Zeitschrift-Artikel: Leben im Bewusstsein des Todes

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Titel: Leben im Bewusstsein des Todes
Typ: Artikel
Autor: Thomas Lange
Autor (Anmerkung):

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Titel

Leben im Bewusstsein des Todes

Vortext

Text

4:30 Uhr

Es ist 4:30 Uhr und mein Wecker klingelt. Ich habe Frühschicht – mein Arbeitsplatz ist in einem Pflegeheim für alte Menschen.

Wie es meine Gewohnheit ist, danke ich gleich nach dem Ausschalten des Weckers dem Herrn, dass ich gesund aufstehen und mit ihm den Tag beginnen darf. Dann erfolgt das übliche Prozedere vor dem Weg zur Arbeit: Frühstück, Zähneputzen, Bibel lesen, beten.

6:00 Uhr

Als ich pünktlich um 6:00 Uhr meine Arbeit beginnen möchte, erfahre ich, dass eine unserer Heimbewohnerinnen in den frühen Morgenstunden verstorben ist.

Eine Bewohnerin, welche ich in dieser Frühschicht eigentlich hätte pflegen und versorgen sollen. Ich begebe mich in das Zimmer, in welchem sie die letzten Jahre wohnte. Sie liegt in ihrem Bett, mit einem weißen Bettlaken zugedeckt. Ich ziehe das Laken etwas zurück, sodass der Kopf zu sehen ist. Es ist deutlich zu erkennen, dass in dieser Frau kein Leben mehr ist. Die Seele hat sich vom Leib gelöst. Vor mir liegt die Hülle eines Menschen – kalt, keine Durchblutung, kein Puls, kein Herzschlag, nichts mehr. Die Leichenstarre hat bereits begonnen.

Ich „verabschiede“ mich von ihr und muss immer wieder darüber nachdenken, wo sie jetzt wohl sein mag. Hatte sie Frieden mit Gott? Diese Frage bleibt für mich unbeantwortet. Seitdem ich sie kenne, litt sie unter Demenz im Endstadium.

Wieder 4:30 Uhr

Dann lese ich das Protokoll der Nachtschicht und werde auf einmal sehr nachdenklich. Der Todeszeitpunkt war 4:30 Uhr!

Als der Herr über Leben und Tod den Wecker benutzte, um mich aus dem Nachtschlaf zu holen (der ja ein Bild des Todes ist), wurden zum selben Zeitpunkt die Augen eines anderen Menschen für immer geschlossen – Leben und Sterben liegen so nah beieinander.

Davids Worte aus 1Samuel 20,3 kamen mir in Erinnerung: „Nur ein Schritt ist zwischen mir und dem Tod!“ Wie schnell kann es auch andersherum sein und ich werde abberufen während ein anderer aus dem Schlaf aufwacht!

Die nächsten Tage ging mir diese „4:30 Uhr – Zeitüberschneidung“ nicht mehr aus dem Kopf. Was wollte der Herr mir damit sagen? Folgende Punkte wurden mir wieder sehr wichtig:

1. Leben im Bewusstsein der Vergänglichkeit

„Die Tage unserer Jahre sind siebzig Jahre, und wenn in Kraft, achtzig Jahre, und ihr Stolz ist Mühe und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin. … So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!“ (Ps 90,10.12)

2. Die von Gott anvertraute Zeit ist begrenzt …

„Seht nun genau zu, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise. Kauft die rechte Zeit aus! Denn die Tage sind böse.

Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist!“ (Eph 5,15-17)

3. Richtige Prioritäten sind gefragt

„Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir …!“ (1Tim 4,14) „Sieh auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst.“ (Kol 4,17)

Nachtext

Quellenangaben