Zeitschrift-Artikel: Eine AT-Trilogie f

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Titel: Eine AT-Trilogie f
Typ: Artikel
Autor: Rainer Nietzke
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1081

Titel

Eine AT-Trilogie f

Vortext

Sowohl das Alte als auch das Neue Testament enthalten jeweils eine Trilogie von Büchern, die sich speziell an junge Leser richten. Während die drei neutestamentlichen Bücher 1Timotheus, 2Timotheus und Titus recht bekannt sind, kann man das von den drei alttestamentlichen Büchern Prediger, Sprüche und Hohes Lied von König Salomo nicht sagen – und es wird auch selten über sie gepredigt. Diese Artikelserie soll eine Einführung in diese drei vernachlässigten alttestamentlichen Bibelbücher sein.

Zuerst werden Fragen zum Buch gestellt, die helfen sollen, den Text selbst zu erarbeiten und zu verstehen. Im jeweils zweiten Teil wird ein Überblick über das Buch, seinen Inhalt und seine Bedeutung gegeben. Dies soll zu weiterem Studium anregen.

Ich bitte die Leser eindringlich, sich selbst anhand der Fragen mit dem Bibeltext auseinander zu setzen und nicht nur das – von anderen (auch von mir) – „Vorgekaute“ zu „genießen“. So wird Gottes Wort viel lebendiger und kann direkt zu uns reden.

Bei der Untersuchung des Bibeltextes wird es vordringlich darum gehen, die direkte Bedeutung und Zielrichtung des Buches zu verstehen und nicht um eine typologische Auslegung (also eine Auslegung, die auf neutestamentliche Wahrheiten hinweist). Eine typologische Auslegung ist auch nur dann sinnvoll, wenn der eigentliche Text selbst verstanden wurde.

Text

Teil 1a – Fragen zum Prediger


Der Prediger ist ähnlich aufgebaut wie eine wissenschaftliche Abhandlung: Er beginnt mit dem Autor,

dem Thema, einer Zusammenfassung, der beabsichtigten Vorgehensweise und den wesentlichen

Ergebnissen.

Der erste Hauptteil beinhaltet dann die eigentliche Analyse, gefolgt von ersten Anwendungen der

gewonnenen Erkenntnisse im zweiten Hauptteil. Daran schließt sich eine vertiefende Zusammenfassung

anhand von drei exemplarisch ausgewählten Themenbereichen an, bevor es über zehn kleine

Lebensweisheiten zur Schreibabsicht und zum Endziel der Abhandlung kommt.

Fragen zur Texterschließung

❶ Wer ist der Verfasser des Predigers? Bitte begründe dies sorgfältig anhand von Prediger 1.

❷ Welche Besonderheiten (häufige Wiederholungen, ungewöhnliche Worte usw.) fallen Dir auf?

❸ Was ist das Thema von Prediger? Lies den Beginn des Buches und achte dabei auf die beobachteten

besonderen Ausdrücke und häufigen Wiederholungen!

❹ Welche Vorgehensweise wählt der Schreiber? Was sagt er ausdrücklich in Kapitel 1?

❺ Welches Ergebnis seiner Analyse formuliert der Schreiber bereits zu Beginn seiner Abhandlung?

❻ Zu welchem Endergebnis gelangt der Schreiber? (Wo steht das Endergebnis wohl?)

❼ An wen ist das Buch in erster Linie gerichtet? (Siehe das Ende des Buches!)

❽ Welche Schreibabsicht verfolgt der Schreiber? Lies die letzten beiden Kapitel!

❾ Der Autor hält siebenmal in seiner Analyse an, blickt zurück und zieht Bilanz. Woran erkennt

man dies?

❿ Warum ist es erstaunlich, dass Gott in diesem Buch überhaupt vorkommt (s. Frage 4)? Hast Du

eine Erklärung dafür?

 

Teil 1b – Eine Einführung in den Prediger

❶ Wer ist der Verfasser von Prediger?

Salomo, der Sohn Davids, ist der einzige Nachkomme

Davids, der in Jerusalem über ganz Israel

und nicht nur über Juda herrschte (1,1.12).
 

Probleme zur Verfasserschaft:

Einwand: Der Prediger verwendet aramäische

Begriffe, die nur aus dem 7. Jahrhundert vor Christus

bekannt sind. Also kann der Prediger erst in

dieser Zeit entstanden sein.

Antwort: Inzwischen wurden fast alle Begriffe

schon wesentlich früher nachgewiesen. Die biblische Aussage ist immer vertrauenswürdiger

als vorläufige archäologische Befunde.
 

Einwand: Der Prediger berichtet rückblickend auf sein Leben. Wann soll Salomo den Prediger

dann geschrieben haben? Von einer Umkehr Salomos wird weder in Könige noch in Chronik

berichtet.

Antwort: Salomos Umkehr wird nicht berichtet – und sie hatte leider auch keine Auswirkungen

mehr auf die Geschichte Israels. Sein Götzendienst leitete den geistlichen Verfall Israels ein.
 

❷ Welche Auffälligkeiten / Besonderheiten gibt es im Prediger?

• „Unter der Sonne“ / „unter dem Himmel“

Bedeutung: Es wird eine Sichtweise beschrieben, die sich auf das beschränkt, was unterhalb

der Sonne, des Himmels zu beobachten ist, also eine rein irdische Sichtweise.

• „Eitelkeit der Eitelkeiten“ / „Nichtigkeit der Nichtigkeiten“ / „Sinnlosigkeit der Sinnlosigkeiten

… und ein Haschen nach Wind“

Bedeutung: Die Sichtweise „unter der Sonne“ führt zu dem Schluss, dass nichts wirklich

andauert, nichts wirklich einen Sinn macht. Alles ist so wenig greifbar wie der Wind.
 

❸ Was ist das Thema von Prediger?

Nichts auf dieser Erde und nichts unter der Sonne macht Sinn, wenn man Gott ausblendet

(1,1-3)!
 

❹ Wie geht der Schreiber bei seinen Überlegungen vor?

Seine Vorgehensweise nennt man Methodischen Atheismus. Dabei wird versucht, das Weltgeschehen

zu erklären, ohne Gott ins Spiel zu bringen (1,12.13)

Zur Beschreibung naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten ist diese Vorgehensweise

durchaus sinnvoll, nicht jedoch zur Erklärung von Herkunft und Sinn der Welt.
 

❺ Ergebnis der Analyse des Predigers

Begrenzt man die Sicht auf das, was unter der Sonne geschieht, so bleibt alles Geschehen

vollkommen sinnlos. Nichts ist wirklich greifbar (1,14).

Darüber hinaus zeigt sich, dass es völlig unhaltbar ist, Gott auszuklammern (1,13).
 

❻ Zu welchem Endergebnis gelangt der Prediger?

Der Leser soll dazu geführt werden, dass er gottesfürchtig wird und auf Gottes Worte hört.

Denn Gott existiert und wird den Menschen zur Rechenschaft ziehen (12,13.14).

Der Prediger ist damit eine gute Evangeliums-Vorbereitung. Das NT geht natürlich weit über

den Prediger hinaus!
 

❼ Wer ist die (vorrangige) Zielgruppe des Predigers?

Junge Menschen, die das Leben noch vor sich haben (11,1-12,7.12).

❽ Was ist die Schreibabsicht des Predigers?

Der Prediger tritt als Hirte auf. Seine Worte sind als Treibstacheln gedacht, die den jungen

Menschen zu Gott treiben und ihm Umwege ersparen sollen (12,9-12)
 

❾ Der Autor hält sieben Mal in seiner Analyse an, blickt zurück und zieht Bilanz. Woran erkennt

man dies?

Er verwendet jeweils den Ausdruck „ich wandte mich …“, wenn er ein Resümee einleitet:
 

Resümee 1 Das Lustprinzip ist sinnlos 2,11

Resümee 2 Irdische Weisheit ist sinnlos 2,12-16

Resümee 3 Nihilismus führt nur zur Verzweiflung 2,20-23

Resümee 4 Tote sind besser dran als Lebende 4,1-3

Resümee 5 Beziehungen sind besser als Reichtum 4,7-12

Resümee 6 Kein Mensch lebt so, wie er sollte 7,25-28

Resümee 7 Alles irdische Leben ist vergänglich 9,11.12
 

❿ Warum ist es erstaunlich, dass Gott in diesem Buch überhaupt vorkommt?

Der Prediger hat angekündigt, dass er den Methodischen Atheismus als Untersuchungsmethode

verwendet. Dass er dennoch von Gott redet, macht deutlich, dass sich Wissenschaft

ohne Gott letztlich nicht durchhalten lässt. Folgende Gottes-Exkurse enthält der Prediger:
 

Exkurs 1 Nicht einmal Essen geht ohne Gott 2,24-26

Exkurs 2 Der Mensch kann gar nichts ohne Gott 3,13-15

Exkurs 3 Ohne Gottes Gericht ist Unrecht unerträglich 3,17.18

Exkurs 4 Alle Menschen sind Gott verantwortlich 5,1-9

Exkurs 5 Gott muss selbst zum Genuss ermächtigen 5,18b-6,2

Exkurs 6 Die Schöpfung ist ohne Gott unverständlich 7,13.14

Exkurs 7 Gottesfurcht bewahrt vor Extremen 7,18

Exkurs 8 Gott ist schuldlos an der Sünde 7,29

Exkurs 9 Die Schöpfung verlangt nach einem Schöpfer 8,16.17 

⓫ Schlussfolgerungen des Predigers

• Du kannst ganz so leben, wie du möchtest, so als ob Gott nicht existieren würde. Aber du

musst wissen, dass Gott dich dafür eines Tages zur Rechenschaft ziehen wird (11,7-10).

• Deshalb triff deine Entscheidung rechtzeitig, wenn du noch jung bist, denn von dem Alter ist

außer Altersbeschwerden und Tod nichts mehr zu erwarten (12,1-8).
 

⓬ Schwierigkeiten in Prediger

Der Prediger hat seinen Ansatz – den Methodischen Atheismus – mit verschiedenen Zielsetzungen

und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln bis zum bitteren Ende selbst

durchexerziert. Das jeweilige Ergebnis macht er rückblickend („da wandte ich mich …“) deutlich.

Hier zieht Salomo Bilanz und präsentiert ein Resümee aus den vorangegangenen Untersuchungen.

Immer wieder kommt er zu dem Schluss, dass ein Leben „unter der Sonne“, „unter

dem Himmel“ – also ohne Gott – völlig sinnlos ist. Aus diesem Grund ist seine Absicht zu

zeigen, dass der von ihm gewählte Zugang ohne Gott niemals Erfüllung bringen kann. Deshalb

tauchen auch immer wieder Exkurse auf, in denen er die Notwendigkeit eines Schöpfer-

Gottes für den Menschen aufzeigt.

Alle Aussagen in Prediger sind also wahr, wenn man berücksichtigt, dass Gott weitgehend

ausgeklammert wird. Dann besteht z.B. tatsächlich kein Unterschied mehr zwischen Mensch

und Tier. 

Teil 1c – Überblick über den Prediger

1,1-14

Das Thema: Ein Leben ohne Gott ist völlig sinnlos 1,1-3

Eine erste Annäherung an das Thema 1,4-11

Der Verfasser: Salomo, der König über ganz Israel 1,12

Die Methodik: Der Methodische Atheismus 1,13a

Das Ergebnis: Ohne Gott ist alles völlig sinnlos 1,13b.14

Einführung
1,15 – 6,12

Folgerung 1: Die Sinnlosigkeit irdischer Weisheit 1,15-18

Folgerung 2: Die Sinnlosigkeit des Lustprinzips 2,1-16

Folgerung 3: Die Sinnlosigkeit des Nihilismus 2,17-26

Folgerung 4: Zeitliche Begrenztheit alles Irdischen 3,1-15

Folgerung 5: Ungesühntes Unrecht schreit nach Gott 3,15-18

Folgerung 6: Ohne Gott wird der Mensch zum Tier 3,19-4,3

Folgerung 7: Die Sinnlosigkeit kapitalistischen Handelns 4,4

Folgerung 8: Die Sinnlosigkeit der Faulheit 4,5(-12)

Folgerung 9: Die Sinnlosigkeit irdischer Weisheit 4,13-5,9

Folgerung 10: Die Sinnlosigkeit des Reichtums 5,10-6,9

Folgerung 11: Die Sinnlosigkeit des Determinismus 6,10-12

Analyse und 11 Folgerungen aus dem Methodischen Atheismus
7,1 – 8,8

Irdischer Vorzug des Nachdenkens vor der Oberflächlichkeit 7,1-14

Irdischer Vorzug der Mittelmäßigkeit 7,15-29

Irdischer Vorzug der Bedächtigkeit 8,1-8

Erste Anwendung – 3 irdische Prioritäten
8,9–9,18

Ungesühntes Unrecht schreit nach einem gerechten Gott 8,9-17

Völlige Ungerechtigkeit & Sinnlosigkeit eines auf die Erde beschränkten Lebens ohne Gott 9,1-12

Der relative irdische Vorzug der Weisheit 9,13-18

Zusammenfassung - 3 exemplarisch ausgewählte Beispiele
10,1 – 11,6

1. Ein wenig Torheit zerstört viel Weisheit 10,1-3

2. Ein wenig Gelassenheit bewahrt viel 10,4

3. Wenig Würde in hohem Rang 10,5-7

4. Kleine Argumente für viel Faulheit 10,8.9

5. Kleine Ursache, große Wirkung 10,10.11

6. Nur Torheit – und schlimme Folgen 10,12-15

7. Die Wirkung von Wenigen auf Viele 10,16.17

8. Ein wenig Faulheit zerstört viel 10,18.19

9. Kleine Gedanken können große Folgen haben 10,20

10. Freigiebigkeit zahlt sich aus 11,1-6

Zweite Anwendung - 10 irdische Lebensweisheiten
11,7 – 12,14

Genieße dein Leben, bevor das Alter kommt – doch denke daran: Ein sinnloses Leben ohne Gott endet im Gericht! 11,7-10

Entscheide dich jetzt, in deiner Jugend, denn vom Alter ist nichts mehr zu erwarten. 12,1-8

Schreibabsicht: Die Worte des Predigers sind Treibstacheln, die junge Menschen zu Gott treiben und Umwege ersparen sollen. 12,9-12

Das Endziel: Der Leser soll zur Gottesfurcht geführt werden, denn Gott wird den Menschen zur Rechenschaft ziehen. 12,13.14

Schlussfolgerungen & Schreibabsicht



Nachtext

Quellenangaben