Zeitschrift-Artikel: Werner Papke: Das Zeichen des Messias

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Titel: Werner Papke: Das Zeichen des Messias
Typ: Buchbesprechung
Autor: Herbert Briem
Autor (Anmerkung):

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Titel

Werner Papke: Das Zeichen des Messias

Vortext

Text

Dieses Buch machte zunächst einen verworrenen Ein­druck auf mich. Nach kurzer Prüfung habe ich es aus der Hand gelegt und zunächst nicht mehr angerührt. Und doch bleibt eine gewisse Faszination. Das Buch von W. Papke ist nicht einfach zu verstehen, der Leser muß sich schon darauf einlassen, den eigenartigen Gedankengängen des Verfassers zu folgen. Ist man dazu bereit, so entbehrt das Buch nicht ei­ner gewissen Logik, was aber noch nicht heißt, daß die Schlußfolgerungen auch richtig sind. Das Buch bringt eine Menge Details aus der Sternkunde und den Sterndeutungen der alten Völker (Babylonier, Perser, Griechen, Juden) und verknüpft diese mit Aussagen der Bibel, um so das Rätsel des Sterns von Bethlehem zu klären. Gängige Thesen dazu sind: Ein Komet, die Konjugation von Jupiter und Saturn im Jahr 7 v.Chr. und Novae (Neue Sterne). Der Verfasser nimmt für sich in Anspruch, mit seiner Erklärung, dem Aufleuchten ei­ner Supernova am Abend des 30. August im Jahr 2 v.Chr. im Sternbild der Jungfrau, auf jeden Fall die richtige Lösung ge­funden zu haben!
Schon im Prolog (S.9-15) geht W. Papke davon aus, daß die Sterne zeichenhaft den Menschen eine »himmlische Bot­schaft« vermitteln und daß die Wissenschaft samt der Stern­deutung der alten Völker der Bibel zu Hilfe kommen, um die Bedeutung des Sterns von Bethlehem zu verstehen. Aus dem ersten Teil von Ps 19 leitet Papke dann ab, daß die »Sprache des Himmels« schon von Anfang an den Menschen den kom­menden Erlöser verkündigt habe. Eine sehr gewagte Schluß­folgerung, die der Verfasser im Verlauf des Buches durch die besondere Bedeutung, die er dem Sternbild der Jungfrau gibt, zu beweisen versucht. Nach 1Mo 1,14-18 sind die Himmelskörper aber nicht nur zu Zeichen, sondern hauptsäch­lich als Lichtquellen und zur Zeit- und Tagesbestimmung gesetzt. Bereits hier zeigt sich eine große Unausgewogenheit im Umgang mit Texten aus der Bibel.

Nicht besser wird es auf den folgenden Seiten 16-17. Der zitierte Bibeltext aus Mt 2,1-12 über den Stern von Bethlehem ist an einigen Stellen (Verse 2, 7, 9, 10) so zurechtgebogen, daß er zur späteren Deutung des Sterns (vgl. S.78-80) passen wird. Ein Beispiel: In Mt 2,2.9: »wir haben seinen Stern hervor­gehen sehen« haben fast alle Übersetzungen: »wir haben sei­nen Stern im Osten (oder Morgenland) gesehen«. Das Wort für Osten = anatolee kann zwar auch mit »aufgehen«, »Auf­gang« (der Sonne) wiedergegeben werden, ist aber fast im­mer sinngemäß richtig mit »Osten« (im Gegensatz zum We­sten) zu übersetzen, so auch hier.
Zwei weitere Beispiele machen vollends deutlich, wie mit Aussagen der Bibel umgegangen wird:
So soll nach Papke (S.56 ff.) bereits der Prophet Jesaja auf das Sternbild der Jungfrau (babylonisch: ERUA = »Diejenige, die den Samen von Eden gebären wird«) hingewiesen haben, wenn er in Jes 7,11 den jüdischen König Ahas darum bittet, von Gott ein Zeichen in der Tiefe oder Höhe zu fordern. Aber Ahas will kein Zeichen fordern. Daraufhin kündigt Jesaja ein Zeichen Gottes an: Die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären... Ges 7,14). Die wörtliche Erfüllung dieses Zeichens und des Ausspruchs des Propheten wird vor der Geburt unseres Herrn in Mt 1,20-23 berichtet! Welche Berechtigung haben wir dann noch, das in Jes 7,14 angekün­digte Zeichen als ein Zeichen in der Höhe, d.h. am Sternen­himmel, im Sternbild der Jungfrau, zu interpretieren?
Das zweite Beispiel (5.100 ff.) bezieht sich auf die Ausle­gung von Offenbarung 12,1-2.5. Der Apostel Johannes sieht in einer Vision im Himmel das Zeichen einer Frau, die im Begriff steht, einen Sohn zu gebären. Was stellt diese Frau dar? Was sieht Johannes? Ist es das Sternbild der Jungfrau, ERUA? Wenn ja, wo ist dann am Himmel der Drachen zu fin­den (Offb 12,3-4) und wie ist er zu deuten? Hier wird klar, daß der Bibeltext kein Sternbild meinen kann. Durch Studi­um der prophetischen Symbole in der Bibel ergibt sich, daß die Frau ein Bild des Volkes Israel ist, das den Messias hervor­bringt und der Drache ein Bild des Teufels, der den Christus zu Tode bringen will.
In dem ganzen Buch ist klar zu erkennen, daß ein wichti­ges Auslegungsprinzip auf den Kopf gestellt wird: Die Deu­tung der biblischen Aussagen erfolgt überwiegend nicht durch den Vergleich von Schrift mit Schrift, sondern auf­grund der Vorstellungen des Verfassers durch die Sterndeu­tungskunst und Tradition der alten Völker. Sie bilden das Gerüst der Beweisführung; die Bibel wird hauptsächlich dazu benutzt, dem Ganzen den richtigen Sinn zu geben. In dem Buch finden sich viele Annahmen und darauf aufgebau­te Schlußfolgerungen. Von einer Nova im Jahr 2 v.Chr. ist nichts bekannt, in der alten Literatur sind solche Ereignisse für die Jahre 134 v.Chr., 173 und 1054 n.Chr. bezeugt. Ebenso wissen wir nichts Genaueres über eine Beziehung zwischen Zarathustra und Daniel.
Sicher hat Gott den Menschen auch durch Erscheinungen am Himmel manches zu sagen, aber es ist weitaus zuverlässi­ger und lohnender, die reichhaltige Botschaft Gottes direkt aus der Bibel zu studieren. Die Sterne können uns täuschen, die Bibel nicht!

Nachtext

Quellenangaben

CLV, geb., 160 S., DM 14,80