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Zeitschrift-Artikel: Harfe oder Speer

Zeitschrift: 128 (zur Zeitschrift)
Titel: Harfe oder Speer
Typ: Artikel
Autor: William Kaal
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 3406

Titel

Harfe oder Speer

Vortext

Text

Harfe oder Speer – Heilung oder Verletzung?

König Saul und König David, die ersten beiden Könige Israels, stehen in vieler Hinsicht in starkem Kontrast zueinander. Es ist der Mühe wert, ihre Lebensbilder zu vergleichen und Parallelen sowie Gegensätze herauszuarbeiten. Bei beiden war beispielsweise ein Accessoire typisch – ein Instrument, das ihr Leben charakterisierte. Beide benutzten es mit ihrer Hand, und beide waren im Umgang damit außerordentlich versiert: „… und Saul geriet im Inneren des Hauses in Raserei. David aber spielte die Harfe mit seiner Hand, wie er täglich zu tun pflegte, und Saul hatte einen Speer in seiner Hand.“ (1Sam 18,10) Da den Israeliten das Schmieden verboten war, gab es fast keine Speere im Land. Nur Saul und sein Sohn Jonathan hatten einen Speer. Schon allein deshalb war der Speer Sauls etwas ganz Besonderes. Diesen Speer hatte er zu allen möglichen und unmöglichen Situationen bei sich: zu Hause in seinem Königspalast hielt er offensichtlich immer den Speer in seiner Hand, ebenso bei der Besprechung mit seinen Soldaten und Knechten. Selbst in der Nacht steckte der Speer griffbereit neben seinem Kopf im Boden. Bis kurz vor seinem Tod stützte er sich buchstäblich auf diesen Speer. Im Umgang damit war er trainiert, immerhin traute er sich zu, mit einem gezielten Wurf einen Menschen an die Wand zu spießen, was glücklicherweise mehrmals misslang. Aber man kann sich unschwer ausmalen, wie dieser cholerische Mensch in seiner Umgebung Angst und Schrecken verbreitet haben muss, wenn er immer mit dieser Mordwaffe auftrat und jederzeit „explodieren“ konnte. David hingegen ist für ein anderes Gerät bekannt: kein Mord- sondern ein Musik-Instrument. Er wurde an den Königshof berufen, weil er ein begabter Harfenspieler war. Dieses Instrument beherrschte er so gut, dass man ihm zutraute, damit einen rasenden, unberechenbaren König zu besänftigen. Und tatsächlich berichtet die Bibel, dass Saul – wenn David auf seiner Harfe spielte – Erleichterung fand. Doch David benutzte seine Harfe nicht nur, um den König Saul zu besänftigen, sondern vor allem, um Gott zu loben und zu preisen. Schon in aller Frühe wollte er mit seinem Harfenspiel die Morgenröte wecken.

Was ist dein Instrument?

In dem Gegensatz dieser beiden „Handwerkzeuge“ liegt offensichtlich eine praktische Lektion, auch wenn es für uns dabei vielleicht weniger um unser Handwerk, als um unser Mundwerk geht. Sind wir für unsere verletzenden, verurteilenden Worte bekannt, oder sind wir solche, die durch ihr Reden andere positiv beeinflussen und Gott loben können? Saul setzte seinen Speer immer wieder gegen David ein, auf den er neidisch war und den er als Konkurrenten um den Thron empfand. Aber sogar nach seinem eigenen Sohn Jonathan warf er den Speer. Das lässt sich leicht auf uns übertragen: Wenn wir auf jemanden neidisch sind, setzen wir unsere spitze Zunge besonders gerne und treffsicher ein. Doch auch innerhalb der Familie sind scharfe und verletzende Worte leider oft zu finden. David konnte schon mit der Harfe umgehen, bevor er in der Öffentlichkeit eine Rolle spielte. Er hatte das Harfespielen sicherlich als Kind oder Jugendlicher beim Hüten der Schafe seines Vaters geübt. Niemals hätte er damit gerechnet, dass ihm das einmal den Ruf an den Königshof bescheren würde. Wie jedes Musikinstrument lässt sich Harfespielen am schnellsten und besten in der Jugend lernen. Später wird es mühsam und schwer. Deswegen ist es am besten, wenn auch der richtige Umgang mit der Zunge schon früh trainiert und zu einer guten Gewohnheit wird. Die Bibel berichtet, dass David täglich mit der Harfe spielte. Er beschränkte sich nicht auf Sonn- und Feiertage, sondern war jeden Tag bemüht, mit seinem wohlklingenden Harfespiel den König zu erfreuen und zu besänftigen. Auch hier drängt sich ein Vergleich auf: Unsere Zunge ist zwar ständig in Gebrauch, aber achten wir darauf, nur das zu sagen, was wahr, rein und  wohllautend ist? Oft sind wir täglich mit solchen Menschen konfrontiert, bei denen uns wohlklingende Rede am schwersten fällt. Hier können wir von David lernen. Er blieb ausdauernd und hörte selbst nach der ersten Speer-Attacke seines Feindes nicht auf, für ihn zu spielen. David hatte mindestens einmal die Gelegenheit, „den Spieß umzudrehen“. Er wurde aufgefordert, das Handwerkszeug Sauls zu benutzen und ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Als er eines Nachts heimlich in die Wagenburg Sauls eindrang, fand er den schlafenden Saul mit seinem Speer neben sich. Sein Freund Abisai bot ihm dabei sogar an, dass er zustechen würde, sodass David sich noch nicht einmal die Hände schmutzig machen müsste. Selbst in dieser verlockenden Versuchung blieb David seinen Prinzipien treu und vergalt nicht Böses mit Bösem. Doch er nahm den Speer mit und entwaffnete so seinen ärgsten Konkurrenten, dass dieser beschämt sein Fehlverhalten zugeben musste. Ist das nicht ein herausforderndes Beispiel für uns? Wenn wir Gelegenheiten auslassen, uns mit Worten für verbale Angriffe des anderen zu revanchieren und es auch nicht gutheißen, wenn andere das für uns tun, werden wir ihn entwaffnen und beschämt sein lassen. David ist hier ein eindrückliches Beispiel für die Ermahnung des Paulus an uns, soweit an uns liegt mit allen Menschen in Frieden zu leben, uns nicht selbst zu rächen und das Böse mit dem Guten zu überwinden. David nutzte ja bekannter Weise häufig seine Harfe, um Gott zu loben – die Psalmen vermitteln ein eindrückliches Bild davon. Viele Jahrhunderte später prangerte der Prophet Amos an, dass das Harfenspiel und das Lob Gottes zu einer rein äußerlichen Form geworden waren. Gott verurteilte den Gottesdienst des Volkes Israel, das sich innerlich weit von ihrem Gott entfernt hatte: „Halte den Lärm deiner Lieder von mir fern! Und das Spiel deiner Harfen will ich nicht hören.“ (Amos 5,23) Schon David war sich der Gefahr bewusst, dass das Lob nicht mehr aus reinem Herzen kommen und Gott daher nicht gefallen könne. Deswegen betete er in Psalm 19 das beeindruckende Gebet: „Lass das Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig sein vor Dir.“ Hier steckt sicherlich das Geheimnis für Davids segensreiches und wirkungsvolles Harfenspiel.

Die Zukunft der Harfe

Interessant ist, dass beide Instrumente auch im Neuen Testament zu finden sind. Der Speer nur ein einziges Mal – nämlich dort, wo ein römischer Soldat mit einem Speer die Seite des Gekreuzigten durchbohrte. Während Sauls Speer immer sein Ziel verfehlte, traf dieser genau. Jedes böse Wort und jeder freche Kommentar verletzen Gottes Heiligkeit. Sie durchbohrten letztlich den Sohn Gottes, als er am Kreuz starb. Da hat der heilige Gott „ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeiten.“ (Jes 53,6) Erstaunlicherweise ist danach nie mehr von einem Speer die Rede! Haben wir den Ernst und die Tragweite des Kreuzes verstanden, soll auch in unserem Leben mit den Wortgefechten und Sticheleien Schluss sein. Die Harfe dagegen kommt im Neuen Testament noch öfters vor. In der Offenbarung, wo uns ein Einblick in die Zukunft gewährt wird, ist symbolisch von Harfen die Rede, welche die Gläubigen zum Lob Gottes spielen. Die Harfe ist also das Instrument, das wir noch in der Ewigkeit gebrauchen werden. Deshalb sollten wir den segensreichen Umgang mit unserer „Harfe“ schon hier üben! Lasst uns viel mehr „Harfenspieler“ als „Speerwerfer“ sein!

Nachtext

Quellenangaben