Zeitschrift-Artikel: Menschenfischer

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Titel: Menschenfischer
Typ: Artikel
Autor: Andreas Fett
Autor (Anmerkung):

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Titel

Menschenfischer

Vortext

Text

Jesus spricht:
"Kommet mir nach und ich werde euch zu Menschenfischern machen."
Matthäus 4,19

Es ist nicht unsere Verantwortung, ein Menschenfi­scher zu werden, sondern die unseres Herrn.
Er fordert nicht: "Werdet Menschenfischer!", son­dern: "Kommet mir nach!" Unser Teil besteht lediglich darin, in Seinen Fußstapfen zu bleiben und als ein ge­I ehriger Jünger Ihm nachzufolgen. Sein erklärter Wille ist es, uns dabei zu Menschenfischern zu machen.
Warum gebraucht Jesus wohl das Bild eines Fischers, um das Gewinnen von Menschen für Sein Reich zu beschreiben?
Nun, Seine mit diesen Worten berufenen Jünger übten den Beruf des Fischers aus und konnten den Ver­gleich gewiß gut verstehen. Doch scheint dieses Bild­wort noch mehr auszudrücken und einiges an Beleh­rung für uns zu beinhalten. Darum soll es uns im Fol­genden gehen:


Fischen ist eine Tat des Glaubens

Wenn der Fischer zum Fang ausfährt (meist nachts), sieht er nichts von seiner Beute. Er wirft die Netze aus, ohne die Gewißheit zu haben, tatsächlich Fische in sei­nem Netz einzuschließen. Die Bibel fordert uns auf, in gleicher Weise Gottes Wort auszuwerfen, auszustreu­en, ohne zu sehen und verheißt, daß es nicht vergeblich sein wird. Gottes Wort richtet aus, wozu es gesandt ist und kommt nie leer zurück. (Prediger 11,1)


Fischen ist kein Angeln

Beim Auswerfen des Netzes kann der Fischer nur sehr begrenzten Einfluß auf die Auswahl seiner Beute ausüben. Der Angler hingegen benutzt bestimmte Kö­der und Blinker, die ganz spezielle Fischarten anlok­ken.
Beim Menschentischen geht es nicht um Auslegen von "Ködern", auf die jemand anbeißt. Das Himmel­reich gleicht nicht der Angel, sondern einem Netz, daß von jeder Gattung zusammenbringt (Matthäus 13,47). Überlassen wir Gott die Auswahl - nicht unserer Bevor­zugung und Sympathie.


Fischen verlangt unermüdliche Geduld

Hier gleicht das Fischen dem Angeln. Viele Stunden geduldigen Wartens und viele enttäuschende Versuche sind in Kauf zu nehmen. Erst wenn sich etwas regt, gilt es zu ziehen. Zu friihes, übereiltes Heraufziehen er­schrickt die Fische und verscheucht sie auf Nimmer-wiedersehen.
Markus berichtet von Simon und Andreas, daß sie ihre Netze hin- und herwarfen (Markus 1,16). Wie oft wohl? Lernen wir von ihnen ausdauerndes Bemühen und vielleicht auch Verzicht an Schlaf (Lukas 5,5).


Fischen verlangt die Zurückhaltung des Fischers


Genau wie das Fischen behutsames Vorgehen erfor­dert, ist beim Menschenfischen die Zurückhaltung des "Fischers" unerläßlich. Er darf niemals der Sonne im Wege stehen und bei seiner Tätigkeit einen Schatten auf das Wasser werfen. Je unerkannter und unscheinbarer der Fischer bleibt, um so größer sind die Fangchancen. Braucht man das zu deuten?
Auch sollten die Netze nicht "vor den Augen der Beute ausgespannt" werden (Sprüche 1,17) und da­durch von Anfang an nur abschrecken und große Scheu verursachen (Matthäus 10,16b).


Fischen erfordert Kenntnis der Fischgründe


Ein Fischer kennt den Aufenthaltsort und die Routen der Fischschwärme. Es ist wichtig, dorthin hinauszu­fahren und nicht die Fische an Land zu bitten (Lukas 5,4)! Leider ist dies vielerorts unsere Methode des Menschenfischens geworden.
Übrigens gebrauchten Simon und Andreas in Mat­thäus 4 ein Wurfnetz(*) zum Fischfang in seichtem Ge­wässer, Jakobus und Johannes hingegen waren mit einem Auslegenetz(**) beschäftigt, daß nur in tieferem Wasser eingesetzt wird. Merken wir: Für Fische, die sich schon sehr nah am Ufer aufhalten gilt es ein etwas anderes Fanggerät zu benutzen, als für solche, die noch sehr weit draußen und vielleicht tief unten sind. Es ist wichtig, eine dem Gegenüber angemessene, verständ­liche Art der Weitergabe des Evangeliums zu finden (besonders auch im Wortschatz).


Fischen erfordert saubere und unbeschädigte Netze

Jeder Fischer investiert eine geraume Zeit in das Waschen und Flicken seiner Netze (Lukas 5,2 / Mat­thäus 4,21). Das Netz muß von Tang und Algen gesäu­bert werden, oder nach langem Umherliegen wieder mit Wasser in Berührung kommen. So sind auch wir ständig in Gefahr, sowohl im Einsatz, als auch - und gerade - im Nichtstun "schmutzig" zu werden. Das Lesen des Wortes Gottes ist eine Grunddisziplin um brauchbar zu bleiben (Epheser 5,26).
Sind Netze zerrissen und zerschunden, wird der Fischfang spärlich ausfallen. Die Fische entwischen sofort durch diese Stellen. Unbrauchbares Fanggerät, mangelhaftes Werkzeug erzielen nicht den angestrebten Erfolg, sondern verschlingen viel Mühe und Kraft (Pre­diger 10,10). Ebenso wird unser geistlicher Zustand mit dazu beitragen, ob Gott noch viele zu sich ziehen kann (Johannes 6,44).


Fischen ist noch nicht alles

Kein Fischer gibt sich damit zufrieden, ein gefülltes Netz im Schlepptau zu haben, sondern sieht zu, daß die Fische in ein neues Element kommen: in's Boot oder an Land. Ansonsten bleibt der Fang nutzlos. In Johannes 21,10 lesen wir von einem wunderbaren Fischfang der Jünger, nachdem sie Jesu Rat befolgten und ihre eigenen Methoden aufgaben. Jesus steht am Ufer und fordert die Jünger auf:
"Bringet her von den Fischen, die ihr gefangen habt!"

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(*) Ein kreisrundes Netz (d= 3-5 m) mit Steinen beschwert, daß auf die Wasseroberfläche geworfen, wie eine Glocke absinkt und Fische im seichten Wasser einschließt. (siehe Abbildung!)

(**) Ein mehrteiliges, großflächiges Fanggerät aus senkrechtstehenden Netzwänden, die mit Schwimmern und Bleigewichten versehen sind. Nur vom Boot aus auszulegen und unter vereinten Kräften einzuholen.

Nachtext

Quellenangaben