Zeitschrift-Artikel: Unnütze Knechte

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Titel: Unnütze Knechte
Typ: Artikel
Autor: Charles Haddon Spurgeon
Autor (Anmerkung):

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Titel

Unnütze Knechte

Vortext

"Also auch ihr, wenn ihr alles getan habt,
was euch befohlen war, so sprechet:
Wir sind unnütze Knechte;
wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren!“

                                                                [Lk 17,10]

Text

Liebe Brüder,
wir sollten bedenken, dass wir mit jeder Arbeit, die wir für den Herrn getan haben, nur einen Teil unserer Schuld abtrugen. Ich hoffe, wir sind moralisch nicht so tief gesunken, dass wir es uns als etwas Großes anrechnen, wenn wir unsere Schulden bezahlen. Ich habe nie erlebt, dass sich Geschäftsleute etwas darauf zugute hielten, wenn sie an jemand aus bestimmtem Grund tausend Mark überwiesen hatten.
„Hast du sie ihm geschenkt?“ — „Nein, ich schuldete sie ihm.“
Ist das etwas Besonderes?

Jesus Christus hat uns erkauft. Wir gehören nicht uns selbst. Was wir auch tun, es ist immer etwas, worauf er als Schöpfer und Erlöser ein Anrecht hat. Wenn wir alles getan haben, so haben wir nur getan, was wir zu tun schuldig waren.
All unser Tun ist und bleibt sehr unvollkommen. Beim Pflügen gibt es Unebenheiten; das Vieh haben wir nicht so versorgt, wie es hätte sein sollen; und der reich gedeckte Tisch ist des Herrn, dem wir dienen, unwürdig gewesen. Kann jemand von euch mit Genugtuung auf den Dienst für den Herrn zurückblicken? Ich kann es nicht und habe gewünscht, mein Leben wieder von vorn anfangen zu können. Und doch tut es mir leid, dass sich mein stolzes Herz einen solchen Wunsch erlaubt hat, denn aller Wahrscheinlichkeit nach würde ein zweites Leben noch schlechter ausfallen.
Was die Gnade für mich getan hat, erkenne ich mit tiefer Dankbarkeit an – aber für das, was ich selbst getan habe, bitte ich um Vergebung. Ich bitte Gott, mir meine Gebete zu vergeben, denn sie sind fehlerhaft. Ich bitte Gott, mir selbst dieses Bekenntnis zu vergeben, denn es ist nicht so demütig, wie es sein sollte. Ich bitte ihn, meine Tränen zu trocknen und meine Gedanken zu reinigen – sowie mir zu schenken, dass ich mich selbst ganz vergesse.

„O Herr, du weißt, wie wir zu kurz kommen in der Demut gegen dich! Vergib uns. Wir sind unnütze Knechte, und wenn du uns nach dem Gesetz richten würdest, wären wir alle verloren.“

Nachtext

Quellenangaben

 C.H. Spurgeon „Auf dein Wort“, CLV, S. 111