Zeitschrift-Artikel: Wer hat das letzte Wort? (Alte Irrlehren postmodern aufgemöbelt

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Titel: Wer hat das letzte Wort? (Alte Irrlehren postmodern aufgemöbelt
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Wer hat das letzte Wort? (Alte Irrlehren postmodern aufgemöbelt

Vortext

Text

Rob Bell (geb. 1970) ist zur Zeit wohl einer der populärsten Vertreter der „Emerging Church“-Bewegung. Seine theologische Ausbildung bekam er in den USA auf dem bekannten „Wheaton-College“ und anschließend auf dem „Fuller-Seminary“. Aus kleinsten Anfängen gründete er 1998 die „Mars Hill Bible Church“ (Grandville, Michigan) mit inzwischen über 10.000 Mitgliedern. Er gilt als „einer der besten Kommunikatoren der christlichen Welt“!
Durch geschickte Nutzung der modernen Medien hat er tatsächlich in kurzer Zeit einen enormen Einfluss auf die junge Generation ausgeübt – und das nicht nur in den USA, sondern inzwischen auch in Europa und darüber hinaus.
Daher erstaunt es auch nicht, dass er als eine der „hundert einflussreichsten Personen der Welt“(1) bezeichnet wird. Sein neuestes Buch „Love wins“ steht inzwischen weit oben auf den Bestseller- Listen der säkularen Bücher in den USA.
Dieses Buch ist im Mai auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Das letzte Wort hat die Liebe“ im Brunnen Verlag erschienen, der in den letzten Jahren bereits drei weitere Bücher von Rob Bell herausgegeben hat.
Sein Bestseller erschien rechtzeitig zum „Willow Creek Jugendplus Kongress“, der vom 6. bis 8. Mai in Düsseldorf stattfand und von etwa 3.500 meist jüngeren Teilnehmern besucht wurde. Rob Bell war der Hauptreferent auf diesem Kongress. Karl Heinz Zimmer, der Vorsitzende von Willow Creek Deutschland, bezeichnete diese Veranstaltung als einen „Meilenstein der Jugendszene“, durch den „junge Menschen ermutigt wurden, eine gute Botschaft in die Gesellschaft hineinzutragen, statt einfach nur 'Kirche zu machen‘“.(2)

Naivität –
oder nur „nicht informiert“?

Wie ist es möglich, dass ein solch umstrittener Mann, der in den USA von bekannten Evangelikalen als „Wolf im Schafspelz“ bezeichnet wird, in Deutschland als Autor wie auch als Konferenzredner eine solche Plattform bekommt?
Hat man versäumt, sich rechtzeitig und ausreichend zu informieren?
Im Brunnen-Verlag jedenfalls werden schon seit Jahren Bücher von Rob Bell aufgelegt, in denen Bells liberal-bibelkritische Haltung und sein „Inklusivismus“ deutlich und postmodern nachzulesen sind.
Allerdings drängt sich die Frage auf, warum dieser bekannte Verlag, der viele ausgezeichnete
Bücher herausgegeben hat (man denke z.B. an die Hudson Taylor-Biographien, an Auslegungen
von J. Kroeker, H. Brandenburg usw.) seit einigen Jahren auch recht fragwürdige Titel herausbringt und nun eben auch Bücher von Rob Bell, die eindeutige Irrlehren enthalten.
Es scheint, als müsse man sich nun auch in Deutschland damit abfinden, dass sich immer mehr christliche Verlage als „postmodern“ verstehen und den Kampf für absolute biblische Wahrheiten und Überzeugungen für nicht mehr zeitgemäß halten.
So gibt es z.B. auch in dem Verlag der Francke- Buchhandlung eine „Edition Emergent“, wo eine Anzahl Bücher in der Reihe „ZeitGeist“ erschienen sind und erscheinen werden, in denen nicht nur bekannte Vordenker der amerikanischen „Emerging Church“ wie Brian McLaren zu Wort kommen, sondern auch die deutschen Protagonisten wie z.B. Tobias Faix, Thomas Weißenborn, Peter Aschoff und Johannes Reimer.
Interessant ist die auch Tatsache, dass ausgerechnet die Verlage „Brunnen“ und „Francke“, die von vielen Lesern als bibeltreue Repräsentanten der pietistischen Gemeinschaftbewegung angesehen werden, das Anliegen dieser Bewegung und ihrer Autoren bekannt machen und ihm damit auf den ersten Blick einen vertrauenswürdigen Anstrich geben.

„Willow Creek“ –
wo geht die Reise hin?

Nun ist Rob Bell von „Willow Creek Deutschland“ eingeladen worden. Bei allen Bedenken, die man
gegenüber „Willow Creek“ haben kann und – wie ich meine – haben muss, ist es doch schwer vorstellbar, dass Bill Hybels die Ansichten von Rob Bell teilen oder tolerieren kann. Jedenfalls sprechen seine Bücher eine andere Sprache.
Aber wie ist es dann möglich, dass ausgerechnet Rob Bell als Hauptredner zu einem Jugendkongress eingeladen wird?
Muss man daraus schließen, dass die Vorsitzenden von „Willow Creek Deutschland“ (Ulrich Eggers, Hartmut Steeb, Hartmut Bärend und Karl-Heinz Zimmer) die Auffassungen Rob Bells für biblisch und vertretbar halten?
Tatsache ist, dass im „Willow Creek Shop“ alle Bücher und DVDs von Rob Bell in deutscher Übersetzung angeboten und warm empfohlen werden!

Zum Inhalt
Das Positive zuerst: Das Buch ist leicht lesbar und verständlich geschrieben. Der Autor benutzt so gut wie keine Fremdworte, Fachbegriffe oder Wortneuschöpfungen, die ansonsten in der Emergent-Bewegung gerne und oft gebraucht werden, sondern kurze, gut formulierte Sätze, eine prägnante Sprache und natürlich Hunderte von suggestiven Fragen und viele Geschichten, wie es in dieser Bewegung üblich ist.
Der großzügige Satz der Ausgabe macht es möglich, das Buch mit seinen 202 Seiten in 1,5-2 Stunden durchzulesen – was andererseits bedeutet, dass der Text auch in ein Taschenbuch mit 128 Seiten gepasst hätte.
Das Vorwort von Peter Aschoff (Pastor der Elia-Gemeinde, Erlangen und ehemaliger Vorsitzender
und heutiger Repräsentant von „Alpha Deutschland“) auf den Seiten 7 bis 9 fasst den Inhalt und die Irrlehren Rob Bells komprimiert und treffend zusammen, so dass man sich eine ausführliche Rezension eigentlich sparen könnte:
„Nicht nur seine Bilder und Begriffe, auch seine Art zu denken und die Bibel zu lesen, sind dabei
erfrischend anders. Wo andere Prediger Grenzen und Gräben ziehen, da entdeckt er Möglichkeiten und Verbindendes – weil er glaubt, dass Gottes Liebe, die niemand ausschließt, am Ende gewinnt. […] Der Gott, von dem Rob Bell schreibt – der Gott Jesu Christi – erscheint unendlich weitherziger, leidenschaftlicher und zugänglicher. […] Ein Bild von Gott, das rundherum gewaltfrei ist. […] Rob Bell bringt durch sein hartnäckiges Fragen starre Gottesbilder ins Wanken und sprengt kleinkarierte Denkmuster. […] Rob Bell lädt uns ein, uns von angstbesetzten, zwanghaften, krankhaft einseitigen Karikaturen des biblischen Gottes zu befreien.“

„Krankhafte, einseitige
Karikaturen“?

Wenn Peter Aschoff glaubt, dieses Buch könnte den Leser von krankhaften, einseitigen Karikaturen Gottes befreien, stellt er die Tatsachen auf den Kopf. Denn Bell stellt in seinem Buch einen Gott vor, der eine Karikatur des Gottes ist, der in der Bibel geoffenbart wird: Ein Gott der Liebe, Gnade, Barmherzigkeit und Güte, aber eben auch ein Gott, welcher als der Wahrhaftige, Heilige, Gerechte usw vorgestellt wird.
Was Rob Bell immer wieder behauptet: „Wir formen unsere Götter und dann formen unsere Götter uns“ (S. 182); oder: „Unsere Glaubensvorstellungen sind entscheidend. Sie sind jetzt entscheidend für uns …“ (S. 183) zeigt deutlich die Gefahr und den Irrtum, denen er selbst und mit ihm die emergente Bewegung verfallen ist:

"Wenn Du Universalismus annimmst und den Unterschied zwischen der Gemeinde und der Welt auslöschst, dann brauschst Du keine Gemeinde, keinen Christus und kein Kreuz. Das ist die Tragödie eines gerichtslosen "Mainstream Liberalismus" und es ist auch Rob Bells Tragödie in diesem Buch."                 (Albert Mahler jun.)

Bell formt ein Gottesbild, eine Weltsicht und eine Eschatologie, die nicht der Offenbarung Gottes in der Bibel entspricht. Und diese einseitige, falsche Gottesvorstellung nach humanistischem, postmodernem Muster formt folgerichtig sein Menschenbild und seine Vorstellungen von Himmel und Hölle, von Sünde und Vergebung.
Einige Beispiele:
„Wir müssen nicht vor Gott gerettet werden. Gott ist vielmehr der, der uns vor Tod, Sünde und Vernichtung rettet. Gott ist der Retter.“ (S. 182)
„Vergebung ist einseitig. Gott wartet nicht darauf, bis wir endlich die Kurve kriegen, unser Leben in Ordnung bringen, geistlich in Form kommen, uns aufraffen – Gott hat es bereits getan.“ (S.188)
Diese halben Wahrheiten stehen im Gegensatz zu dem, was die Bibel lehrt: siehe Joh 3,36, Rö 1,18; Eph ,6; Kol 3,6, 1Th 1,10; Off 6,16 usw.
„Sündige, verweigere die Buße, verhärte dein Herz, lehne Jesus ab – und wenn du dann stirbst, ist es aus und vorbei. Oder besser gesagt: Folter, Qual und ewige Pein gehen dann erst richtig los. So sieht’s doch aus – denn so geht Gott vor, stimmt’s?“ (S. 75)
„Hat Gott über Zehntausende von Jahren Millionen Menschen erschaffen, die die Ewigkeit in Seelenqual verbringen werden? Kann Gott so etwas tun oder es zumindest zulassen und weiterhin
behaupten, ein Gott der Liebe zu sein? […] Was für eine Art Gott ist das?“ (S. 16-17)
Und dann wird es in Kapitel 4 („Bekommt Gott, was Gott will?“) fast blasphemisch, wenn Bell schreibt:
„Eine Geschichte zu erzählen, in der Milliarden Menschen für immer irgendwo im Universum in einem schwarzen Loch endloser Pein auswegslos gefangen sind, ist keine besonders gute
Geschichte.“ (S. 117)
Schließlich entfaltet der Autor seine Ansichten und seine Geschichten über den „Inklusivismus“,
die „Wiederherstellung aller Dinge“, die Lehre der „Allversöhnung“, die – wie er richtig argumentiert – fast so alt wie die Christenheit ist. Das Ergebnis für ihn: „Jesus erklärt, dass er, und nur er allein, jeden rettet. Und dann lässt er die Tür weit, weit offen. Er eröffnet ein weites Feld von Möglichkeiten.
Das reicht von ‚er allein‘ bis ‚so weit wie das Universum‘. Er ist so ausschließlich, wie er ist, und so einschließlich, dass er jedes Elementarteilchen der Schöpfung umfasst.“ (S. 157)
Die Hölle ist bei ihm nur noch „unsere Weigerung, Gottes Nacherzählung unserer Geschichte zu vertrauen.“ (S. 170)
Rob Bell behauptet: „Unsere Eschatologie prägt unsere Ethik“ (S. 57). Wenn das stimmt, muss man Sorge haben um den Lebensstil und das ethische Verhalten all der vielen jungen
und älteren Menschen, die in Düsseldorf oder anderswo – oder eben durch die Lektüre von „Das letzte Wort hat die Liebe“ – eine unbiblische und in die Irre führende Sicht über das Wesen Gottes und über die zukünftigen Dinge bekommen haben.
Paulus dachte nicht daran, den „Himmel auf die Erde zu bringen“ oder die „Zukunft in die Gegenwart“ zu ziehen (S. 56). Er kannte den „Schrecken des Herrn“ wie auch die „Liebe des Christus“ (2Kor 5,11.14) und sah sich und uns als Botschafter Christ in einer gerichtsreifen, gottfeindlichen Welt:
„So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Den der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.“ (2Kor 5,20-21)

Nachtext

Quellenangaben

(1) TIME Magazine, 21.04.2011 (http://www.time.com/time/specials/packages/article/0,28804,2066367_2066369_2066460,00.html) (01.06.2011)
(2) „Idea-Spektrum“, 11.05.2011