlich den Fahrer, und eine heftige Diskussion begann; beide sagten, daß der Bus nicht abfahren werde, ehe der Mann nicht ausgestiegen wäre.

In der nun folgenden ärgerlichen Stille erhob sich Harold St. John und sprach die Beamten und die Fahrgäste an: "Meine Damen und Herren", sagt er in seiner unvergleichlich höflichen Art, "es sieht fast so aus, als sollten wir alle etwas später als sonst nach Hause kommen. Der Schaffner hat völlig recht, wenn er sich auf die Vorschriften seiner Vorgesetzten beruft, und der Fahrgast hat genauso recht, wenn er sich auf das ältere Recht der Humanität beruft, welches besagt, daß man einen Vater nicht von seiner Familie trennt. Ich sehe keinen Ausweg, außer, meinen Platz diesem Herrn zu überlassen, auszusteigen, und auf den nächsten Bus zu warten. So ist jeder zufrieden, und alle werden pünktlich zu Hause sein. Aber darf ich noch etwas hinzufügen, bevor ich aussteige? Mein Herr Jesus hat das, was ich jetzt für Sie tue, auch für mich getan: Er hat mir Seinen Platz der Rettung im Licht überlassen und nahm am Kreuz meinen Platz in Tod und Verderben ein."

Als er sich aus dem Bus schwang, hörte St. John den Schaffner noch sagen: "Das war aber ein komischer Kauz."

Nachtext

Quellenangaben